Full text : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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wäre  der  Schönheit  entgegen  /  so  müste  er  Ursache  dabey  setzen  /  warum  es  der  Schönheit  zuwider =
  sey  /  deren  er  keine  wird  finden  können  /  die  einem  Architect  anständig  wäre  /  und  der  Augenschein =
  in  der  Tab.  XII.  und  XIII.  wird  das  Widerspiel  bezeugen  /  zugeschweigen  /  daß  es  die
Vernunfft  giebet  /  es  sey  schön  /  wenn  Pfeiler  gegen  ihre  aufwarts  sich  ausbreitende  Last  /  sich
unterwarts  wiederum  verbreiten.  Wolte  man  sagen  /  daß  dem  Wasser  dadurch  ohne  Noth
der  Lauff  verringert  werde  /  so  zeiget  die  Natur  der  Sache  auch  das  Gegentheil  /  denn  je  höher
das  Wasser  ist  /  je  mehr  hat  es  Raum  vonnöthen  /  und  also  richtet  sich  die  Schmiege  der  Pfeiler =
  recht  nach  der  Natur.
Nachdem  dieses  nöthigste  und  vornehmste  Stück  nun  hoffentlich  zur  Gnüge  /  und  gründlicher =
  als  es  von  andern  geschehen  /  abgehandelt  worden  /  ist  nichts  mehr  überig  /  als  daß  wir  noch
die  übrigen  drey  Exempla  mit  wenigen  durchsehen  /  und  denn  auch  die  Materia  von  Brücken
beschliessen  /  um  nicht  allzuweitläuffig  zu  seyn.
Tab.  XI.  stellet  uns  nun  unsern  Casum  von  der  150.  Fuß  langen  Stadt=Brüͤcke  recht
in  Palladii  Proportionen  vor.  Die  gantze  Länge  wird  also  in  34.  gleiche  Theile  getheilet  /  davon =
  einer  den  Vorsprung  der  äussersten  Pfeiler  aus  den  Ufern  /  acht  die  Weite  der  beyden  äussern =
  Bogen  /  2.  die  Dicke  der  mittlern  Pfeiler  /  und  zwölff  die  Weite  des  mittlern  Bogens
geben  Aber  die  Höhe  seiner  Pfeiler  träget  weniger  als  den  dritten  Theil  der  Bogen=Weite
aus  /  hingegen  meines  Pfeilers  Höhe  beträget  mehr  als  den  dritten  Theil.  Da  nun  des  Palladii -
  Construction  schon  kühn  genug  ist  /  möchte  ich  diese  meine  Brücke  würcklich  zu  bauen
nicht  wohl  wagen  /  es  sey  denn  /  daß  ich  die  Pfeiler  zu  unterst  durch  eine  Schmiege  um  den
zwölfften  Theil  der  Höhe  an  jeder  Seite  breiter  anlegete  /  da  ich  es  denn  ohne  Bedencken  versuchen =
  wolte  /  doch  wurde  ich  sicherer  nach  der  oben  gesetzten  Maaß  gehen  /  weil  wir  doch  die
Materialien  so  gut  nicht  haben  als  die  Jtaliäner.  Die  Pfeiler  sind  statt  eines  Kämpffers  mit
einer  Schicht  ein  wenig  vorstehender  Steine  gedecket  /  welche  dazu  dienen  /  daß  man  das  LehnGerüste =
  zu  dem  Gewölbe  desto  besser  aufflegen  /  und  desto  bequemer  wiederum  abnehmen  kan.
Die  Schwibbogen  halten  auch  einen  Theil  /  oder  einen  zwölfften  Theil  der  mittlern  /  einen  achten =
  der  äussern  Bogen=Weite.  Auf  ihrem  obersten  Theil  liegen  nackende  Brunnen=Götter
und  Wasser=Nymphen  mit  ihren  Krügen  /  welche  doch  nicht  gantz  frey  /  sondern  halb  erhaben
müsten  gearbeitet  werden.  Jn  den  runden  Bilder=Blindten  dazwischen  können  gantz  freye
Busti  oder  Brust=Bilder  stehen.  Das  übrige  ist  aus  dem  Riß  klar.
Tab.  XII.  habe  auf  eben  den  Casum  und  die  Breite  des  Flusses  von  150.  Fuß  eine
Brücke  mit  Säulen=Lauben  an  beyden  Seiten  neben  dem  Fahr=Weg  gemachet  /  deren  jeder
drey  Zeilen  Dorische  Saulen  bekommen  solte  /  ein  und  einen  halben  Fuß  dick  /  daß  also  der
Modul  9.  Zoll  bekömmt.  Jhre  Weite  von  einander  solte  zehen  Modul  oder  77.  Fuß  halten  /
welche  Weite  zugleich  die  Theilung  der  Bögen  nach  Goldmanns  Regul  geben  solte  /  daß  also
ein  Theil  vor  die  Pfeiler  an  den  Ufern  /  vier  vor  die  aussern  Bögen  /  sechs  vor  den  mittlern  /
und  zwey  vor  jeden  Pfeiler  zwischen  den  Bögen  kämen.  Weil  nun  Goldmann  solche  Eintheilung =
  haben  will  /  wenn  Bogen  von  völligen  halben  Circuln  auf  die  Pfeiler  gesetzet  werden  /
so  würde  ich  die  Pfeiler  noch  dicker  nehmen  müssen  /  weil  ich  die  Höhe  der  Brücke  so  klein  als
möglich  zu  machen  die  Bogen  gantz  flach  /  und  nur  einen  sechsten  Theil  ihrer  Weite  hoch  machen
wollen.  Jch  habe  aber  oben  die  Stärcke  der  Pfeiler  behalten  /  und  sie  nur  durch  eine  Schmiege
aus  dem  achten  Theil  der  Höhe  verstärcket.  Dennoch  wird  ein  jeder  Bau=Verständiger  urtheilen =
  müssen  /  daß  sie  stärcker  als  nöthig  wäre  /  geworden  seyn.  Hingegen  wenn  der  geneigte
Leser  die  Mühe  nehmen  /  und  die  Breite  des  Flusses  in  50.  Theile  theilen  /  zwey  den  Pfeilern
am  Ufer  /  eilff  jeden  Bogen  an  der  Seite  /  sechszehen  aber  dem  mittlern  /  und  vier  jedem  Pfeiler =
  dazwischen  geben  /  diese  aber  durch  eine  Schmiege  aus  dem  achten  Theil  der  Höhe  unterwarts =
  verbreiten  will  /  daß  ein  viel  förmlicher  /  und  doch  genugsam  starcker  Bau  heraus  kommen =
  wird.  Aber  die  Saalen  müssen  in  der  Mitte  12.  Fuß  beyderseits  daneben  6.  Fuß  von
einander  stehen  /  hernach  müssen  noch  auf  jeder  Seite  sieben  Säulen=Weiten  von  9.  Fuß  folgen =
  /  der  Modul  muß  just  einen  Fuß  halten  /  und  muß  eine  von  den  zwey  mittlern  Ordnungen
genommen  /  übriges  aber  alles  ausgetheilet  werden  /  wie  an  gegenwärtigen  Dessein,  allwo  ich
an  beyden  Enden  des  Saulen=Laubens  Wendel=Treppen  angeleget  habe  /  daß  man  um  desto
anmuthigern  Prospect  zugeniessen  /  auch  über  den  Saulen=Lauben  hinauf  kommen  /  und  daruͤber =
  als  uber  einen  Altan  gehen  koͤnne.
Bey  Tab.  XIII.  ist  nichts  sonderliches  mehr  zu  erinnern  /  sintemahl  von  dem  vornehmsten =
  Stuck  /  nemlich  dem  mittlern  oben  offen  gelassenen  Bogen  schon  oben  gehandelt  worden.
Jch  habe  den  Durchschnitt  der  Brüͤcke  gezeichnet  /  als  wäre  sie  nach  der  Länge  /  und  nach  der
Linie  ux.  durchgeschnitten  /  die  gantze  Construction  desto  besser  zu  zeigen.  Jch  habe  die  OberFläche =
  der  Brücke  nur  einen  Fuß  über  den  Schwibböͤgen  weggefuhret  /  damit  ich  so  viel  möglich =
  vermeiden  möchte  /  daß  die  Brücke  nicht  zu  steil  anlieffe  /  sondern  von  dem  innern  Thor  an  /
da  ich  die  Gasse  gesetzet  /  sieben  Fuß  über  das  höchste  Wasser  erhoben  zu  seyn  /  biß  an  das
äussere  auf  die  Weite  von  72.  Fuß  drey  Fuß  höher  /  und  von  da  an  biß  an  die  Schlag=Brucken =
  in  der  Weite  von  63.  Fuß  noch  acht  Fuß  höher  lieffe  /  welches  schon  steil  genug  ist  /  sonst
ist  es  freylich  besser  drey  biß  6.  Fuß  den  Brucken=Fluhr  über  den  Schwibbögen  hinzuführen.
Die  Spatia  über  den  Gewölbern  /  welche  am  besten  wäre  gantz  mit  Steinen  auszufüllen  /  setze
ich  nur
            
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