Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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ich  von  der  äussern  Thüre  A.  rechter  Hand  über  einen  Theil  hinunter  auf  den  untersten  Boden  /
über  die  andern  fünff  Theile  lincker  Hand  nach  einander  zu  den  übrigen  fünff  Gängen  gelängete. =
  An  dem  aussern  Thurm  solten  in  jedem  Geschoß  (die  Thüre  A.  mit  darein  gerechnet) =
  6.  runde  Fenster  vier  Fuß  weit  seyn  /  den  innern  Thurm  wolte  ich  endlich  mit  einem
halb  Kugel=Gewölbe  beschliessen  /  welches  zu  unterst  drey  Fuß  dick  angeleget  /  aber  auffwarts
mählich  dünner  würde  /  und  im  Nabel  gantzer  zwantzig  Fuß  weit  offen  bliebe.  Über  dem
aussern  Thurm  wolte  ich  ein  völlig  geschlossenes  halb  Kugel=Gewölbe  aufführen  /  an  dem  Nabel =
  oben  drey  Fuß  /  unten  an  der  Anlage  aber  5.  Fuß  dick  /  und  aussen  mit  Bley  gedecket.
Allein  zu  unterst  um  dieses  Gewölbe  herum  wolte  ich  noch  sechs  runde  Löcher  offen  lassen.
Alle  besagete  Löcher  solten  gantz  offen  bleiben  /  ohne  daß  starcke  und  enge  Drath=Netze
davor  gezogen  /  und  die  untersten  zwey  Reyhen  /  oder  zum  wenigsten  die  allerunterste  über  dieses =
  inwendig  mit  eisernen  Gittern  versetzet  würden.  Die  aussere  Thüre  würde  von  24.  zolligten =
  eichenen  Brettern  gemachet  /  und  innen  und  aussen  mit  Eisen=Blech  beschlagen.  Die
sechs  Thüren  zu  dem  innern  Thurm  musten  gantz  von  Eisen  seyn  /  und  jede  drey  unterschiedene =
  Schlösser  haben.  Zu  deren  einem  der  Gouverneur  oder  Commendant  der  Festung
zu  dem  andern  der  Ober=Commissarius,  zu  dem  dritten  der  Aufseher  des  Thurms  einen
Schlüssel  hätte.  Sie  müssen  aber  also  gemachet  werden  /  daß  kein  Haupt=Schlussel  dazu
seyn  könne  /  der  alle  drey  Schlösser  schliess.
Auf  dem  untersten  Boden  können  36.  zwey  hundert  pfündige  Tonnen  Pulver  stehen,
daß  man  überall  wohl  dazu  kommen  könne  /  welche  dreymahl  über  einander  gesetzet  108.  außmachen. =
  Auf  dem  untersten  Gang  können  (wie  es  der  Augenschein  in  der  Figur  zeiget  /)  zu
äusserst  36.  Tonnen  doppelt  über  einander  /  zu  innerst  herum  27.  dreyfach  über  einander  stehen =
  /  machen  insgesamt  153.  Auf  dem  obersten  Gang  stehen  auf  gleiche  Weise  189.  Tonnen =
  /  wenn  ich  dieses  æquire  /  kommen  auf  jeden  Gang  /  171.  Tonnen  /  und  also  in  den  gantzen =
  Thurm  963.  Tonnen  /  oder  192600.  Pfund  Pulver  /  womit  ich  könte  16050.  Schuß  aus
halben  Carthaunen  thun.
Der  besondere  Vorzug  /  den  solcher  Thurm  vor  andern  Magazynen  hat  /  bestehet  darinnen. =
  1.  Ist  er  gewiß  Bomben  frey.  2.  Kan  man  durch  Verrätherey  auf  keine  Weise  Feuer
hinein  bringeen.  3.  Hat  man  auch  niemahl  gehöret  /  daß  das  Gewitter  durch  ein  solch  Gewölbe =
  eingeschlagen  /  und  müste  gar  ein  verwundersamer  Donnerschlag  geschehen  /  der  hier
solte  Feuer  in  das  Pulver  bringen  /  doch  getraue  ich  es  mir  nicht  vor  unmöglich  außzugeben.
4.  Jst  dieses  Magazyn  allezeit  lufftig  /  und  doch  vor  Feuchtigkeit  gantz  sicher.  Endlich  5.
wenn  ja  das  Pulver  angienge  /  wiche  ihm  augenblicklich  alle  Lufft  durch  die  36.  Löcher  /  und
also  könte  es  nicht  den  zehenden  Theil  so  viel  Gewalt  und  Schaden  thun  als  sonst  /  welches
denn  auch  genug  von  Pulver=Magazynen  wird  gesaget  seyn;  ist  noch  überig  in  diesem  Capittel =
  /  daß  wir  mit  wenigen  noch  handeln
Von  dem  Laboratorio.
Hier  zu  /  wenn  es  complet  seyn  soll  /  gehören  sehr  viel  Gebäude.  Man  findet  aber
gar  selten  Gelegenheit  sie  mit  Vortheil  alle  auf  eine  Stelle  zusammen  zu  bringen  /  als  in  den
See=Plätzen  /  welche  ohne  dem  alles  zu  Schiffe  müssen  zusammen  führen.  Denn  es  wird  ein
solcher  Ort  erfordert  dahin  man  am  wohlfeilesten  und  besten  alle  Materialien  zusammen  bringen =
  kan  /  die  verfertigte  Dinge  aber  am  bequemsten  und  vortheilhafftigsten  wiederum  vertheilen =
  kan.  Zum  Exempel  /  wenn  man  an  den  Orth  wo  das  Zeughauß  lieget  /  die  Eisen=Steine
und  das  Holtz  zum  schmeltzen  jederzeit  solte  zusammen  führen  /  würde  daselbst  das  geschmiedete =
  und  gegossene  Eisen=Werck  offt  zweymahl  höher  zustehen  kommen  /  als  wenn  man  /  wo  der
Eisen=Stein  gegraben  wird  /  auch  die  Holtzung  nahe  hat  /  und  daselbst  alsobald  die  Arbeit  verfertiget =
  /  und  fertig  nach  dem  Zeughause  abführet.  An  manchem  Orth  kan  man  die  Handwercker =
  viel  wohlfeiler  unterhalten  /  als  da  wo  das  Zeughauß  ist.  Diese  und  viel  andere  dergleichen =
  Umstände  müͤssen  wohl  erwogen  werden  /  ehe  man  entschliesset  an  einem  Orth  ein
completes  Artollerie-Laboratorium  anzulegen.
Solche  Gebäude  aber  wohl  zusammen  zu  ordnen  /  wird  nicht  viel  baumeisterische  Wissenschafft =
  /  aber  desto  mehr  Kundschafft  von  allen  den  Profeßionen  /  welche  da  arbeiten  sollen =
  /  an  dem  Baumeister  erfordert.  Und  wird  es  wohl  kein  Baumeister  leicht  dahin  bringen  /
daß  er  ohne  Zuziehung  der  Künstler  ein  Laboratorium  behörig  anlegen  könne  /  hingegen
auch  nichts  rechtschaffenes  zuwege  bringen  /  wenn  er  schon  die  besten  Künstler  von  der  Welt
an  der  Hand  hat  /  im  Fall  er  gar  keine  Kundschafft  von  ihren  Künsten  besitzet.  Vornemlich
aber  muß  er  insgemein  die  Mechanicam  außbündig  wohl  und  practice  verstehen  /  so  kan  er  offtmahls =
  was  er  von  den  Künstlern  verstanden  hat  /  das  er  müsse  machen  lassen  /  besser  anordnen  /
als  sie  es  selbst  wuͤrden  gethan  haben.
Es  werden  ader  zu  einem  vollständigen  Artilleri-Laboratorio  erfordert:  1.  die  Giesserey =
  /  2.  der  Zimmer=Hof  /  3.  die  Schmiede.  4.  die  Seyl=Spinnerey  /  und  5.  die  PulverHütten. =
  Jedes  begreiffet  wiederum  unterschiedene  Gebäude  /  und  erfordert  seinen  eigenen  abgeson =
 =
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