Full text : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

(o)
16
solcher  Saucissen  leget  man  von  der  andern  höchstens  vier  Fuß.  So  fähret  man  fort  eine
Schicht  auf  die  andere  zu  legen  /  biß  man  so  hoch  kommt  als  ordinar  das  hohe  Wasser  zu  steigen =
  pfleget.  Gegen  den  Strohm  schläget  man  auch  wohl  einige  lange  Pfäle  davor  /  daß  er
destoweniger  das  Buschwerck  abreissen  köͤnne.
2.  Von  höltzernen  Brücken.
Weil  sich  Goldmann  nicht  deutlich  genug  von  dem  Hänge=Werck  an  den  höltzernen
Brücken  erklähret  /  und  fast  verächtlich  davon  zu  reden  scheinet  /  sonderlich  von  solchen  Brücken =
  /  welche  gar  kein  Joch  haben  /  sondern  nur  über  dem  Wasser  zu  schweben  scheinen;  ich
aber  hingegen  der  Meynung  bin  /  daß  nicht  nur  die  Brücken  ohne  Joch  allen  andern  Arten
höltzernen  Brüͤcken  vorzuziehen  seyen  /  sondern  auch  Brücken  welche  ohne  alles  Hänge=Werck
gemachet  werden  /  gantz  und  gar  zu  verwerffen  seyen:  so  ist  nöthig  vor  allen  diese  Differentz  unter =
  uns  durch  eine  ordentliche  und  grüͤndliche  Untersuchung  abzuthun  /  und  also  den  Leser  ausser =
  allem  Zweiffel  zu  stellen.
Jch  rede  nun  von  solchen  Brüͤcken  /  daran  man  /  nachdem  sie  einmahl  sind  zusammen
gerichtet  worden  /  hernach  ein  und  mehr  Höltzer  heraus  nehmen  /  und  wenn  sie  verfaulet  /  oder
sonst  schadhafft  geworden  /  mit  andern  vertauschen  kan  /  daß  man  also  /  wenn  man  sie  auch  gantz
neu  machen  wolte  /  man  es  thun  könne  /  ohne  ein  Gerüste  unter  die  Brücke  zum  stützen  zu  machen. =
  (Dergleichen  ich  diese  zu  seyn  behaupte  /  welche  ich  auf  Tab.  VI.  vorgestellet  /  da  man  indessen =
  meines  Wissens  solche  Cautel  noch  an  keinem  unter  den  bißher  gebaueten  Wercken  angewendet =
  hat.)  Denn  wo  dieser  Umstand  fehlet  /  traue  ich  mir  nicht  gäntzlich  den  Vorzug  solcher =
  Wercke  vor  den  Joch=Brucken  zu  vertheidigen  /  weil  es  etwas  gar  zu  beschwerliches  und
kostbahres  ist  selbige  Gerüste  zu  machen  /  die  man  bey  Auffrichtung  solcher  gehangeten  Brücken
haben  muß.
Daß  nun  solche  Brüͤcken  gut  verfertiget  werden  köͤnnen  /  mag  niemand  mit  dem  geringsten =
  Bestand  der  Warheit  läugnen.  Ja  es  ist  gewiß  /  daß  sie  wenig  mehr  kosten  als  die  gemeine =
  Brücken:  Denn  am  Holtz  haben  jene  den  Vortheil  /  daß  sie  allezeit  weniger  kosten  /  und
man  bey  nahe  dadurch  das  Eisen  gewinnet  /  welches  bey  jenen  erfordert  wird  /  da  diese  gar  nicht
viel  Eisen  nöthig  haben.  Bey  jenen  kosten  nun  zwar  die  Widerlagen  /  die  man  an  beyden
Ufern  starck  machen  muß  /  ein  ziemliches.  Wenn  man  aber  die  Kosten  rechnet  /  welche  auf  das
Pfähl=schlagen  gehen  /  werden  sie  wo  nicht  höher  /  doch  auch  nicht  minder  sich  belauffen.  Daß  also
in  der  That  jene  nicht  mehr  kosten  als  diese  /  ausgenommen  /  was  jene  an  dem  Zimmer=Lohn
der  Brücke  sich  höͤher  belauffen  /  und  an  den  Kosten  der  Richtung  /  welcher  Uberschuß  etwa  einen =
  zehenden  Theil  der  völligen  Bau=Kosten  auffs  höͤchste  betragen  möchte.
Dennoch  wenn  jene  schon  zwey  ja  dreymahl  so  viel  kostete  als  diese  /  könte  man  doch
noch  Ursachen  genug  geben  /  warum  jene  diesen  weit  vorzuziehen  seyen.  Denn  1.  hat  man
nicht  den  zehenden  Theil  so  viel  Auffsicht  auf  jene  nöthig  als  auf  diese  /  und  ob  man  sagen
möchte  /  man  habe  doch  an  jedem  Ort  zur  Auffsicht  auf  die  Gebäude  Leute  nöthig  /  die  verpflichtet =
  wären  /  fleißig  varnach  zu  sehen  /  auch  zu  solcher  Zeit  /  wenn  eben  kein  Schaden  zu  vermuthen =
  sey  /  so  weiß  doch  ein  jeder  wohl  /  wie  es  mit  dem  Fleiß  der  Auffsicht  meistentheils  zugehet
und  daß  es  deßwegen  ein  gar  grosser  Vortheil  an  einem  Gebäude  sey  /  wenn  so  viel  und  fleißige
Auffsicht  dabey  nicht  nöthig  ist.  In  specie  aber  muß  die  Auffsicht  bey  den  ordinaren  Brucken
durch  öͤffteres  besichtigen  unten  herum  auf  einem  Kahn  geschehen  /  und  alle  Pfähle  öffters  in
genauen  Augenschein  genommen  werden.  Hingegen  jene  Art  der  Brüͤcken  kan  man  nur  im
Vorbeygehen  gantz  accurat  besehen  /  ja  wenn  etwas  daran  fehlet  /  muß  es  jeden  fast  in  die  Augen =
  fallen.  Wenn  es  aber  nur  alle  zwey  oder  drey  Jahr  einmahl  geschiehet  /  daß  man  auf  einem =
  Kahn  oder  Both  unter  der  Brucke  herum  fähret  /  und  sie  besichtiget  /  ist  es  schon  genug;
woraus  erhellet  /  daß  dieser  erste  Vortheil  important  sey.  2.  Wenn  das  Wasser  wächset  /
oder  die  Eißfahrten  gehen  /  welches  alle  Jahre  geschiehet  /  was  vor  Noth  ist  da  gemeiniglich
dabey  /  was  kostet  da  die  Auffsicht  und  die  Hülffe  so  man  öffters  dabey  nöthig  hat.  Hingegen =
  bey  gehaͤngten  Brüͤcken  kan  jedermann  ohne  Sorge  alsdenn  schlaffen.  3.  Was  das  vornehmste =
  und  kostbahrste  bey  den  gemeinen  Brüͤcken  ist  /  nemlich  die  Pfähle  /  verdirbt  gar  bald  ein
Pfahl  /  und  stehet  allezeit  in  Gefahr.  Denn  wenn  keine  grosse  Wasser  /  und  keine  Eißfahrten  wären =
  /  wenn  es  niemahl  geschähe  /  daß  der  Strohm  geraubte  Bäͤume  mit  sich  führete  /  oder  sie
doch  allezeit  der  Längs  zwischen  den  Jochen  /  ohne  sie  zu  berühren  durchführete  /  so  würden  doch
die  Pfähle  dreymahl  eher  vergehen  als  das  Ober=Werck  /  weil  der  mittlere  Theil  derselben  /
immer  Wechsel=weiß  bald  in  der  freyen  Lufft  /  bald  unter  Wasser  stehet  /  welches  die  Fäulnuß
gar  sehr  befördert.  Wenn  man  aber  nur  einen  neuen  Pfahl  einschlagen  soll  /  was  vor  Arbeit
gibt  es.  Schneidet  man  die  alten  Pfähle  nur  ab  /  und  schläͤget  den  neuen  in  dem  Spatio  zwischen =
  zwey  Pfählen  /  so  ist  der  Platz  bald  vollgeschlagen  /  daß  man  hernach  keinen  mehr  einschlagen =
  kan;  welches  in  nicht  gar  langer  Zeit  fast  unglaubliche  Incommoda  nach  sich  ziehet  /
wie  ich  es  in  der  That  erfahren  habe  /  und  nach  und  nach  werden  aus  den  Brüͤcken  recht  schändliche =
  Kröpel.  Ziehet  man  die  Pfähle  aus  /  welches  nicht  sonder  grosse  Beschwerde  geschiehet  /
so  ist  hernach  der  Stand  vor  den  neuen  Pfahl  /  wenn  er  nicht  um  viel  länger  als  der  alte  genom- =

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer