Volltext : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

Mohammedaner  nach  meinem  Schlosse,  und  bewache  es,  und  bewache
diese,  bis  du  weitere  Befehle  von  mir  erhältst.“  Zugleich  zog  er  seinen
Siegelring  vom  Finger,  und  gab  ihn  Mischa.  Vor  Mardin  kam  ihm  der
Befehlshaber  der  Festung  entgegen;  als  dieser  den  Siegelring  aus
Mischa's  Händen  empfing,  erlaubte  er  ihm,  in  das  Rastell  hinaufzugehen,
und  die  Gefangenen  dorthin  zu  führen.
Dort  bewachte  sie  Mischa,  und  sah  ihre  herrliche  Frömmigkeit,  und
bewunderte  die  Vortrefflichkeit  der  heiligen  Reden,  die  sie  wiederholten.
Einst  fragte  er  sie:  „Sagt  mir,  wie  viel  Gebete  sind  euch  für  Tag  und
Nacht  geboten?“  Abdalla  ben  Otban  erwiederte:  „Fünf,  und  wer  alle
ihre  Verbeugungen  und  Adorationen  vollbringt,  ist  Gott  wohlgefällig,
wer  sie  nicht  vollbringt,  stürzt  in’s  ewige  Feuer.  Also  sagt  Gott  der
Allerhöchste  in  seinem  Buche,  das  er  seinem  Propheten  offenbart  hat:
Beobachtet  die  Gebote  und  das  mittelste  Gebot,  und  verharret  im  Gehorsam ¬
  gegen  Gott.22)  So  sagt  unser  Prophet:  Das  Gebet  ist  ein  Band
zwischen  dem  Diener  und  seinem  Herrn;  in  ihm  ist  die  Gewährung  der
Bitten,  die  Wohlgefälligkeit  der  Werke,  der  Segen  des  täglichen  Brotes, ¬
  die  Ruhe  des  Körpers,  ein  Bett  im  Grabe,  Antwort  für  die  fragenden ¬
  Engel  Munkir  und  Nekir,  ein  Vorhang  zwichen  uns  und  dem  Feuer,
ein  Gewicht  in  der  Wage  des  Gerichts,  ein  Schlüssel  zum  Paradiese.
Dies  Gebet  ist  allen  Völkern  geboten  worden,  aber  es  half  ihnen  nicht,
und  sie  vollbrachten  es  nicht  genügend,  bis  Gott  es  uns  gebot,  und  uns
dadurch  beistand.  Im  Gebet  sind  alle  Religionspflichten  vereinigt:  der
Glaubenskampf,  denn  der  Betende  bekämpft  Satan  und  sich  selbst;  das
Fasten,  denn  der  Betende  isst  und  trinkt  nicht,  und  das  Gebet  ist  mehr
als  das  Fasten  durch  die  Unterredung  mit  Gott;  in  dem  Gebete  ist  die
Wallfahrt,  denn  der  Betende  begiebt  sich  zum  heiligen  Hause  des
Herrn,  und  das  Gebet  ist  mehr  als  die  Wallfahrt,  wegen  der  Nähe  des
Herrn;  denn  Gott  spricht:  Betet  an,  und  ihr  seid  mir  nahe.  73)  Unser
Prophet  sagte:  Alle  Gebote  hatte  Gott  der  Welt  gegeben  äusser  dem
Gebet;  dieses  hat  er  mir  geboten,  als  ich  vor  ihm  stand.  Er  sprach:
Mohammed,  dieses  Gebet  befahl  ich  allen  Propheten,  und  gebot  den
Völkern,  meinen  Willen  desshalb  zu  thun;  aber  sie  brachten  es  mir
nicht  dar,  denn  das  Volk  des  Moses  lernte  nur  das  Gebet  nach  dem
Riemen;  das  Volk  Jesu  unterliess  es  ganz.  Nun  habe  ich  es  deinem
Volk  geoffenbart,  und  in  ihm  alle  Religionspflichten  vereinigt.  Auch
erzählt  unser  Prophet,  wie  Gabriel  (Gott  sei  ihm  gnädig  und  segne  ihn)
zu  ihm  trat  und  sagte:  O  Mohammed,  stehe  auf  und  thue  wie  ich  thue;
dann  trat  er  hin,  und  betete  mit  zwei  Kniebeugungen,  und  sagte:  O
Mohammed,  dies  ist  das  erste  Gebet,  und  ist  das  Mittagsgebet,  und
            
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