Volltext : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

untersucht  und  ein  schwarzes  Muttermaal  und  an  einem  Ohre  einen
kleinen  Auswuchs  entdeckt  hatte,  nahm  die  Amme  das  Kind,  und  in
Begleitung  eines  Verschnittenen,  der  gleichfalls  in  das  Geheimniss  gezogen ¬
  ward,  trugen  sie  es  nach  der  Landstrasse,  wo  sie  eine  steinerne
Säule  fanden,  auf  welcher  eine  grosse  Platte  war;  auf  diese  Platte  legten ¬
  sie  das  Kind,  damit  es  nicht  von  wilden  Thieren  zerrissen  würde,
und  kehrten  dann  nach  dem  Schlosse  zurück,  wo  sie  von  der  Mutter
belohnt  wurden.  Durch  die  Fügung  Gottes  traf  es  sich,  dass  der  Fürst
von  Moszul  damals  einen  Gesandten  zu  Schahriam  schickte,  welcher  am
frühen  Morgen  bei  der  Säule  vorbei  kam.  Er  hörte  das  Wimmern  des
Kindes;  er  lenkte  sein  Pferd  dahin,  und  fand  das  Kind  auf  der  Säule
und  die  Edelsteine  an  den  Windeln.  Er  nahm  das  Kind,  welches  er
einer  Dienerin  übergab,  mit  dem  Befehle,  es  sorgfältig  zu  warten  und
pflegen.  Nachdem  er  die  Aufträge  seines  Herrn  bei  Schahriam  ausgerichtet ¬
  hatte,  lenkte  Gott  sein  Herz,  dass  er  Schahriam  dieses  Ereigniss
erzählte.  Schahriam  ersuchte  ihn  um  das  Kind,  denn  er  selbst  hatte
kein  Kind,  das  ihm  einst  in  der  Regierung  folgen  könnte;  der  Gesandte
willigte  ein,  und  Schahriam  sorgte  für  die  Erzichung  des  Knaben;  das
Kind  ward  gross,  und  erhielt  den  Namen  Amuda;  es  nahm  zu  an  Anmuth, ¬
  und  wurde  unterrichtet  in  allen  königlichen  Wissenschaften,  im
Reiten  und  Bogenschiessen.  Amuda  ward  der  trefllichste  Reiter,  der
behendeste  Fischer  und  Jäger  seiner  Zeit,  und  der  Ruf  seiner  Geschicklichkeit ¬
  verbreitete  sich  weit.  Er  lebte  aber  selten  am  Hofe,  sondern
brachte  seine  meiste  Zeit  auf  der  Jagd  zu;  zu  diesem  Ende  baute  er
sich  am  Rande  der  Wüste  ein  Jagdschloss,  welches  er  nach  seinem
Namen  Raszr  Amuda  (Schloss  Amuda)  nannte.  Maria  aber  wusste  von
allen  diesen  Dingen  nichts,  und  im  Lauf  der  Jahre  waren  die,  welche
um  seine  Herkunft  wussten,  gestorben.  Als  nun  Schahriam  wegen  der
Annäherung  der  Araber  seine  Grossen  berief,  und  Tutha  ihm  vorschlug,
den  Amuda  mit  Maria  zu  vermählen,  sagte  er:  „Sie  wird  ihn  nicht  ausschlagen, -
  sie  ist  eine  Jungfrau,  und  keiner  wird  ihr  so  gefallen  wie  er,
denn  du  bist  ein  Fürst  und  von  der  kaiserlichen  Familie,  wie  sie;  wiewohl ¬
  Könige  und  Königssöhne  um  sie  warben,  denn  sie  hielt  sie  für
geringer;  wenn  du  aber  für  deinen  Sohn  wirbst,  so  wird  sie  nichts  einzuwenden ¬
  haben,  und  auch  Arsius  wird  es  lieb  sein,  mit  dir  verwandt
zu  werden.
Schahriam  genehmigte  diesen  Vorschlag,  und  schickte  sogleich  den
Patricier  Tutha  mit  einem  kostbaren  Geschenk  an  Arsius.  Dort  angekommen ¬
  übergab  Tutha  das  Geschenk,  nnd  sagte:  „Wenn  du  in  das
Begehren  des  Fürsten  Schahriam  willigst,  so  werdet  ihr  Eine  Hand
            
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