Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

(0)
32
Nun  besehen  wir  noch  die  übrigen  Vorgebäude  um  den  Hof  /  nachdem  noch  zuvor  erinnert =
  ist  /  daß  zwey  Brunnen  gar  bequem  eben  zwischen  den  Kugel=Pyramiden  bey  I.  liegen  können. =
  So  finden  wir  nun  bey  K.  drey  Plätze  /  in  deren  jeglichen  108.  solche  Reyhen  Palisaden
liegen  können  /  als  Cœhoorn  in  seinem  neuen  Vestungs=Bau  Fig.  D.  n.  3.  beschreibet  /  oder
die  welche  ich  in  meiner  allerletztens  heraus  gegebenen  neuen  Manier  vorgeschlagen  habe.  Jn
dem  vierten  Platz  aber  L.  der  mit  diesem  in  Symmetrie  lieget  /  haben  noch  300.  ordinare  Palisaden =
  Creutz=weiß  über  einander  geschlichtet  /  Raum  /  daß  man  um  und  um  dazu  kommen  kan.
Die  Plätze  M.  können  jeglicher  acht  und  zwantzig  Munitions=Karrn  mit  aufgeschlagenen
Deichseln  beherbergen.  Die  zwey  Plätze  N.  haben  ein  jeder  das  Holtzwerck  so  zu  einer  8.  Fuß
breiten  und  150.  Fuß  langen  Brucke  erfordert  werden.  Oben  auf  den  Balcken  aller  dieser
Schopffen  kan  noch  eine  grosse  Quantität  Höltzer  zu  Palisaden  liegen  /  welche  so  weit  fertig
sind  /  daß  wenig  Zimmerleute  sie  gar  ausmachen  können  /  in  der  Zeit  da  man  die  Löcher  dazu
gräbet.  Ferner  gelangen  wir  zu  O.  allwo  der  Artollerie-Commissarius  mit  seinem  Secretario, -
  Schreiber  und  Archiv  logiret.  Hernach  finden  wir  noch  438  schuhige  Bomben  /  (deren
wir  in  voriger  Specification  nur  wenige  gezehlet)  in  zehen  Pyramiden  /  und  also  haben  wir
alle  Grenaden  und  Kugeln  in  solcher  Proportion  der  Zahl  gegen  die  Nothwendigkeit  /  in  solcher =
  Ordnung  und  symmetrischen  Disposition,  daß  daran  hoffentlich  mit  Recht  nichts  wird
können  desideriret  werden.  Hernach  finden  wir  in  dem  Schopffen  Q.  sechs  Wagen  auf  deren =
  jeden  zwey  Feuer=Mörser  mit  aller  Zugehör  können  geführet  werden.  Bey  S.  logiret  ein
Lischer  /  bey  R.  wohnen  zwey  Bombardirer  /  welche  eine  Woche  um  die  andere  der  Pforte  AA.
warten  /  bey  St.  ein  Schmidt.  Bey  Tq.  solten  drey  Wagen  /  jeder  mit  zwey  Noth=Mühlen  /
und  einer  mit  der  Feld=Schmiede  stehen  /  den  übrigen  Raum  solte  das  grosse  Hebezeug  einnehmen. =
  Endlich  beschliesset  diesen  Ring  der  Vorgebäude  des  Zeug=Lieutenants  Wohnung  /
welcher  noch  einen  Büchsenschäffter  /  und  eine  Schleiff=  und  Polier=Mühle  samt  dem  dazugehoͤrigen =
  Meister  muͤste  bey  sich  in  dem  Hause  haben.
Nunmehr  begeben  wir  uns  /  das  Haupt=Gebäude  selbst  zu  besehen  /  und  gehen  durch
die  Haupt=Pforte  T.  in  einen  langen  Hof  V.  der  an  beyden  Seiten  Säulen=Lauben  hat  /
von  Dorischen  Säulen  /  deren  Modul  halb  so  groß  ist  als  der  grosse  /  nemlich  112.  Zoll  /  daß
also  die  Säulen  Wechsel=weiß  5½/.  und  16.  Modul  von  einander  stehen.  Zwischen  jedem
Paar  engen  Säulen  lieget  oder  stehet  ein  Mörser  /  zwischen  den  weiten  Säulen  bey  V1.  liegen
die  50.  grosse  Canons  und  das  übrige  kleinere  Geschütz  gegen  über  bey  V.  2.  also  daß  man
eben  noch  frey  dahinter  hergehen  /  und  sie  also  an  allen  Seiten  wohl  betrachten  kan.  Jch
wolte  sie  aber  auf  sauber  angestrichene  Lager=Höltzer  legen  /  so  hoch  /  daß  man  sich  nicht  sehr  bücken =
  müsse  /  die  Arbeit  an  den  Canonen  zu  betrachten  /  und  daß  man  desto  weniger  Arbeit  habe =
  /  wenn  man  sie  auf  die  Lavetten  aufprotzen  oder  davon  abbringen  will.  Hinter  diesen  Canonen =
  wird  die  Wand  zwischen  den  Säulen  und  Fenstern  /  ja  auch  wohl  an  den  Stämmen
der  Wand=Pfeiler  selbst  in  einen  Hauffen  kleine  Blindten  über  und  neben  einander  formiret  /
welche  acht  Zoll  weit  und  20.  hoch  werden.  Es  können  derselben  in  beyden  Säulen=Lauben  /
in  schöner  Ordnung  /  der  Wand  zur  Zierde  /  nicht  zur  Verstellung  2500.  solche  kleine  Blindten =
  gemachet  werden.  In  eine  jede  wolte  ich  hernach  eine  Cartätsche  oder  einen  FraubenHagel =
  setzen.  Wenn  wir  in  diesen  Säulen=Lauben  umher  gegangen  sind  /  welches  alles  verdeckt =
  geschehen  kan  /  so  gehen  wir  unter  der  Treppe  t.  über  die  Durchfahrt  T.  nach  rt.  und  nach
dem  einen  Hauß  /  bey  tt.  sind  in  den  Decken  aller  Geschosse  runde  mit  Geländern  oben  umgebene =
  Löcher  /  8.  Fuß  weit  in  Lichten  /  und  darüber  bequeme  Winden  /  daß  man  allerhand  in  die
Höhe  winden  /  und  in  die  Geschosse  umher  vertheilen  kan.
Wenn  wir  hinein  kommen  /  finden  wir  in  dem  mittlern  Gang  an  jeden  Pfeiler  eine
Mörser=Lavette  stehen  /  daß  also  nur  zweyen  noch  die  Stelle  mangelt  /  welche  sie  leicht  an  den
Durchgäͤngen  u.  in  den  Außschnitten  der  Thüren  Z.  finden.  Doch  werde  ich  ohne  dem  bekennen =
  müͤssen  /  daß  mir  der  Platz  in  diesen  Gebäͤuden  etwas  zu  klein  gerathen  /  und  ihre  Länge
billich  hätte  um  zwey  Weiten  /  oder  um  21,.  Modul  grösser  werden  sollen  /  denn  in  den  Gang
X.  kan  ich  wohl  die  Lavetten  von  der  Helffte  grosser  Stücke  nemlich  25.  grosse  Feld=Lavetten  /
25.  Wall=  und  eben  so  viel  Schiff=  oder  besser  Casematte=Lavetten  in  guter  Ordnung  und  in
genugsamen  Raum  stellen  /  doch  bleibet  nicht  das  geringste  Raum  überig  /  und  wären  die  Thüren =
  y.  nicht  /  so  koͤnte  man  sie  nicht  bequem  aus  oder  in  einander  führen.  Aber  an  der  andern
Seite  u.  können  mehr  nicht  als  zu  22.  Canonen  Raum  finden.  Ja  wenn  man  bedencket  /  daß
noch  von  jebem  Caliber  eine  Retour-Lavette  vor  Stücke  so  wohl  /  als  vor  Mörser  vorhanden
seyn  soll  /  so  ist  die  Verlängerung  um  zwey  Weiten  nicht  einmahl  genug  /  sondern  sie  muß  um
vier  Weiten  geschehen.  Die  Warheit  zu  bekennen  /  habe  ich  dieses  gleich  bey  der  ersten  Außrechnung =
  des  Desseins  gefunden  /  aber  doch  lieber  diesen  Fehler  in  dem  Riß  gemachet  /  damit
der  Modul  grösser  /  und  an  ihm  der  rechtmäßige  Format  geblieben  ist.  Das  Gebäude  auf
der  andern  Seite  ist  nun  von  gleicher  Austheilung  /  und  kein  Zweiffel  /  wenn  diese  Seite  ihren
Raum  völlig  hat  /  daß  es  an  jener  nicht  fehlen  könne  /  weil  augenscheinlich  ist  /  daß  die  übrige
specificirte  Geschütze  bey  weiten  so  viel  Raum  nicht  erfordern.  So  viel  mag  genug  sehn  /  den
Grund=Riß  zu  erklähren.
Aus
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer