Volltext : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

Muth,  und  Schrecken  ergriff  ihr  Herz.  Sie  ging  in  die  Stadt  und  um
die  Mauer,  und  wandte  sich  an  den  frommen  Diener  Jukinna:  „Du
allein,  sprach  sie,  o  Diener  des  Messias,  bist  uns  übrig  unser  Reich  zu
stützen  und  uns  zu  rathen.“  Er  erwiederte:  „Ich  gchöre  dir  an,  Fürstin, ¬
  und  bin  unter  deiner  Herrschaft.“  Und  sie  beschenkte  ihn  und
seine  Gefährten  mit  Ehrenkleidern  und  übertrug  ihm  den  obersten  Befchl. ¬
  Jukinna  wandte  sich  darauf  zu  seinen  Gefährten,  und  sagte:
„Wisset,  dass  ihr  jetzt  den  Befehl  in  dieser  Stadt  habt,  denn  die  Fürstin ¬
  vertraut  auf  euch,  in  der  Erwartung,  dass  wir  es  aufrichtig  mit  ihr
meinen,  und  ihr  Land  beschützen,  und  ihre  Feinde  bekämpfen  werden.“
Er  sandte  sie  darauf  auf  die  Mauer,  und  liess  auf  dem  grossen  Thurm
an  der  Seite  des  Chabur  eine  grosse  Ratapulte  aufpflanzen.  In  diesem
Thurm  hatten  die  Einwohner  ihre  beste  Habe  und  Schätze  verwahrt.
Von  dieser  Ratapulte  wurden  Steine  gegen  die  Araber  geschleudert:
aber  sie  flogen  über  sie  weg,  und  thaten  keinen  Schaden.  Aber  die
Araber  umgaben  die  Mauer,  und  fochten  sehr  heftig:  sie  schossen
Pfeile  ab,  und  schleuderten  Steine,  und  sie  fehlten  nicht,  sondern
trafen,  und  ihre  Rnechte,  wie  die  Freien,  strebten  für  Gott.  Einige
warfen  Steine  mit  Schleudern,  und  auch  diese  trafen  und  fehlten
nicht;  und  der  Anführer  der  Schleuderer  war  Mundhir  ben  Aaszem,
der  trefllichste  Schleuderer  in  ganz  Hedschaf  und  Jemen;  die  Stärke
seines  Arms  war  so  gross,  dass,  wenn  er  nach  dem  grossen  Thurm
schleuderte,  auf  welchem  die  Ratapulte  stand,  er  einen  Soldaten  nach
dem  andern  traf.  Daher  nannten  die  Araber  diesen  Thurm  den  Thurm
Mundhir’s.
Und  die  Araber  drängten  Rarkisia,  die  Niederlage  ward  gross,  und
die  Einwohner  fanden  den  Rampf  zu  schwer.  Die  Fürstin  Armanusa
erinnerte  Jukinna  an  sein  Versprechen,  Rath  gegen  die  Araber  zu  finden; ¬
  er  versprach  es  sogleich  zu  erfüllen;  stieg  auf  die  Mauer,  dem
Heer  der  Araber  gegenüber,  und  rief:  „Ihr  Araber,  der  Rampf  zwischen
uns  und  euch  dauert  lange,  und  wir  wünschen  einen  Vertrag  mit  euch
zu  schliessen.  Ich  verlange  von  euch,  dass  ihr  zehn  eurer  angesehensten -
  Männer  zu  uns  sendet,  damit  wir  sehen,  ob  wir  nicht  über  einen
Vergleich  übereinkommen  können,  bis  ihr  Schahriam  besiegt  und  Ras
Ain  erobert  haben  werdet:  dann  werden  wir  euch  unterthänig  sein.
Fordert  denn  eine  Summe  zur  Vergütung.  Wir  wissen,  dass  ihr  euer
Wort  haltet.
Abdalla  ben  Otban  und  Soheil  ben  Addi  und  die  Moslemin  erriethen ¬
  seine  Absicht,  und  Soheil  antwortete  ihm:  „0  Feind  deiner
eigenen  Seele!  Du  bist  von  uns  entflohen,  und  hast  deine  Feindselig¬
            
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