Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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auf  diese  übergekragte  Bögen  setzen  könte.  Woran  auch  desto  weniger  zu  zweiffeln  stehet  /  weil
zu  Amsterdam  an  der  neuen  Brucke  auch  oben  eine  solche  Oeffnung  erstlich  von  höltzerner  Construction -
  gewesen  ist  /  und  so  lang  gedauert  hat  /  als  das  Holtz  gesund  daran  gewesen  /  jetzund
aber  von  Steinen  gemächet  ist  /  da  beyderseits  der  Überhang  noch  weit  stärcker  ist  /  wie  davon
mit  mehrern  in  meinem  Tractat  von  Schläͤussen  am  angezogenen  Orth  zu  sehen  ist.
Daß  beyde  Flügel  inwendig  allein  köͤnnen  dirigiret  werden  /  wären  solcher  gestalt  /  daß
Seyle  oder  Ketten  von  dem  äussern  Flügel  nach  der  innern  Seite  hinüber  gezogen  seyen  /  noch
unterschiedene  Arten  auszudencken  /  aber  schwehrlich  wird  man  über  diejenige  /  welche  ich  in  dem
Tractat  von  Schläussen  Tab.  VII.  fig.  1.  entworffen  habe  /  eine  ausdencken  /  welche  dem
Durchgang  aller  Schiffe  mit  Masten  Vergnügung  gäbe.  Aber  es  duncket  mich  /  daß  man
von  disseits  jeneseitigen  Flügel  wohl  mit  Stangen  und  Hacken  herüber  ziehen  möͤge  /  weil  man
disseitigen  Flügel  allein  niederlassen  /  und  etliche  Menschen  sicher  kan  zu  äusserst  darauf  treten
lassen  /  welche  denn  über  15.  Fuß  weit  nach  dem  andern  Flügel  nicht  zu  reichen  haben  /  in  welcher =
  Weite  man  eine  Stange  doch  völlig  regieren  kan  /  wenn  man  nur  mittelmäßige  Krafft
hat.  Aber  zu  solchem  Ende  muß  der  jenseitige  Flügel  nicht  mehr  Gegengewicht  haben  /  als
was  mächtig  ist  den  Flügel  /  wenn  nur  Anfangs  in  dem  Aufheben  eine  geringe  Hülffe  geschiehet =
  /  hernach  alleine  völlig  /  ob  schon  langsam  aufzuheben  /  damit  zu  dem  Niederziehen  /  das  ist
Wenn  diezu =
  dem  Wiederaufheben  des  Gegengewichts  keine  grosse  Krafft  erfordert  werde.
ses  ist  /  kan  man  leicht  machen  /  daß  der  Flügel  in  dem  Aufziehen  sich  selbst  mit  einem  SperrHacken =
  an  jeder  Seite  in  eine  Spring=Feder  einschliesse.  Wenn  man  denn  die  Brücke  wieder =
  niederlassen  will  /  kan  ein  Mensch  an  jeder  Seite  mit  Hülffe  einer  Stange  die  Spring=Feder =
  auslösen  /  der  dritte  Mann  in  der  Mitte  aber  den  Flügel  mit  einer  Hacken=Stange  nach
sich  ziehen.  Wenn  der  Flügel  näher  kömmt  /  da  er  auch  nach  und  nach  schwehrer  zu  ziehen
wird  /  köͤnnen  die  andern  beyden  Stricke  über  eiserne  Zapffen  werffen  /  so  an  beyden  Seiten
desselbigen  Flügels  angemachet  sind  /  die  Stricke  aber  unter  Rollen  durchziehen  /  so  an  beyden
Enden  auf  dem  innern  Flügel  müssen  befestiget  seyn  /  und  also  gar  gemächlich  die  Brücke  weiter =
  hernieder  ziehen  /  biß  der  dritte  Mann  hinauf  steigen  /  und  sie  vollends  kan  niedertretten  helffen =
  /  und  hernach  mit  Schub=Riegeln  befestigen.  Und  hiemit  habe  ich  alles  von  Fall  oder
Zug=Brücken  gesaget  /  was  ich  davon  weiß  /  und  finde  nichts  überig  /  als  daß  ich  die  zwey  letzte
Exempel  von  höltzernen  Brücken  noch  ein  wenig  erklähre.
So  gehen  nun  bey  dem  Exempel  Tab.  VIII.  vor  die  innere  Zug=Brücke  von  den  150.
Fuß  der  gantzen  Canal  Breite  25.  Fuß  ab  /  die  übrigen  125.  Fuß  sind  also  eingetheilet  /  daß
noch  vier  höltzerne  Joch  in  den  Fluß  kommen  /  deren  zwey  äusserste  nur  aus  einer  einfachen
Zeile  von  eilff  Pfählen  bestehen  /  die  zwey  mittlere  aber  doppelte  Zeilen  haben  /  weil  daselbst  der
Strohm  am  strengesten  gehet  /  und  die  Separation  zu  der  doppelten  Schlag=Brücke  gemaeite =
  /  nemlich  30.  Fuß  /
chet  ist  Die  drey  Oeffnungen  zwischen  diesen  Jochen  sind  gleicher;
die  Pfähle  sind  13.  Fuß  starck  suppomiret  /  und  nehmen  sie  also  12.  Fuß  Raum  hinweg  /  daß
zu  dem  letzten  Joch  und  denen  an  dem  Ufer  einfach  geschlagenen  Pfählen  noch  23.  Fuß  überig
verblieben.  Was  nun  die  30.  Fuß  weite  Joche  anbelanget  /  kan  man  darüber  Ruthen  von
geschnittenen  Eichen  Holtz  15.  Zoll  hoch  und  10.  dicke  legen  /  welche  eine  grosse  Last  ertragen
können  /  doch  ist  nicht  völlig  darauf  zu  trauen  /  sondern  sicherer  zu  gehen  /  kan  man  noch  unter
die  Mitte  gehängete  Balcken  legen  /  welches  eben  das  ist  /  was  Goldmann  oben  von  der  B
cke  zu  Kampen  /  wiewohl  nicht  allzudeutlich  gesaget  hat  /  nur  mit  dem  Unterscheid  /  daß  hier  die
aufrecht  stehende  höltzer  /  die  man  am  besten  Hänge=Säulen  oder  Trag=Stander  nennet  (a  b
nicht  auf  dem  gehängeten  Balcken  c.  sondern  auf  der  äussersten  Brücken=Ruthe  stehen  /  und
daß  die  Streb=Höltzer  e.  nicht  auf  die  Joche  selbst  /  sondern  auf  eben  dieselbige  Brück=Ruthen
gestämmet  sind  /  welches  aber  im  Effect  auf  eines  ankömmt  /  nur  aber  auf  die  Art  bequemer  zu
zu  construiren  ist.  Jch  habe  aber  diese  Verbindung  in  dem  Geländer  nur  31.  Fuß  hoch  über
die  Brück=Bohlen  aufgeführet  /  um  mehrer  Schönheit  wegen  /  und  weil  es  doch  starck  genug
halten  /  man  auch  zur  Reparation  wohl  ein  Streb=Holtz  nach  dem  andern  ausnehmen  kan  /
ohne  den  Gebrauch  der  Brücke  zu  hindern  /  und  mit  neuen  vertauschen.  Doch  wäre  es  sicherer =
  und  daurhaffter  /  wenn  das  Geländer  einen  Fuß  höher  /  und  an  beyden  Seiten  des  TragStänders =
  mit  doppelten  Streb=Höltzern  versehen  /  auch  jedes  Joch  mit  zwey  Reyhen  Pfählen =
  wie  die  mittlern  zwey  verwahret  würde  /  so  käme  die  Construction  just  heraus  /  wie  die
an  der  Weser=Brücke  zu  Bremen  /  allwo  doch  die  Joche  /  wo  mich  recht  erinnere  /  etwas  mehr
als  30.  Fuß  Raum  zwischen  sich  lassen  /  und  also  sothaner  stärckern  Construction  absolute
nöthig  haben.
Noch  ist  hiebey  nöthig  der  Eiß=Böcke  etwas  zu  gedencken  /  welche  einige  vor  nöthig  /  andere =
  gar  vor  schädlich  achten.  Es  wird  aber  ein  Eiß=Bock  also  gemachet.  Man  schläget  eine
Strecke  /  e.  g.  bey  zwey  hundert  oder  mehr  Fuß  ober  der  Brucke  gegen  die  vornehmsten  Joche  /
(also  daß  dazwischen  ein  /  zwey  oder  gar  drey  Joche  bleiben  /  gegen  welche  keine  gesetzet  werden)
dreymahl  drey  Pfähle  /  eine  Reyhe  etwa  10.  biß  12.  Fuß  ober  der  andern  also  ein  /  daß  in  jeder
Reyhe  der  mittelste  ein  wenig  höher  ausstehet  /  als  die  an  beyden  Seiten.  Die  folgende  zwey
Reyhen  /  blleiben  successive  höher  herausstehen  /  hernach  schneidet  man  nach  der  Schnuhr
Zapffen  daran  /  und  leget  lange  Höltzer  darauf  /  die  biß  in  den  Grund  hinab  reichen.  Jhr
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