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nommen und tieffer eingeschlagen wird / sehr lücker und unsicher. Welcher Incommoditäten
man bey den gehängeten Brucken aller völlig überhoben ist / deren Unkosten allein nach und
nach sich weit höher belauffen / als das gantze Capital / so auf Errichtung einer gehängten Brücke =
gehet. Diese aber können von Anfang dreyßig Jahre stehen / ohne daß die geringste Reparation -
daran nöthig wäre / und nachdem kan man mit geringen Kosten ohne Hinderung der
Passage fast unvermerckt die nöthige Reparationes verrichten / und kan (ausser besondern Unglücks=Fällen =
durch Krieg oder Brand) in den ersten hundert Jahren keine wichtige Reparation -
auf einmahl daran vorfallen.
Demnach bleibet es wohl gewiß / daß man Brücken mit höltzernen Jochen vermeiden
soll / so lange man kan. So lange ein Fluß unter 60. Fuß breit ist / kan man allezeit eine
Brücke ohne Joch vor eben das Geld bauen / als eine mit Jochen / und jene dreymahl so land
gut behalten als diese / darum nichts als die grosse Unwissenheit der Zimmerleute daran Schuld
ist / daß man so viel hundert Brücken findet / die nicht länger als dreyßig / etlich dreyßig / viertzig =
biß 50. Fuß lang sind / und doch auf Jochen liegen. Ein gar außbündiges Exempel eines
solchen Unverstandes habe nicht von einem Zimmermeister / sondern gar von einem grossen Ar
chitect gesehen / in einer nahmhafften Stadt / allwo er eine gantz neue Brücke von Grund
auf über ein Flüßigen von 60. Fuß breite bauen muste / darauff viel Schiffe hin und wieder
giengen / und sie also machete / wie Tab. IV. accurat anzeiget. Er fütterte beyde Ufer mit Steinen =
so starck / daß daran eine gehängte Brücke genugsame Widerlage haben kunte. Dennoch
bauete er zwey Joche unter diese Brucke / davon das mittelste 24. die beyden daneben nicht
völlig 18. Fuß weit waren / die Joch=Dicken mitgerechnet. Die Tieffe von dem Horizont biß
auf den Grund des Grabens war 20. Fuß / daß er also zum wenigsten 40. Fuß lange eichene
Pfähle haben muste / welche an selbigen Orte gar schwehr zu haben waren / wiewohl sie in seinem =
Riß nicht so lang gezeichnet waren / und nicht die Helffte tieff in der Erde stunden. Auf
den Bruck=Pfählen waren keine Halben oder Balcken gezeichnet / hingegen waren sechs schwebende =
Balcken angedeutet / wetche zwischen zwey kurtzen Stütz=Bändern und einem SpornRiegel =
ruheten / alles eine solche Construction, als ich mein Lebtage keine so elende gesehen.
Unterschiedliche Leute in der Stadt / welche ich um die Beschaffenheit des Wassers fragete / versicherten =
mich / daß es ein schlimmes Wasser sey / welches offt sehr auffschwelle. Dagegen setze =
ich nun den Riß Tab. V. und gebe einem jeden zu bedencken / der Augen zu sehen hat / ob
dieses Dessein wohl hätte das geringste mehr kosten können / als jenes. Jndessen hätte es
dreymahl zum wenigsten länger aushalten können als jenes / und niemahl die geringste Notl
von dem Auffschwellen des Wassers oder von Eiß=Gängen haben können. Es könte diese
Brücke völlig die grösseste Lasten / so nur immer darüber gehen mögen / überflüßig tragen,
wenn schon das untere Werck abcd. gar nicht da wäre. Dieses aber könte eben so woh
allein tragen / wenn schon das obere Hängwerck nicht wäre. Also ist klahr / wenn das Werck /
einmahl aufgerichtet wäre / daß man hernach alles wiederum neu machen könne / ohne einige Unterstützung =
nöthig zu haben. Weme nun dieses den Vorzug solcher gehängeten Brücken nicht
kan klahr machen / dem wird nimmermehr etwas klahr werden. Der Einwurff gilt nichts /
daß es gar schwer sey solche Arbeit recht zu machen / und leicht etwas könne versehen werden
ein kleiner Fehler aber viel zu bedeuten habe. Denn mit diesem könte ich auch die steinere Gewölbe =
bestreiten. Was auf eines verständigen und fleißigen Architecti, und auf gehorsame
redliche und ins Mittel geschickte Zimmerleute ankömmt / muß nicht vor schwehr und gefährlich =
angesehen werden. Aber das solte auch seyn / daß die Obrigkeit einen Zimmermann / der
in Abwesenheit eines Architecti boßhafftig etwas verderbet / wie es mir ein boßhaffter Vogel
in Hamburg Nahmens Günther gethan hat / mit dem Schelmen wegjagete / so würden solche =
Wercke wohl gut werden. Derowegen habe ich die drey Exempel höltzerner Brücken / welche
ich noch anführen werde / alle mit Hänge=Werck angerichtet / wünsche aber / daß der geneigte
Leser / um sie vollkommen zu verstehen / möge mein Tractätgen von Hänge=Wercken zuvor lesen =
/ welches ich in 8vo. vor einigen Jahren heraus gegeben habe. Eines derselbigen Exempel =
/ nemlich Tab. VI. ist auf dem Canal des Flusses der durch die Stadt lauffet / die anderen
beyden auf den äussern Arm / da die Schiffe paßiren sollen / eingerichtet.
So ist nun Tab. VI. also eingetheilet / daß sie zwey 60. Fuß breite Haupt=Strassen an
einander hängen soll / damit sie nach Goldmanns Regul der Strasse worauff sie zutrifft / an
Breite gleich sey. Ich habe aussen an jeder Seite einen 8. Fuß breiten Gang vor die Leute
zu Fuß von der mittlern Strasse durch ein besonders Geländer abgesondert / welches gleich so
hoch als die äussersten / nemlich 4. Fuß hoch / und mit gleichen Hänge=Werck als jene versehen
ist / daß also die Brücke vierfach gehänget ist / und also alle Last tragen kan / wenn auch die gantze
Brücke mit Last=Wagen / einem hinter dem andern / und noch dazu gantz um sie her mit Leuten angefüllet =
wären / wie ich in vorbesagten Büͤchlein unwidersprechlich demonstriret habe. Ja wenn
man die gantze Brüͤcke neu ummachen wolte / könte man ein Geländer gantz aufnehmen und
zwischen den übrigen dreyen die Brüͤcke sicher gebrauchen / und also ein Theil der Brücke nach
dem andern aufnehmen und erneuern / daß also die Verbindung unter der Brücke / welche
auch allein genugsam wäre / dieselbige völlig zu tragen / zum Uberfluß hinzugethan / doch aber
mit dem allen bey weiten noch nicht so viel Holtz verbrauchet ist / als unsere Vorfahren zu einem =