Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

(
17
nommen  und  tieffer  eingeschlagen  wird  /  sehr  lücker  und  unsicher.  Welcher  Incommoditäten
man  bey  den  gehängeten  Brucken  aller  völlig  überhoben  ist  /  deren  Unkosten  allein  nach  und
nach  sich  weit  höher  belauffen  /  als  das  gantze  Capital  /  so  auf  Errichtung  einer  gehängten  Brücke =
  gehet.  Diese  aber  können  von  Anfang  dreyßig  Jahre  stehen  /  ohne  daß  die  geringste  Reparation -
  daran  nöthig  wäre  /  und  nachdem  kan  man  mit  geringen  Kosten  ohne  Hinderung  der
Passage  fast  unvermerckt  die  nöthige  Reparationes  verrichten  /  und  kan  (ausser  besondern  Unglücks=Fällen =
  durch  Krieg  oder  Brand)  in  den  ersten  hundert  Jahren  keine  wichtige  Reparation -
  auf  einmahl  daran  vorfallen.
Demnach  bleibet  es  wohl  gewiß  /  daß  man  Brücken  mit  höltzernen  Jochen  vermeiden
soll  /  so  lange  man  kan.  So  lange  ein  Fluß  unter  60.  Fuß  breit  ist  /  kan  man  allezeit  eine
Brücke  ohne  Joch  vor  eben  das  Geld  bauen  /  als  eine  mit  Jochen  /  und  jene  dreymahl  so  land
gut  behalten  als  diese  /  darum  nichts  als  die  grosse  Unwissenheit  der  Zimmerleute  daran  Schuld
ist  /  daß  man  so  viel  hundert  Brücken  findet  /  die  nicht  länger  als  dreyßig  /  etlich  dreyßig  /  viertzig =
  biß  50.  Fuß  lang  sind  /  und  doch  auf  Jochen  liegen.  Ein  gar  außbündiges  Exempel  eines
solchen  Unverstandes  habe  nicht  von  einem  Zimmermeister  /  sondern  gar  von  einem  grossen  Ar
chitect  gesehen  /  in  einer  nahmhafften  Stadt  /  allwo  er  eine  gantz  neue  Brücke  von  Grund
auf  über  ein  Flüßigen  von  60.  Fuß  breite  bauen  muste  /  darauff  viel  Schiffe  hin  und  wieder
giengen  /  und  sie  also  machete  /  wie  Tab.  IV.  accurat  anzeiget.  Er  fütterte  beyde  Ufer  mit  Steinen =
  so  starck  /  daß  daran  eine  gehängte  Brücke  genugsame  Widerlage  haben  kunte.  Dennoch
bauete  er  zwey  Joche  unter  diese  Brucke  /  davon  das  mittelste  24.  die  beyden  daneben  nicht
völlig  18.  Fuß  weit  waren  /  die  Joch=Dicken  mitgerechnet.  Die  Tieffe  von  dem  Horizont  biß
auf  den  Grund  des  Grabens  war  20.  Fuß  /  daß  er  also  zum  wenigsten  40.  Fuß  lange  eichene
Pfähle  haben  muste  /  welche  an  selbigen  Orte  gar  schwehr  zu  haben  waren  /  wiewohl  sie  in  seinem =
  Riß  nicht  so  lang  gezeichnet  waren  /  und  nicht  die  Helffte  tieff  in  der  Erde  stunden.  Auf
den  Bruck=Pfählen  waren  keine  Halben  oder  Balcken  gezeichnet  /  hingegen  waren  sechs  schwebende =
  Balcken  angedeutet  /  wetche  zwischen  zwey  kurtzen  Stütz=Bändern  und  einem  SpornRiegel =
  ruheten  /  alles  eine  solche  Construction,  als  ich  mein  Lebtage  keine  so  elende  gesehen.
Unterschiedliche  Leute  in  der  Stadt  /  welche  ich  um  die  Beschaffenheit  des  Wassers  fragete  /  versicherten =
  mich  /  daß  es  ein  schlimmes  Wasser  sey  /  welches  offt  sehr  auffschwelle.  Dagegen  setze =
  ich  nun  den  Riß  Tab.  V.  und  gebe  einem  jeden  zu  bedencken  /  der  Augen  zu  sehen  hat  /  ob
dieses  Dessein  wohl  hätte  das  geringste  mehr  kosten  können  /  als  jenes.  Jndessen  hätte  es
dreymahl  zum  wenigsten  länger  aushalten  können  als  jenes  /  und  niemahl  die  geringste  Notl
von  dem  Auffschwellen  des  Wassers  oder  von  Eiß=Gängen  haben  können.  Es  könte  diese
Brücke  völlig  die  grösseste  Lasten  /  so  nur  immer  darüber  gehen  mögen  /  überflüßig  tragen,
wenn  schon  das  untere  Werck  abcd.  gar  nicht  da  wäre.  Dieses  aber  könte  eben  so  woh
allein  tragen  /  wenn  schon  das  obere  Hängwerck  nicht  wäre.  Also  ist  klahr  /  wenn  das  Werck  /
einmahl  aufgerichtet  wäre  /  daß  man  hernach  alles  wiederum  neu  machen  könne  /  ohne  einige  Unterstützung =
  nöthig  zu  haben.  Weme  nun  dieses  den  Vorzug  solcher  gehängeten  Brücken  nicht
kan  klahr  machen  /  dem  wird  nimmermehr  etwas  klahr  werden.  Der  Einwurff  gilt  nichts  /
daß  es  gar  schwer  sey  solche  Arbeit  recht  zu  machen  /  und  leicht  etwas  könne  versehen  werden
ein  kleiner  Fehler  aber  viel  zu  bedeuten  habe.  Denn  mit  diesem  könte  ich  auch  die  steinere  Gewölbe =
  bestreiten.  Was  auf  eines  verständigen  und  fleißigen  Architecti,  und  auf  gehorsame
redliche  und  ins  Mittel  geschickte  Zimmerleute  ankömmt  /  muß  nicht  vor  schwehr  und  gefährlich =
  angesehen  werden.  Aber  das  solte  auch  seyn  /  daß  die  Obrigkeit  einen  Zimmermann  /  der
in  Abwesenheit  eines  Architecti  boßhafftig  etwas  verderbet  /  wie  es  mir  ein  boßhaffter  Vogel
in  Hamburg  Nahmens  Günther  gethan  hat  /  mit  dem  Schelmen  wegjagete  /  so  würden  solche =
  Wercke  wohl  gut  werden.  Derowegen  habe  ich  die  drey  Exempel  höltzerner  Brücken  /  welche
ich  noch  anführen  werde  /  alle  mit  Hänge=Werck  angerichtet  /  wünsche  aber  /  daß  der  geneigte
Leser  /  um  sie  vollkommen  zu  verstehen  /  möge  mein  Tractätgen  von  Hänge=Wercken  zuvor  lesen =
  /  welches  ich  in  8vo.  vor  einigen  Jahren  heraus  gegeben  habe.  Eines  derselbigen  Exempel =
  /  nemlich  Tab.  VI.  ist  auf  dem  Canal  des  Flusses  der  durch  die  Stadt  lauffet  /  die  anderen
beyden  auf  den  äussern  Arm  /  da  die  Schiffe  paßiren  sollen  /  eingerichtet.
So  ist  nun  Tab.  VI.  also  eingetheilet  /  daß  sie  zwey  60.  Fuß  breite  Haupt=Strassen  an
einander  hängen  soll  /  damit  sie  nach  Goldmanns  Regul  der  Strasse  worauff  sie  zutrifft  /  an
Breite  gleich  sey.  Ich  habe  aussen  an  jeder  Seite  einen  8.  Fuß  breiten  Gang  vor  die  Leute
zu  Fuß  von  der  mittlern  Strasse  durch  ein  besonders  Geländer  abgesondert  /  welches  gleich  so
hoch  als  die  äussersten  /  nemlich  4.  Fuß  hoch  /  und  mit  gleichen  Hänge=Werck  als  jene  versehen
ist  /  daß  also  die  Brücke  vierfach  gehänget  ist  /  und  also  alle  Last  tragen  kan  /  wenn  auch  die  gantze
Brücke  mit  Last=Wagen  /  einem  hinter  dem  andern  /  und  noch  dazu  gantz  um  sie  her  mit  Leuten  angefüllet =
  wären  /  wie  ich  in  vorbesagten  Büͤchlein  unwidersprechlich  demonstriret  habe.  Ja  wenn
man  die  gantze  Brüͤcke  neu  ummachen  wolte  /  könte  man  ein  Geländer  gantz  aufnehmen  und
zwischen  den  übrigen  dreyen  die  Brüͤcke  sicher  gebrauchen  /  und  also  ein  Theil  der  Brücke  nach
dem  andern  aufnehmen  und  erneuern  /  daß  also  die  Verbindung  unter  der  Brücke  /  welche
auch  allein  genugsam  wäre  /  dieselbige  völlig  zu  tragen  /  zum  Uberfluß  hinzugethan  /  doch  aber
mit  dem  allen  bey  weiten  noch  nicht  so  viel  Holtz  verbrauchet  ist  /  als  unsere  Vorfahren  zu  einem =

            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer