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Das 1. Hauptstua.
Von Stadt=Thoren.
Goldmanns Text mit dazwischen gesetzten Anmerckungen. (1)
Je Thore sowohl der Schantzen als der Städte / das ist / sowohl innen
gegen der Stadt zu / als aussen an dem Wall gegen das Feld / werden am
besten aus Werckstuͤcken/ oder zum wenigsten aus Ziegeln / auch
wohl beydes geschicklich unter einander vermischt / aufgebauet / und stehet
vortrefflich schöͤn / wenn die Säͤulen oder Pfeiler sambt allen architectonischen -
Zierrathen von Werckstücken / die Wände dazwischen hingegen von geschliffenen =
Ziegel=Steinen mit dazwischen tieff außgestrichenen Kalch=Fugen gemachet werden /
welches doch jo hoch nicht kömmt / als wenn man alles mit Werckstücken verkleidet. Die an
den Schantzen sollen aus der Tuscanischen Ordnung / aber die in den Stäͤdten
aus der Dorischen Ordnung gezeichnet werden. Die mittelsten Wand=Pfeiler
moͤgen 12. Modul/ die uͤbrigen vier von sammen stehen. Im Fall aber Mauren
um eine Stadt stehen / und ausser denselben besonders Wäͤlle umher geführet sind / stehet es
sehr präͤchtig / wann an diesen die Thore vorbesagter massen angeleget / die Thore aber durch die
Stadt=Mauren als Ehren=Pforten außgezieret / und gantz offen gelassen werden. Die Länge
des Thors ist eben so viel/ als das Anlegen des Walles betraͤget/ oder man kan
von der Anlage des Walles so viel abnehmen / etwa 12. Fuß / daß an beyden Seiten neben
dem Thor die Auffarthen auf den Wall angeleget werden / wie es Tab. III. im Grund=Riß
angedeutet worden. Hernach kan aus den Bogen=Stellungen die aussere und innere ¬
Seite abgetheilet werden Die inwendige Wand gegen der Stadt verträͤget ¬
Wand=Säulen / aber ohne Binden oder Bossagen / aber die äussere kan mit
Wand=Pfeilern / oder mit Wand=Säulen / die mit Binden oder Bossagen umgeben sind /
vergnuͤget werden. Frey stehende Säͤulen aussen zugebrauchen / wäre ein nicht verantwortlicher =
Uberfluß / und der Ernsthafftigkeit des Gebäudes zuwider / sähe eben aus als ein Officier =
/ der sich zum schlagen eben so ausgeputzet häͤtte / als wenn er seinem Herrn oder sonst
nur zu Ehren paradiren solte. Gegen die Stadt zu könte man freystehende Säulen noch
eher verantworten. Doch kan so wohl die Vor=Wand als Hinter=Wand Bäurische =
Bekleidung vertragen. (2) Der Modul kan einen oder anderthalb Füsse
groß seyn. (3) Es koͤnnen auch beyderseits doppelte Säulen gesteilet werden /
ja an den Stadt=Thoren kan man die Säulen auf Säulen=Stuhlen erhöhen /
aber in solchem Fall muß man das Baͤurische Werck unterlassen. Die Gieblichen ¬
oder Frontons haben die Hoͤhe des vierten Theils der aͤussersten SaulenWeite ¬
/ nemlich fuͤnff und einen halben Modul. Die Bilder und Bilder=Stühle
koͤnnen auch aufgesetzet werden/ daferne man die Kosten thun will/ sonst koͤnnen ¬
sie unterlassen werden. Die Wappen werden besser in das Dreyeck des
Giebels / als in die Zwischen=Tieffen gestellet. Die inwendige Breite oder Weite
des Thores soll zweymahl so groß seyn als die Breite oder Weite in Lichten des
Bogens ist. An beyden Seiten des Thores sollen dicke Mauren angeleget
werden / daß sie der Last des Walles / auch inwendig dem Drucken der Gewölbe / genugsam =
widerstreben. Derohalben kan man in solchen Mauren beyderseits
grosse Blinde / nach Gestalt der Bilder blind außhohlen / darinnen auf der Unter=Fläche ¬
die Burger und Soldaten / welche die Wache haben / sitzen möͤgen.
Uber dem Gewoͤlbe des Thores kan ein Wachthauß Platz finden / welches
das Gebäͤlcke und das Dach erfülle / daß daselbst aber die Landsknechte die
Wache haben moͤgen / und das Thor im Nothfall herunter lauffende beschuͤten ¬
moͤgen. Man hat auch das Verdeck über dem Thor=Gewölbe nöthig / nicht allein / daß
man durch hin von der einen Seite des Wall=Gangs auf die andere gleich paßiren könne / und
nicht noͤthig habe erst auf einer Seite von dem Wall herunter und auf der andern wieder hinauf ¬
zu gehen; und daß das Thor=Gewölbe desto besser verdeckt / und gegen die Bomben des
Feinds