Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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legen  ist  /  und  die  doch  von  unserem  Goldmann  gar  nicht  abgehandelt  werden  /  welche  wir  denn
auch  noch  hier  mit  einzubringen  bedacht  seyn  muͤssen.  Wir  wollen  aber  erstlich  einen  gewissen
Casum  formiren  /  und  was  in  genere  dabey  zu  bedencken  ist  /  ohne  auf  die  Art  und  Materie
der  Brüͤcken  zu  sehen  /  anzeigen  /  hernach  wiederum  erstlich  von  höltzernen  Brücken  und  letztens =
  von  steinern  handeln.
1.  General-Betrachtung  von  Bruͤcken.
Jch  setze  /  daß  ein  kleiner  doch  gar  schiff=reicher  Fluß  /  dessen  mittlere  Breite  sich  auf
250.  Rheinl.  Fuß  belauffet  /  kurtz  vor  einer  volckreichen  Stadt  /  da  viel  Handlung  getrieben
wird  /  sich  in  zwey  Aeste  zertheile  /  und  mit  einem  Canal  von  150.  Fuß  Breite  mitten  durch
die  Stadt  /  mit  dem  andern  aber  von  gleicher  Breite  an  einer  Seite  hart  an  dem  HauptWall =
  der  Fortification  und  an  einem  Thor  vorbey  streiche.  Da  solten  nun  die  alten  höltzernen =
  Brüͤcken  abgebrochen  /  und  Desseins  zu  neuen  so  wohl  höltzernen  als  steinern  Brüͤcken  gezeichnet =
  werden.
Da  erforsche  ich  zuforderst  die  Tieffe  des  Wassers  zu  allen  Zeiten  /  und  erfahre  /  daß  die
grösseste  Tieffe  in  dem  Strohm  bey  ordinaren  Sommer=Wasser  sey  101.  Fuß  /  und  daß  das
Wasser  niemahl  höher  als  um  acht  Fuß  gewachsen  /  und  niemahl  mehr  als  um  vier  Fuß  gefallen =
  sey.  Zum  andern  erkundige  ich  /  ob  der  stärckeste  Strohm  /  wie  sichs  gehöre  /  ungefehr
die  Mitte  des  Canals  durchstreiche  /  und  befinde  /  daß  es  sich  in  dem  Canal  der  durch  die
Stadt  gehet  allerdings  also  verhalte  /  aber  in  dem  andern  Arme  sich  nach  dem  äussern  Ufer
zugezogen  habe.  Drittens  finde  ich  durch  fleißiges  Einbohren  /  daß  der  Grund  etwas  lucker
sey  /  und  mit  Sand  vermischete  gute  Erde  hab  /  aber  wenig  Leim  zu  verspüren  sey.  Vierdtens
befinde  ich  die  Breite  der  gröͤssesten  Schiffe  /  so  aus  der  nahe  gelegenen  See  den  Strohm  herauf =
  die  Stadt  vorbey  und  biß  an  die  nächst  höhere  Stadt  paßiren  können  /  28.  Fuß  Breite
haben.  Endlich  Funfftens  mercke  ich  /  daß  der  Lauff  des  Strohms  ziemlich  schnell  und  strenge =
  sey.
Da  muß  nun  die  erste  und  vornehmste  Sorge  seyn  /  wie  man  durch  an  dem  Ufer  hin
und  wieder  gelegete  Zungen  von  Stockwerck  den  Lauff  des  Strohms  wiederum  in  die  Mitte
bringe  /  welches  /  wie  es  geschehen  müsse  /  Cornel.  Majer  in  seinem  Tractat  genannt  l'arte  di
restituir  a  Roma  tralasciata  navigation  del  suo  Tevere  gar  deutlich  anweiset;  kuͤrtzlich  aber
darauf  ankömmet:  Nachdem  ich  beyde  Ufer  des  Strohms  accurat  geometrisch  in  Grund  geleget  /
muß  ich  darein  so  genau  als  möglich  den  Zug  des  Wassers  abzeichnen  /  wie  in  beystehender  Figur
die  punctirte  Linie  1.  2.  3.  4.  5.  6.  andeutet.  Nun  zeichne  ich  die  Zungen  also  /  daß  ehe  der
Strohm  an  das  Ufer  ankömmt  er  schräͤgs  an  eine  nicht  allzuweit  in  das  Wasser  hinein  reichende =
  Zunge  nach  einem  stumpffen  Winckel  anstosse  /  und  also  ein  wenig  von  seinem  vorher  angewöhnten =
  Lauff  abgewendet  werde  /  und  wenn  er  sich  dadurch  noch  nicht  nach  der  Mitte  zu  lencket  /
sondern  doch  noch  nach  demselben  Ufer  zulauffen  will  /  lege  ich  ihm  weiter  hinunter  eine  andere  etwas =
  längere  in  den  Weg  /  und  so  kan  ich  zuweilen  biß  auf  die  dritte  an  dieser  Seite  kommen.
Bißweilen  muß  man  weiter  hinunter  schrags  über  auch  solche  Zungen  anlegen.  So  gibt  sich
der  Strohm  wieder  in  seinen  gebührenden  Weg  /  nimmt  die  Erde  /  die  er  an  einer  Seite  gehäuffet =
  hat  /  und  führet  sie  wiederum  dahin  /  wo  er  sie  zuvor  weggeraubet  hatte.  Es  werden
diese  Stockwercke  am  besten  also  gemachet.  Man  schläget  mit  der  Hand=Ramme  die  Figur
der  Zunge  durch  kleine  runde  Erlene  oder  auch  Dannen=Pfähle  mit  der  ordinaren  WasserTieffe =
  gleich  aus  /  immer  einen  zwey  oder  drey  Fuß  weit  von  dem  andern  /  und  schlichtet  dazwischen =
  Creutz=weiß  Fachinen  /  biß  man  also  die  Zunge  über  das  Wasser  heraus  bringet.  Sie
werden  insgemein  zwischen  funffzehen  und  dreyßig  Fuß  breit.  Ja  nachdem  die  Stärcke  des
Wassers  schwach  oder  groß  ist  /  auch  wohl  etwas  schmähler  /  oder  auch  etwas  breiter.  Die
Länge  hat  noch  weniger  etwas  gewisses.  Über  dem  Wasser  leget  man  nur  queer  hinüber
Buschwerck  bey  zwey  Fuß  hoch  über  einander  /  und  ziehet  läͤngs  hin  darüber  von  Weiden  oder
andern  Busch  zusammen  gebundene  dünne  Fachinen  /  die  man  Saucissen  nennet  /  und  hefftet
sie  mit  kurtzen  und  gantz  dunnen  zwischen  den  Busch  eingeschlagenen  Pfählen  an.  Eine  Zeile
solcher
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