untersucht und ein schwarzes Muttermaal und an einem Ohre einen
kleinen Auswuchs entdeckt hatte, nahm die Amme das Kind, und in
Begleitung eines Verschnittenen, der gleichfalls in das Geheimniss gezogen ¬
ward, trugen sie es nach der Landstrasse, wo sie eine steinerne
Säule fanden, auf welcher eine grosse Platte war; auf diese Platte legten ¬
sie das Kind, damit es nicht von wilden Thieren zerrissen würde,
und kehrten dann nach dem Schlosse zurück, wo sie von der Mutter
belohnt wurden. Durch die Fügung Gottes traf es sich, dass der Fürst
von Moszul damals einen Gesandten zu Schahriam schickte, welcher am
frühen Morgen bei der Säule vorbei kam. Er hörte das Wimmern des
Kindes; er lenkte sein Pferd dahin, und fand das Kind auf der Säule
und die Edelsteine an den Windeln. Er nahm das Kind, welches er
einer Dienerin übergab, mit dem Befehle, es sorgfältig zu warten und
pflegen. Nachdem er die Aufträge seines Herrn bei Schahriam ausgerichtet ¬
hatte, lenkte Gott sein Herz, dass er Schahriam dieses Ereigniss
erzählte. Schahriam ersuchte ihn um das Kind, denn er selbst hatte
kein Kind, das ihm einst in der Regierung folgen könnte; der Gesandte
willigte ein, und Schahriam sorgte für die Erzichung des Knaben; das
Kind ward gross, und erhielt den Namen Amuda; es nahm zu an Anmuth, ¬
und wurde unterrichtet in allen königlichen Wissenschaften, im
Reiten und Bogenschiessen. Amuda ward der trefllichste Reiter, der
behendeste Fischer und Jäger seiner Zeit, und der Ruf seiner Geschicklichkeit ¬
verbreitete sich weit. Er lebte aber selten am Hofe, sondern
brachte seine meiste Zeit auf der Jagd zu; zu diesem Ende baute er
sich am Rande der Wüste ein Jagdschloss, welches er nach seinem
Namen Raszr Amuda (Schloss Amuda) nannte. Maria aber wusste von
allen diesen Dingen nichts, und im Lauf der Jahre waren die, welche
um seine Herkunft wussten, gestorben. Als nun Schahriam wegen der
Annäherung der Araber seine Grossen berief, und Tutha ihm vorschlug,
den Amuda mit Maria zu vermählen, sagte er: „Sie wird ihn nicht ausschlagen, -
sie ist eine Jungfrau, und keiner wird ihr so gefallen wie er,
denn du bist ein Fürst und von der kaiserlichen Familie, wie sie; wiewohl ¬
Könige und Königssöhne um sie warben, denn sie hielt sie für
geringer; wenn du aber für deinen Sohn wirbst, so wird sie nichts einzuwenden ¬
haben, und auch Arsius wird es lieb sein, mit dir verwandt
zu werden.
Schahriam genehmigte diesen Vorschlag, und schickte sogleich den
Patricier Tutha mit einem kostbaren Geschenk an Arsius. Dort angekommen ¬
übergab Tutha das Geschenk, nnd sagte: „Wenn du in das
Begehren des Fürsten Schahriam willigst, so werdet ihr Eine Hand