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wäre der Schönheit entgegen / so müste er Ursache dabey setzen / warum es der Schönheit zuwider =
sey / deren er keine wird finden können / die einem Architect anständig wäre / und der Augenschein =
in der Tab. XII. und XIII. wird das Widerspiel bezeugen / zugeschweigen / daß es die
Vernunfft giebet / es sey schön / wenn Pfeiler gegen ihre aufwarts sich ausbreitende Last / sich
unterwarts wiederum verbreiten. Wolte man sagen / daß dem Wasser dadurch ohne Noth
der Lauff verringert werde / so zeiget die Natur der Sache auch das Gegentheil / denn je höher
das Wasser ist / je mehr hat es Raum vonnöthen / und also richtet sich die Schmiege der Pfeiler =
recht nach der Natur.
Nachdem dieses nöthigste und vornehmste Stück nun hoffentlich zur Gnüge / und gründlicher =
als es von andern geschehen / abgehandelt worden / ist nichts mehr überig / als daß wir noch
die übrigen drey Exempla mit wenigen durchsehen / und denn auch die Materia von Brücken
beschliessen / um nicht allzuweitläuffig zu seyn.
Tab. XI. stellet uns nun unsern Casum von der 150. Fuß langen Stadt=Brüͤcke recht
in Palladii Proportionen vor. Die gantze Länge wird also in 34. gleiche Theile getheilet / davon =
einer den Vorsprung der äussersten Pfeiler aus den Ufern / acht die Weite der beyden äussern =
Bogen / 2. die Dicke der mittlern Pfeiler / und zwölff die Weite des mittlern Bogens
geben Aber die Höhe seiner Pfeiler träget weniger als den dritten Theil der Bogen=Weite
aus / hingegen meines Pfeilers Höhe beträget mehr als den dritten Theil. Da nun des Palladii -
Construction schon kühn genug ist / möchte ich diese meine Brücke würcklich zu bauen
nicht wohl wagen / es sey denn / daß ich die Pfeiler zu unterst durch eine Schmiege um den
zwölfften Theil der Höhe an jeder Seite breiter anlegete / da ich es denn ohne Bedencken versuchen =
wolte / doch wurde ich sicherer nach der oben gesetzten Maaß gehen / weil wir doch die
Materialien so gut nicht haben als die Jtaliäner. Die Pfeiler sind statt eines Kämpffers mit
einer Schicht ein wenig vorstehender Steine gedecket / welche dazu dienen / daß man das LehnGerüste =
zu dem Gewölbe desto besser aufflegen / und desto bequemer wiederum abnehmen kan.
Die Schwibbogen halten auch einen Theil / oder einen zwölfften Theil der mittlern / einen achten =
der äussern Bogen=Weite. Auf ihrem obersten Theil liegen nackende Brunnen=Götter
und Wasser=Nymphen mit ihren Krügen / welche doch nicht gantz frey / sondern halb erhaben
müsten gearbeitet werden. Jn den runden Bilder=Blindten dazwischen können gantz freye
Busti oder Brust=Bilder stehen. Das übrige ist aus dem Riß klar.
Tab. XII. habe auf eben den Casum und die Breite des Flusses von 150. Fuß eine
Brücke mit Säulen=Lauben an beyden Seiten neben dem Fahr=Weg gemachet / deren jeder
drey Zeilen Dorische Saulen bekommen solte / ein und einen halben Fuß dick / daß also der
Modul 9. Zoll bekömmt. Jhre Weite von einander solte zehen Modul oder 77. Fuß halten /
welche Weite zugleich die Theilung der Bögen nach Goldmanns Regul geben solte / daß also
ein Theil vor die Pfeiler an den Ufern / vier vor die aussern Bögen / sechs vor den mittlern /
und zwey vor jeden Pfeiler zwischen den Bögen kämen. Weil nun Goldmann solche Eintheilung =
haben will / wenn Bogen von völligen halben Circuln auf die Pfeiler gesetzet werden /
so würde ich die Pfeiler noch dicker nehmen müssen / weil ich die Höhe der Brücke so klein als
möglich zu machen die Bogen gantz flach / und nur einen sechsten Theil ihrer Weite hoch machen
wollen. Jch habe aber oben die Stärcke der Pfeiler behalten / und sie nur durch eine Schmiege
aus dem achten Theil der Höhe verstärcket. Dennoch wird ein jeder Bau=Verständiger urtheilen =
müssen / daß sie stärcker als nöthig wäre / geworden seyn. Hingegen wenn der geneigte
Leser die Mühe nehmen / und die Breite des Flusses in 50. Theile theilen / zwey den Pfeilern
am Ufer / eilff jeden Bogen an der Seite / sechszehen aber dem mittlern / und vier jedem Pfeiler =
dazwischen geben / diese aber durch eine Schmiege aus dem achten Theil der Höhe unterwarts =
verbreiten will / daß ein viel förmlicher / und doch genugsam starcker Bau heraus kommen =
wird. Aber die Saalen müssen in der Mitte 12. Fuß beyderseits daneben 6. Fuß von
einander stehen / hernach müssen noch auf jeder Seite sieben Säulen=Weiten von 9. Fuß folgen =
/ der Modul muß just einen Fuß halten / und muß eine von den zwey mittlern Ordnungen
genommen / übriges aber alles ausgetheilet werden / wie an gegenwärtigen Dessein, allwo ich
an beyden Enden des Saulen=Laubens Wendel=Treppen angeleget habe / daß man um desto
anmuthigern Prospect zugeniessen / auch über den Saulen=Lauben hinauf kommen / und daruͤber =
als uber einen Altan gehen koͤnne.
Bey Tab. XIII. ist nichts sonderliches mehr zu erinnern / sintemahl von dem vornehmsten =
Stuck / nemlich dem mittlern oben offen gelassenen Bogen schon oben gehandelt worden.
Jch habe den Durchschnitt der Brüͤcke gezeichnet / als wäre sie nach der Länge / und nach der
Linie ux. durchgeschnitten / die gantze Construction desto besser zu zeigen. Jch habe die OberFläche =
der Brücke nur einen Fuß über den Schwibböͤgen weggefuhret / damit ich so viel möglich =
vermeiden möchte / daß die Brücke nicht zu steil anlieffe / sondern von dem innern Thor an /
da ich die Gasse gesetzet / sieben Fuß über das höchste Wasser erhoben zu seyn / biß an das
äussere auf die Weite von 72. Fuß drey Fuß höher / und von da an biß an die Schlag=Brucken =
in der Weite von 63. Fuß noch acht Fuß höher lieffe / welches schon steil genug ist / sonst
ist es freylich besser drey biß 6. Fuß den Brucken=Fluhr über den Schwibbögen hinzuführen.
Die Spatia über den Gewölbern / welche am besten wäre gantz mit Steinen auszufüllen / setze
ich nur