Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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Schluß=Stein  an  beyderseits  den  übrigen  Bogen  in  eben  so  viel  Theile  /  oder  in  einen  Theil
mehr.  In  diesem  Fall  ziehe  ich  von  dem  mittlern  Schluß=Stein  an  durch  den  ersten  /  dritten  /
vierten  /  sechsten  /  siebenden  /  neunten  /  zehenden  und  zwölfften  Punct  auß  dem  Centro  blinde
Linien  /  in  jenem  Fall  durch  den  andern  /  dritten  /  fünfften  /  sechsten  /  achten  /  neunten  /  eilfften  und
zwöͤlfften  Punct:  Jn  diesem  kommen  oben  drey  Schluß=Stein  immediate  neben  einander  /
wie  in  Tab.  I.  zwischen  die  uͤbrigen  aber  ihre  Zwischen=Weiten.  Jn  jenem  aber  kommt  überall =
  eine  Zwischen=Tieffe  /  welches  besser  ist.  Hernach  ziehe  ich  die  liegende  Fugen  auß  /  biß  sie
an  die  Schluß=Steine  in  der  Ordnung  anstossen.  Also  wenn  die  Theilung  ist  15.  Mod.  und
drey  solche  Theile  sind  von  oben  biß  auf  den  Kämpffer  /  so  muß  ich  beyderseits  von  dem  mittlern =
  Schluß=Stein  an  den  Bogen  in  17.  Theile  theilen  /  und  durch  den  andern  /  fünfften  /  siebenden =
  /  zehenden  /  zwölfften  und  funffzehenden  Punct  die  Central=Linien  zu  denen  SchlußSteinen =
  ziehen.
Von  der  Erfindung  der  Gröͤsse  des  Moduls.
(3.)  Dieses  ist  nöthig  /  daß  wir  es  noch  etwas  außführlicher  auß  wahren  Gründen
außführen  /  und  der  blossen  Regul  /  daß  der  Modul  einen  oder  anderthalb  Füsse  groß  seyn
musse  /  nicht  blindlings  folge.  Derowegen  müssen  wir  zu  erst  die  nöthigen  Maasse  der  ThorGebäͤude =
  vornehmen  und  betrachten  /  wie  sie  sich  mit  den  Reguln  der  Schöͤnheit  vereinigen  lassen. ¬
  Die  Pforten  der  Stadt=Thore  haben  nicht  mehr  zu  ihrer  Höhe  nöthig  als  15.  Fuß  /  denn
darunter  koͤnnen  auch  Heu=Wäͤgen  paßiren  /  und  das  Gewöͤlbe  innen  hat  nicht  nöthig  mehr
als  einen  Fuß  in  Lichten  höͤher  zu  seyn.  Weil  man  nun  Fall=Gattere  zu  machen  heut  zu  Tage
nicht  eben  nöthig  befindet  /  auch  sonst  keine  dringende  Ursache  hat  /  über  dem  Gewölb  des  Thores =
  ein  Geschoß  zu  bauen  /  so  mag  man  gern  alle  diese  Unkosten  sparen  /  und  das  Thor  unter
dem  Wall=Gang  völlig  verdecket  durchführen.  So  kan  dieses  zwar  nicht  geschehen  /  daß  der
Wall=Gang  gerade  und  gantz  ungehindert  könte  über  dem  Thor  hinlauffen  /  denn  über  der
geringsten  Hohe  des  Thores  in  Lichten  muß  noch  ein  zwey  Fuß  dickes  Gewölbe  /  und  darüber
zum  wenigsten  4.  Fuß  hoch  Erde  seyn  /  damit  es  den  Bomben  nicht  allzusehr  exponiret  seye  /
welches  schon  22.  Fuß  zur  Höhe  des  Wall=Gangs  erforderet  /  zu  der  man  heut  zu  Tage  gar
selten  kömmt.  Und  ob  es  schon  aussen  geschehen  kan  /  daß  man  den  Boden  des  Thores  vier
Fuß  unter  den  Horizont  versencket  /  so  gehet  solches  doch  gegen  der  Stadt  zu  nicht  an  /  daher
man  genöthiget  ist  den  Wall  über  dem  Thor  oben  als  eine  Katze  oder  verhöhete  Batterie  zu
formiren.  Wenn  wir  aber  solche  Thore  nun  außwarts  mit  einer  manierlichen  Architectur
verziehren  sollen  /  so  finden  sich  noch  mehr  Schwehrigkeiten  /  denn  wo  die  Verhäͤltnuß  an  der
Breite  und  Höhe  der  Pforten  gut  seyn  soll  /  so  könte  sie  nicht  weiter  als  7½  Fuß  in  Lichten  /
nemlich  halb  so  viel  als  die  Höhe  /  bekommen  /  welches  viel  zu  enge  ist.  Da  ein  Stadt=Thor  /
so  zehen  Rheinländische  Fuß  weit  /  mit  harter  Mühe  vor  breit  genug  gelten  kan  /  sondern  biß
12.  erfordert  werden.  Darum  ist  kein  besser  Expediens  außzudencken  /  als  daß  man  die  Oeffnung
der  Thore  nur  biß  an  den  Käͤmpfer  hinauff  reichen  lasse  /  den  Kämpffer  aber  durch  den  Bogen
durchlauffen  lasse  /  und  das  Spatium  unter  dem  Bogen  mit  Mauer  außfülle  /  diese  Außfüllung
aber  mit  höltzernen  Rahm=Werck  /  als  an  denen  Thor=Flügeln  ist  /  bedecke  /  daß  also  doch  das
Thor  von  aussen  noch  als  ein  völliger  wohl  proportionirter  Bogen  erscheine.
Solchemnach  findet  sich  leicht  die  behörige  Grösse  des  Moduls  samt  allen  übrigen
Maassen  des  Thor=Gebäudes.  Denn  enger  kan  ich  die  Pforte  nicht  machen  als  zehen  /  und
weiter  ist  sie  nichts  nutz  als  12.  Rheinländische  Fuß.  Weil  aber  der  Dorischen  und  Toscanischen =
  Bogen=Stellung  ohne  Säulen=Stühl  allezeit  acht  Modul  weit  wird  /  so  erhellet  /  indem
ich  jene  Zahlen  mit  8.  dividire  /  daß  der  Modul  zu  einem  Thor=Gebäude  müsse  wenigstens  seyn
ein  und  ein  viertel  /  höchstens  ein  und  ein  halber  Rheinländischer  Fuß.  Also  meyne  ich  /  sey
auch  vollständig  genug  Anleitung  gegeben  /  daß  man  in  jeden  Fall  ein  Stadt=Thor  könne
correct  und  schoͤn  angeben.
Mnhang  /
Von  Casematten  und  andern  Souterrains  der
Festungs=Wercke.
GAsematten  oder  Geschütz=Keller  werden  auf  zweyerley  Weise  nutzlich  gebauet  /  entweder
Hunter  niedrigen  Streich=Plätzen  der  Flanquen  /  zwischen  denen  und  den  hohen  Flanquen
trockene  kleine  Gräͤben  liegen  /  oder  unter  den  hohen  Wällen  selbst  /  da  sie  gantz  eingeschlossen =
  liegen.  Dabey  ist  neben  dem  /  daß  sie  so  starck  gebauet  werden  /  daß  die  darauff  fallende  Bomben =
  ihnen  nicht  schaden  köͤnnen  /  das  vornehmste  /  daß  darinnen  die  Stüͤcke  köͤnnen  gelöset  werden =
  /  ohne  die  dabey  Arbeitende  durch  den  Rauch  und  durch  den  Knall  zu  incommodiren.  Über
dieses  muß  auch  darauf  gesehen  werden  /  daß  nicht  nur  /  wenn  die  Wasser  in  den  Graben  und
unter  der  Erde  selbst  wachsen  /  kein  Wasser  in  die  Casematten  eindringe  /  sondern  auch  /  daß  das
Regen=  und  Schnee=Wasser  /  welches  sich  durch  die  Erde  des  Walles  einziehet  /  den  Gewölbern =

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