Full text : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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Auß  dem  Profil  Tab.  XVI.  ist  zu  ersehen  /  wie  die  Sähle  in  dem  andern  Geschoß  mit
Jonischen  Wand=Säulen  /  und  mit  freystehenden  Säulen  Jonischer  Ordnung  gezieret  und  gestützet =
  sind.  Auch  diese  haben  die  Helffte  des  grossen  Moduls  /  und  stehen  auch  alle  auf  den
Durchschnitten  des  Netzes.  Kommen  also  in  jeden  Sahl  96.  freystehende  Säulen  /  welche
um  Feuers=Gefahr  wegen  billich  von  Stein  oder  Gibs  verfertiget  seyn  solten.  Sie  wurden
dem  Sahl  vortreffliches  Ansehen  geben  /  und  nicht  allein  Platz  genug  vor  das  Gewehr  lassen  /
welches  auf  diese  Sähl  zu  bringen  wäre  /  sondern  auch  treffliche  Anlaß  zu  schöner  Disponi
rung  desselbigen  geben.  Auf  die  drey  herrlich  raumliche  Böden  /  kan  alles  übrige  zu  Außstaffirung =
  eines  Zeughauses  nöthige  gebracht  /  und  wohl  disponiret  werden.  Die  hohen  Giebel
werden  /  sonderlich  in  dem  Aufriß  Tab.  XV.  Zweiffels  ohne  die  delicaten  Architect  choquiren -
  /  weil  sie  nur  flache  Jtaliänische  Frontons  in  ihr  Gehirne  drucken.  Jch  habe  sie  auch  weder =
  in  der  Meynung  etwas  zierliches  darinnen  zu  suchen  /  noch  auch  aus  Nothwendigkeit  gezeichnet =
  /  bloß  die  Zug=Löcher  zu  erhalten  /  durch  die  man  das  Artollerie-Geräthe  bequemlich
auf  die  Boden  ziehen  könte.  Denn  dieses  hätte  auch  durch  formliche  Dach=Ercker  so  schön
herausbringen  können  /  daß  auch  der  delicateste  Architect  nichts  hätte  dawider  sagen  können.
Ja  ich  habe  in  meinem  Dessein  Gelegenheit  gefunden  /  die  Zug=Winden  bey  tr.  (wie  schon  gemeldet =
  worden)  innerhalb  des  Gebaudes  anzubringen  /  wodurch  man  zwar  so  gar  bequem
nicht  wie  bey  den  aussen  stehenden  Zug=Löchern  /  doch  gewißlich  ohne  importante  Unbequemlichkeit =
  und  Versaumnuß  /  ja  in  Zeit  ungestümmer  Witterung  /  gemächlicher  alles  auf  die  Böden =
  schaffen  kan.  Die  Ursache  aber  solche  Giebel  zu  machen  /  die  fast  an  allen  andern  Gebäuden =
  aus  gewissen  Ursachen  verwerfflich  wären  /  ist  theils  die  Vergrösserung  des  Raums  auf
den  Boden  /  theils  das  Verlangen  zu  erforschen  /  ob  jemand  wurde  wissen  solide  Ursachen  aus
den  Reguln  der  Stärcke  /  Bequemlichkeit  oder  Zierlichkeit  anzuzeigen  /  um  derer  willen  diese
Giebel  an  einem  Zeughauß  zu  verwerffen  wären.  Daß  man  sage  /  sie  stehen  nicht  schön  /  ist
nicht  genug  /  sondern  man  muß  Ursachen  zeigen  /  warum  sie  an  einem  Zeughause  heßlich  stehen.
So  lange  man  diese  nicht  vorbringet  /  habe  ich  Ursache  genug  sie  zu  machen.  1.  Weil  dadurch
die  Böden  raumlicher  werden.  2.  Weil  die  Zug=Löcher  in  Dach=Aerckere  Einkehlen  an  den
Dächern  machen  /  welche  man  doch  so  viel  als  möglich  ist  /  vermeiden  soll.  3.  Weil  sie  das
solide  und  ernstliche  Außsehen  eines  Zeughauses  vermehren.  Weiter  fället  mir  nichts  bey  /  so
bey  meinen  Rissen  zu  erinnern  nöthig  wäre  /  gehe  demnach  weiter  /  noch  mit  wenigem  zu  handeln =
  von  dem
Pulver=Magazyn.
Bey  diesem  ist  erstlich  insgemein  dahin  zu  sehen  /  daß  nicht  wohl  Feuer  hinein  kommen  /
und  wenn  es  doch  durch  ein  Unglüͤck  springen  solte  /  daß  es  nicht  allzugrossen  Schaden  thun
könne.  Darum  ist  zu  erst  offenbahr  /  daß  je  mehr  man  das  Pulver  in  einer  Stadt  vertheilen
kan  /  je  besser  es  sey  /  und  daß  man  sie  also  anlegen  solle  /  daß  der  Feind  es  mit  seinem  Canon
nicht  finden  köͤnne.  Denn  wider  das  Bombardiren  allein  kan  man  sie  noch  verwahren  /  wenn
sie  aber  auch  mit  dem  Canon  köͤnnen  erreichet  werden  /  so  mag  der  Feind  dadurch  leichtlich  so
viel  zu  nichte  daran  schiessen  /  daß  hernach  die  Bomben  durchschlagen.  Also  ist  es  auch  nicht
rathsam  hohe  Gebäude  /  als  Pulver=Thürme  dazu  aufzuführen  /  es  sey  denn  /  daß  sie  entweder
aussen  an  dem  Wall  /  von  den  Stadt=Gebäuden  ziemlich  entfernet  /  zugleich  also  liegen  /  daß
wenn  sie  der  Feind  schon  siehet  /  er  sie  doch  mit  den  Stücken  kräfftig  nicht  abreichen  kan.  Als
in  dem  Fall  /  wo  ein  grosser  Morast  aussen  davor  lieget  /  oder  eine  Inundation,  u.  s.  w.  oder
daß  sie  um  die  Mitte  der  Stadt  mitten  auf  grossen  Plätzen  können  angeleget  werden  /  da  sie
um  und  um  von  den  Haͤusern  der  Stadt  ziemlich  entfernet  liegen.  Denn  das  hindert  nichts,
daß  eine  grosse  Frequenz  der  Leute  da  herum  ist  /  wofern  das  Magazyn  also  verwahret  ist,
wie  es  billich  seyn  soll  /  und  leicht  seyn  kan  /  daß  man  verstohlens  nicht  Feuer  daran  legen  kan,
wo  es  gefährlich  ist  /  oder  gar  hinein  werffen.  Wenn  schon  ein  Spion  auf  einem  solchen  frequenten -
  Platz  sicherer  umher  schleichen  /  und  das  Magazyn  um  und  um  besehen  kan  /  so  hilfft
ihm  doch  das  nichts.  Aber  etwas  weiters  zu  thun  ist  ihm  da  vielmehr  /  als  an  einem  abgelegenen =
  einsamen  Orth  verwehret  /  weil  er  sich  vielmehr  fürchten  muß  /  attrapiret  zu  werden  /  wo  so
viel  hundert  Augen  auf  ihn  gerichtet  seyn  können.
Einmahl  ist  es  gewiß  /  daß  in  einer  recht  wohl  versehenen  Festung  das  Pulver  in  Tonnen =
  nicht  mit  hunderten  /  sondern  mit  tausenden  vorhanden  seyn  muß  /  wozu  viel  Raum  gehöret. =
  Wenn  nun  so  viel  Bomben  freye  Souterreins  unter  den  Wällen  vorhanden  sind  /
daß  man  sie  darein  vertheilen  kan  /  so  ist  es  gut  /  aber  wie  selten  findet  sich  dieses.  Wenn
man  bey  redlichen  angesehenen  Burgern  /  deren  Häuser  sich  durch  sonderliche  Höhe  nicht  vor
andern  distinguiren  /  doch  unter  die  Menge  der  hohen  mit  gehören  /  es  anbringen  kan  /  daß
sie  eine  Zahl  Tonnen  zu  aller  oberst  in  ihre  Häuser  bey  dem  Hahnen=Balcken  /  wie  man  saget,
in  mit  Breter  verschlossene  Oerter  legen  lassen  /  und  diese  einer  von  dem  andern  ziemlich  weit
entfernet  wohnen  /  ist  es  auch  gut  Denn  da  lieget  das  Pulver  sehr  gut  /  und  wenn  es  durch
Unglück  springet  /  kan  es  nicht  grossen  Schaden  thun.  Aber  dazu  zu  gelangen  /  finden  sich
auch
            
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