Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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wohl  einschlagen  lassen  /  und  doch  fest  darinnen  stehen  /  daß  er  also  von  guter  dichter  Erde  /  und
nicht  mit  Steinen  oder  alten  abgebrochenen  und  abgefauleten  Pfählen  angefüllet  /  nicht  sandig
oder  morastig  sey  /  derohalben  muß  man  die  Beschaffenheit  des  Bodens  besonders =
  wohl  erkundigen.  Man  soll  zur  Stelle  einer  Brucke  lieber  solche  Oerter
außlesen  /  da  ein  Fluß  breit  sey  /  als  in  der  Enge:  denn  es  ist  gewiß  /  daß  daselbst
wo  ein  Fluß  schmahl  ist  /  die  gröͤsseste  Tieffe  desselben  befindlich  sey.  Derohalben =
  sollen  die  Brucken=Pfaͤhle  nach  der  Macht  des  Flusses  einen  oder  and  erthalben ¬
  Fuß  dick  bereitet  werden  /  und  so  lang  seyn  /  daß  die  gröͤsseste  Helffte
moge  in  den  Grund  eingeschlagen  werden:  und  sollen  die  Pfaͤhle  in  einer  geraden ¬
  Zeilen  neben  einander  eingeschlagen  werden  /  und  so  nahe  /  daß  sie  uber  anderthalbe ¬
  Dicken  eines  solchen  Pfahles  nicht  von  einander  stehen.  Wo  aber
der  Fluß  sehr  strenge  ist/  so  ist  eine  einige  Zeile  Brucken=Pfaͤhle  nicht  genugsam
zu  einem  Joch/  sondern  werden  wohl  zwey  oder  drey  Zeilen  erfordert.  Die
Rammen  /  welche  seyn  die  grossen  Geruͤste  /  da  man  die  Pfaͤhle  mit  einstampffet,
müssen  rechtschaffen  schwere  Beeren  oder  Hay=Schlegel  haben  /  denn  daran  ist  das  meiste  gelegen =
  /  daß  die  Pfähle  schnell  und  starck  eingetrieben  werden  /  und  nicht  /  indem  sie  zu  schwach
geschlagen  werden  /  in  der  Erde  umwühlen  und  sich  drehen  /  daher  man  auch  gute  Zwingen  um
die  Pfähle  zu  oberst  machen  muß  /  daß  sie  sich  im  Schlagen  destoweniger  drehen  können.  Und
ist  es  sehr  gut  /  wenn  alle  Pfähle  mit  Eisen  geschuhet  werden  /  wo  der  Grund  dichte  ist  /  daß  es
nicht  zu  fürchten  ist  /  daß  sich  von  dem  steten  Uberfahren  die  Pfähle  mählich  weiter  in  die  Erde
sencken  möchten.  Sie  müssen  auch  bißweilen  nach  Gelegenheit  der  Umstände  geaͤndert/ =
  und  einmahl  schwehrer  als  das  andere  mahl  grnommen  werden  /  und  in  weichen
Grunde  muß  man  die  Laͤnge  der  Pfaͤhle  groͤsser  nehmen.  Gegen  dem  OberTheil ¬
  des  Flusses  mussen  die  Pfähle  auch  geneigt  eingeschlagen  werden  /  damit
die  Eißschollen  und  Höltzer  so  der  Strohm  mit  sich  reisset  /  nicht  so  gerade  und  fest  daran  stossen
köͤnnen  /  sondern  leichter  abprellen  /  und  alsdenn  müssen  auch  eben  so  viel  an  der  andern  Seite  /
gegen  dem  Untertheil  des  Strohms  eben  so  schräͤg  eingeschlagen  werden  /  nicht  nur  um  der
Regularität  wegen  /  sondern  auch  und  vornemlich  damit  sie  der  Erschütterung  des  Jochs  desto
besser  widerstehen.  Man  muß  sie  aber  ja  nicht  mit  einer  perpendicular  abfallenden  Rammen
schraͤgs  einschlagen  /  wie  ich  es  an  einer  importanten  Brucke  von  ungeschickten  Bauherrn  und
Zimmerleuten  gesehen  habe  /  sondern  es  muß  die  Ramme  selbst  nach  der  Schräͤge  gerichtet  /  aber
auch  der  Beer  um  ein  zimliches  schwehrer  genommen  werden  /  als  zu  den  Perpendicular-Pfählen. =
  Hernach  sollen  grosse  Balcken  ein  paar  Füsse  breit  /  zum  Joch  übergeleget
werden  /  darinnen  sollen  Locher  seyn  /  in  welche  der  obere  dunn  gemachete
Theil  der  Pfähle  eingedrungen  wird.  Hernach  werden  Balcken  nach  der  Länge =
  /  welche  Longuriones  (Brucken=Ruthen)  genennet  werden  /  von  einem  Joch
zum  andern  über  geleget  /  daß  sie  gleichsam  eine  Decke  machen  /  daruber  werden ¬
  Sparren  oder  Dielen  nach  der  Breite  aufgeleget  und  beyderseits  Geläͤnder
vorgezogen.  Jn  diesem  Stucke  muß  man  auß  Cæsars-Brucke  über  den  Rhein  /
welche  Scamozzi  beschreibet  /  und  denen  welche  Palladius  vorgestellet  hat  /  besonders
derer  /  welche  im  9.  Capitel  des  3.  Buches  befindlich  ist  /  viel  nachmachen  /  vornemlich =
  aber  muß  man  Stuu=Sparren  /  da  wo  die  Joch  weit  von  sammen
seyn  /  (wie  in  den  strengen  Flüssen  vonnothen  ist)  zu  Hülffe  gebrauchen.  Die
schwebende  Brücken  /  welche  kein  Joch  zur  Unterstutzung  haben  /  werden  nur
auf  den  Nothfall  zugelassen  /  wenn  nemlich  so  lange  Pfähle  nicht  wohl  zu  haben  sind  /
als  erfordert  werden  /  oder  wenn  der  Strohm  sehr  strenge  lauffet  /  und  offt  nicht  nur  starck  E
im  Winter  /  sondern  auch  ausgerissene  grosse  Bäume  mit  sich  schleppet  /  welche  den  BrückenPfählen =
  gar  gefährlich  sind.  Aber  man  muß  alsdenn  beyde  Ufer  mit  Mauren  verwahren =
  /  die  mit  Sporen  gleich  als  mit  Strebe=Pfeilern  weit  in  die  Erde  reichen =
  /  weil  alle  Last  darauf  anköͤmmt.  Es  mag  auch  ein  Baumeister  gewahrschauet =
  seyn  /  daß  er  in  diesem  Stucke  keines  weges  verwegen  gehe  /  sondern
alles  fleißig  erwäͤge  /  und  vorsichtig  anordne:  sonsten  geschiehets  bißweilen  /
daß  dergleichen  Brucken  übern  Hauffen  fallen.  Darum  muß  er  nicht  nur  mit  recht
guten  und  trockenen  Holtz  /  sondern  auch  mit  recht  guten  Zimmerleuten  versehen  seyn  /  weil  aber
derselben  Neid  und  Boßheit  offt  unglaublich  groß  ist  /  muß  er  sich  die  gantze  Verbindung  /
wenn  sie  fertig  /  auf  einen  Platz  zusammen  setzen  lassen  /  und  aufs  schärffeste  nachmessen  /  ob  /  wenn
alles  dicht  in  einander  gesetzet  ist  /  die  gantze  Verbindung  Haar=scharff  der  Distantz  zwischen
den  zwey  Mauren  an  beyden  Ufern  zur  Widerlage  gleich  ist.  Denn  wo  das  geringste  fehlet  /
ziehet  es  zum  wenigsten  das  Inconveniens  nach  sich  /  daß  die  Brücke  sehr  tantzet  /  und  also  wohl
keiner  Gefahr  zu  fallen  unterworffen  ist  /  doch  sich  vor  der  Zeit  abnutzet.  Wenn  aber  alles
accurat  so  wohl  vorgezeichnet  /  als  auch  darnach  gearbeitet  ist  /  kan  er  sicher  Gut  /  Ehr  und  Leben =
  zu  Pfand  setzen  /  daß  das  Werck  werde  sicher  und  beständig  seyn.  Die  Brücke  zu
Campen  giebet  auch  in  diesem  Stücke  gute  Nachricht  /  wie  auch  die  zu  Rhenen  im
Münsterischen  an  der  Ems  /  die  zu  Bremen  über  die  Weser  und  andere  mehr.  Daselbst
seyn  die  Joche  in  einer  Menge  von  Pfaͤlen  zusammen  gefuͤget.  Hernach  maC ¬
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