Volltext : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

66
ihren  Verschanzungen.  Sie  warfen  nicht  Spiesse,  noch  schossen  sie
Pfeile  ab,  sondern  sie  zogen  ihre  Schwerter  und  griffen  mit  diesen  die
Reihen  an.
Der  Fürst  Schahriam,  als  er  sie  so  unwiderstehlich  vordringen  sah,
warf  sein  Diadem  zur  Erde,  und  rief  seinen  Patriziern  zu:  „Römer,
bedenket,  dies  ist  der  Tag,  der  über  das  Schicksal  eures  Reiches  und
über  euer  Leben  entscheiden  wird;  kämpfet  für  euren  Glauben  und  für
euer  Reich,  für  Weib  und  Kind;  seid  standhaft  und  unverzagt;  ihr
seid  ja  weit  zahlreicher  als  die  Feinde;  ihr  verschuldet  den  Zorn  des
Messias,  wenn  ihr  die  Flucht  ergreifet.  Streitet  mit  reinen  Gedanken,
und  das  Kreuz  wird  euch  Beistand  gewähren.“  An  dem  Tage  der
Schlacht  befand  sich  auch  ihr  Patriarch,  der  bei  ihnen  in  der  Religion
entscheidet,  im  Lager  mit  allen  Priestern  aus  Dschefire;  die  Mönche,
Diakonen  und  Metropoliten  erhoben  die  Kreuze,  beteten  zu  dem,  den
sie  in  ihrer  Abtrünnigkeit  Gott  gleich  stellen,  und  ermunterten  die  Römer ¬
  zum  Kampf  gegen  das  Volk  des  Koran.  Schahriam  sagte  zu  diesem -
  Patriarchen,  der  sein  ganzes  Vertrauen  genoss:  „Vater,  ermahne
die  Römer,  und  ermuntere  sie  zum  Kampfe;  wecke  in  ihnen  die  Furcht
des  Messias.“  Der  Patriarch  ging  durch  die  Reihen,  und  sagte  zu  den
Soldaten:  „Wer  von  euch  flieht,  dem  wird  der  Messias  nimmer  gnädig
sein,  kämpfet  für  euren  Glauben  und  für  euer  Gesetz,  ruft  den  Messias
um  Hülfe  an.“  Dann  begab  er  sich  mit  allen  Priestern  und  Mönchen
auf  einen  hohen  Hügel,  von  wo  man  beide  Heere  sah:  dort  erhoben  sie
die  Kreuze  und  entfalteten  die  Evangelien;  sie  beteten,  in  ihrem  Unglauben ¬
  an  den  Allmächtigen,  zn  dem  Messias  um  Hülfe  und  demüthigten ¬
  sich  vor  dem  Kreuze,  in  der  Meinung,  es  werde  sie  erhören.
Abd  Rabhi  und  el  Aschaath  ben  Malek  erzählen  nach  Jahia  ben
Hafem  dem  Chaulaniten,  und  Beschir  ben  Aamer,  der  in  dieser  Schlacht
gegenwärtig  war:  die  Schlacht  von  Merdsch  Raaban  fiel  am  dritten
Tage  des  Monats  Szefer  im  Jahre  18  (12.  Februar  639)  vor.  Schahriam ¬
  hatte  vor  der  Schlacht  die  Weiber  und  Kinder  der  Patricier  sowohl
als  der  Soldaten  von  Ras  Ain  und  den  übrigen  Orten  in’s  Lager  kommen ¬
  lassen.  Diese  standen  vor  den  Zelten,  hoben  die  Kinder  in  die
Höhe,  und  ermunterten  ihre  Männer  und  Brüder,  sie  bei  Namen  rufend.
Von  allen  Seiten  erhob  sich  Geschrei,  und  die  Soldaten  und  Patricier
fühlten  sich  durch  die  Anwesenheit  ihrer  Weiber  und  ihrer  Geistlichen
sehr  ermuthigt.  Sie  wichen  nicht,  sie  bildeten  eine  unerschütterliche
Linie;  sie  schossen  persische  Pfeile  gegen  die  Araber  ab;  die  Bedschile,
die  Morad  el  Sekasek  und  andere  Männer  aus  Jemen,  die  im  arabischen
Heere  in  der  Fronte  standen,  erwiederten  dies  durch  arabische  Rohrpfeile.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer