27
Seif ben Saad erzählt: Da Ijadh ben Ganem die Auswanderung
der Ajadi von Schemta auf das römische Gebiet an Omar, den Fürsten
der Gläubigen, berichtet hatte, schrieb dieser an Heraklius, oder an
seinen Sohn Konstantin: „Bei Gott! woferne du sie nicht aus deinem
Lande verbannst, werde ich alle Christen in meinem Reiche vertilgen.“
- Und nach diesem Briefe lieferte der griechische Raiser sie aus. Und
Ijadh bereitete sich eifrig, Schahriat zu begegnen, und befahl seinen
Truppen, sich zur Schlacht fertig zu halten.
Schahriat aber hatte seine Patricier und Vornehmen versammelt,
und redete sie folgendermassen an: „Wisset, einer der persischen Weisen ¬
hat gesagt: der Krieg ist ein trügerischer Bote. Ich beabsichtige,
euch morgen gegen diese Araber zu führen; wenn ich aber dieses zu
thun im Begriff bin, so zieht eure Schwerter gegen mich, als wolltet
ihr mich tödten, und ich werde dann zu euch sagen: ich sagte dieses
nicht, um euch von dem Kriege gegen Mohammed und seine Anhänger
abzuhalten, sondern bloss, um eure Standhaftigkeit im Glauben zu erkennen, ¬
und zu sehen, ob auch Furcht vor diesen Arabern euer Herz
befallen hat. Wenn ihr diese Worte höret, so stecket eure Schwerter
wieder in die Scheide, und leistet mir wieder Gehorsam, und kämpfet
gegen die Araber. Ich aber werde zu ihnen gehen, und zu ihnen sagen:
Araber, meine Freunde, wisset, ich wollte euch das Land überliefern,
aber meine Patricier und Grossen widersetzten sich mir, und beabsichtigten -
mich zu tödten; desshalb komme ich nun zu euch, denn mein
Verlangen steht nach euch. Das Volk wird alsdann sorglos sein, ich
werde sie in Unordnung finden, und ihren Anführer tödten, und ich
hoffe, dass der Messias mir hierin seinen Beistand leihen werde. Ich
weiss aber, dass das Volk, wenn ihr Anführer getödtet ist, in Schrecken
geräth, und uneins wird. Dann werde ich entfliehen, und mit euch sie
in ihrer Unordnung angreifen, und sie bis auf den letzten Mann vertilgen.“ -
Vartabek der Armenier widersetzte sich diesem Vorschlage, und
sagte: „Wie kannst du so dein Leben Preis geben und der Gefahr
aussetzen? Wenn du dieses thust, so wirst du gewiss von den Arabern
getödtet; wir aber fürchten uns vor den Vorwürfen des Königs Schahriam, -
welcher uns tadeln wird, dass wir es zugegeben hätten, dass du
dein Leben in Gefahr setztest, und wir Dich in den Händen der Araber
gelassen hätten, die den Heraklius besiegt und die Cäsaren vernichtet
haben. Wir können es dir nicht zugeben.“ Hierauf sagte Abdalla
Jukinna: „Das ist ein wahres Wort; was soll aus uns werden, wenn
wir den König ziehen lassen, und sein Leben den Arabern Preis geben?
Ich weiss jedoch einen besseren Rath. Wir thun morgen alle zusammen