Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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Zeug  /  als  Hebel  /  Brech=Stangen  /  Geißfüssen  /  Hebe=Leitern  /  Winden  /  Flaschen  oder  Rollen=Züge =
  /  Böcke  u.  d.  gl.  8.  Zelte  und  Sand=Säcke  /  item  Leinwand  zu  Carcassen  /  FeuerBallen =
  und  Würste  zu  Leit=Feuern  in  den  Minen.  9.  Hand=Mühlen  /  Feld=Backöfen  /  und
Feld=Schmieden  samt  dazu  gehörigen  Wagen  und  Geschirre.  10.  Pontons  ssamt  dazu  gehörigen =
  Wagen=Geschirr  /  und  Brucken=Zeug  /  nemlich  Ruthen  /  Bohlen  und  Spillen.  Item
Protz=Wagen  /  Ammunition-Karren  /  und  Wagens  zu  den  Feuer=Mörsern.  11.  Palisaden  /
gezimmert  und  gezeichnet  Holtz  zu  Halbcaponieren  /  Block=Batterien  und  Stück=Bettungen.
12.  Endlich  gezimmert  und  gezeichnet  Holtz  zu  Brüͤcken  /  die  man  in  Zeit  einer  Belagerung  hin
und  wieder  in  Eile  zusammen  schlagen  muß.
Dieses  Zeug  muß  alles  seinen  geschickten  Orth  haben  /  daß  es  alles  rein  bleibe  /  was
nicht  unter  freyen  Himmel  liegen  kan  /  doch  freye  Lufft  haben  will  /  in  Scheuern  /  das  überige
in  trockenen  und  verschlossenen  Orten  liege.  Es  muß  in  solcher  Ordnung  liegen  /  daß  man  es
nicht  nur  geschwind  finden  /  und  ohne  andere  Sachen  umzureissen  stracks  haben  könne  /  sondern
auch  daß  man  die  Ordnung  leicht  behalten  könne  /  daß  geschwinde  in  die  Augen  falle  /  wenn  etwas =
  abgehet  /  und  daß  es  auch  denen  wohl  in  die  Augen  falle  /  und  Ergötzung  oder  Verwunderung =
  verursache  /  welche  das  Zeughauß  besehen  /  es  sey  die  Herrschafft  selbst  /  oder  Deputirte
derselben  /  oder  auch  Fremde  /  denen  man  das  Besehen  zu  Vergnügung  ihrer  Curiosität  /  oder
Begierde  zu  lernen  erlaubet.
Da  ist  nun  leicht  zu  gedencken  /  daß  dazu  grosser  Raum  erfordert  werde  /  und  daß  es  eine
von  dem  Baumeister  erforderte  Geschicklichkeit  seye  /  den  Raum  also  anzuordnen  /  daß  er  überall
genug  seye  /  und  doch  auch  nichts  überflüͤßiges  habe  /  darum  er  sich  eine  genaue  Specification  muß
geben  lassen  /  vor  was  und  wie  viel  von  oben  specificirten  Sachen  man  Raum  haben  wolle  /  damit =
  er  keine  Schuld  habe  /  wenn  es  dermahleins  an  Raum  fehlen  solte.  Deßwegen  muß  er  auch
wohl  innhaben  /  wie  viel  Raum  eine  jede  Sache  erfordere  /  zum  wenigsten  von  den  Stücken  und
ihren  Laveten  /  von  den  Bomben  und  Kugeln  /  von  den  Pontons  und  allen  zur  Artillerie  eigenthümlich =
  gehörigen  Wagen  /  und  von  dem  grossen  Holtz=Werck  /  Summa  von  denjenigen  Dingen =
  die  nothwendig  unten  am  Boden  logiret  werden  /  und  in  höhere  Geschoß  sich  nicht  wohl
bringen  lassen.  Denn  woferne  diese  ihren  behörigen  Platz  haben  /  findet  sich  vor  das  übrige
von  selbsten  Platz  genug  in  den  erhabenen  Geschossen.
Noch  ist  auf  einige  Wohnungen  zu  dencken  /  die  in  dem  Bezirck  des  Zeughauses  mit
liegen  müssen  /  zum  allerwenigsten  muß  einer  von  den  Ober=  und  einer  von  den  Unter=Officiers
darinnen  wohnen  /  und  Auffsicht  über  das  Zeughauß  haben.  Hernach  soll  billich  ein  und  anWerck =
 =
  Künstler  oder  Handwercksmann  daselbst  /  wo  nicht  gantz  wohnhafft  /  doch  mit  eine
statt  und  Bequemlichkeit  den  gantzen  Tag  über  in  dem  Zeughause  seyn  /  daß  sie  alle  Sachen
stets  reinlich  und  in  gutem  Stand  erhalten  /  und  so  was  abgenutzet  /  zerbrochen  /  oder  verlohren
worden  /  es  alsobald  wiederum  ersetzen.  Wenn  aber  irgends  Raum  dazu  ist  /  pfleget  die  Hohe
Obrigkeit  gerne  noch  mehr  Logiamenter  dabey  anrichten  zu  lassen  /  damit  sie  wohlverdienete
Officier  und  Künstler  mit  freyer  Wohnung  begnadigen  /  und  dadurch  aufmuntern  mögen  /  desto
fleißiger  auf  die  gute  Unterhaltung  des  Zeughauses  Achtung  zu  haben.
Ein  Haupt=Punct  ist  noch  zu  bedencken  /  ob  man  in  dem  Zeughause  die  Stücke  nach
Teutscher  Art  auf  ihren  Laveten  liegend  /  oder  lieber  nach  Gewonheit  der  Frantzosen  und  Holländer =
  /  die  Rohr  à  part  auf  die  Erde  legen  /  und  die  Laveten  besonders  stellen  wolle.  Jene  Art
machet  ohnstreitig  das  beste  Ansehen  /  hat  aber  grosse  Inconvenientien  /  indeme  dadurch  der
Raum  vorerst  ziemlich  verenget  wird  /  denn  da  der  gantz  montirte  Canon  einen  Raum  von  18.
Fuß  in  die  Läͤnge  haben  will  /  oder  wenn  man  ja  des  einen  Laveten  unter  des  folgenden  Rohr
unterschieben  will  /  welches  sich  doch  nicht  allzuwohl  schicket  /  doch  von  14.  Fuß  /  so  brauchet
man  zu  den  Laveten  allein  nur  10.  Fuß.  Zum  andern  /  wenn  man  sie  rücken  will  /  welches
doch  mannichmahl  vorfäͤllet  /  so  geschiehet  solches  mit  einer  so  schweren  Machine  gar  beschwerlich. =
  Drittens  werden  die  Laveten  fast  noch  einmahl  so  bald  hingerichtet  /  wenn  sie  also  continuirlich =
  unter  der  schweren  Last  liegen.  Denn  eine  Last  /  wie  aus  der  Physica  bekannt  ist  /
ruhet  deßwegen  nicht  /  weil  sie  vor  unsern  Augen  still  lieget  /  sondern  agiret  continuirlich  gegen
das  was  ihren  natüͤrlichen  Nisum  nach  dem  Mittelpunct  der  Erde  aufhält  /  welches  wir  unter
andern  an  den  Grabsteinen  sehen  /  die  sich  nach  und  nach  ohnvermerckt  in  die  Erde  sencken.
So  geschiehet  es  nun  durch  diese  continuirliche  Druckung  /  daß  eine  continuirliche  gelinde  Entzundung =
  in  dem  Holtz  erhalten  wird  /  wodurch  es  als  durch  ein  langsam  Fieber  ausgezehret
wird  /  und  wenn  es  auswarts  noch  so  schön  aussiehet  /  bey  der  nächsten  gewaltsamen  Bewegung =
  oder  Erschütterung  zerbricht.  Welche  einige  Ursach  genug  ja  überflußig  den  Feutschen
Gebrauch  uns  solte  verleyden  können.  Hingegen  stehet  es  /  duncket  mich  /  bey  den  Frantzosen
nicht  wohl  /  und  bey  den  sonst  excessiv  reinlichen  Holländern  gar  übel  /  daß  sie  die  kostbahre
metallene  Rohr  /  welche  dem  Zeughauß  die  grösseste  Parade  zu  wege  bringen  können  /  so  schlecht
unter  freyen  Himmel  /  jene  ordentlich  auf  Blöchern  hinschlichten  /  diese  gar  ohne  Ordnung
auf  die  blosse  Erde  hinlegen  /  wie  ich  es  an  dem  vornehmsten  Zeughauß  zu  Delpht  gesehen.
Denn  obschon  der  Materie  kein  Schade  davon  zustehet  /  so  können  sie  doch  nicht  wohl  blanck
erhalten  werden  /  und  der  verächtliche  Orth  /  wenn  der  Knecht  die  Lavete  in  einem  Palast
wohnet  /  und  der  Herr  auf  der  Gasse  lieget  /  insinuiret  denen  /  so  ihre  Zeughäuser  besehen  /  eine
gewal=
            
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