Full text : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

kinna  mit  seinem  Gefolge  und  seiner  Tochter  begaben  sich  durch  den
unterirdischen  Gang  nach  dem  zweiten  Schlosse.
Als  die  Nacht  anbrach,  fragte  das  Mädchen  den  Jukinna:  „Vater,
wie  hast  du  die  Araber  gefunden?  Und  warum  hast  du  sie  verlassen,
da  du  mit  ihnen  Umgang  hattest,  und  ihren  Glauben  angenommen  hast,
und  ihnen  so  eifrig  ergeben  warest?  Hast  du  vielleicht  gefunden,  dass
das  Volk  im  Unrecht  ist,  und  dass  dein  Glaube  besser  ist,  als  der  ihrige?
„Nein,  bei  Gott,  erwiderte  er,  es  ist  nur  Mitleiden  mit  dir,  was  mich
hierher  brachte,  weil  wir  in  dieser  Welt  getrennt  sind,  und  mir  angst
ist,  dass  wir  es  in  der  Ewigkeit  auch  sein  möchten.  Ich  weiss  sicher,
dass  diese  Rastelle  den  Arabern  nicht  widerstehen  können;  sie  haben
meine  Burg,  die  festeste  in  ganz  Syrien,  erobert,  und  so  viele  Fürsten
aus  ihren  Ländern  vertrieben;  und  Gott  hat  mein  Herz  gerührt,  dich  der
Gewalt  der  Teufel  und  der  ewigen  Verdammniss  zu  entreissen,  und  dich
von  dem  Götzendienst  des  Kreuzes  zu  Gott  zurückzuführen.  Bei  Gott,
mein  Rind,  die  Religion  des  Islam  ist  die  vortrefflichste,  und  die  Propheten -
  und  der  Messias  hingen  ihr  an;  auch  war  sie  das  Gesetz  der
Christen,  und  die  Gebote  der  Wahrheit  waren  ihr  Recht;  aber  Paulus,
ein  jüdischer  Schriftgelehrter,  verführte  sie  vom  wahren  Glauben,  und
zog  sie  vom  rechten  Wege  ab,  und  predigte  ihnen  die  alten  unwahren
Gesetze,  bis  sie  ungläubig  für  die  Worte  Abraham’s  des  Freundes
Gottes,  und  Moses  des  Wortes  wurden.  Diese  Araber  hingegen  folgen
dem,  was  ihr  Prophet  Mohammed  an  siegreicher  Lehre  und  frommen
Werken  gebot,  und  entsagen  gänzlich  dieser  Welt,  und  haben  sich,  getrennt -
  wie  sie  vorher  waren,  im  Bekenntniss  der  Einheit  Gottes  vereinigt, ¬
  und  glauben  an  den  Tod,  die  Auferstehung  und  an  ein  jüngstes
Gericht,  wo  nach  dem  Buche  Gottes  auch  das  Geringste  geprüft  werden
wird.  Lass  denn  auch  dir  gefallen,  was  deinem  Vater  gefiel,  und  folge
nicht  dem  nach,  was  mein  und  dein  Verderben  wäre.“  Sie  erwiderte:
„Mein  Vater,  alles,  was  du  sagtest,  war  mir  nicht  unbekannt:  ich  wusste
die  Vortrefflichkeit  des  Islam,  und  will,  was  du  willst.  Ich  bezeuge,
dass  nur  ein  Gott  ist.  Sage,  was  muss  ich  mehr  bekennen,  um  in  die
Gemeinde  der  Gläubigen  zu  treten?“  Und  ihr  Vater  lehrte  sie  die  beiden
Bekenntnisse,  und  sagte:  „Ich  bezeuge,  dass  nur  ein  einiger  Gott  ist,
der  keinen  Gefährten  hat,  und  ich  bezeuge,  dass  Mohammed  sein  Diener
und  Gesandter  ist,  gesandt  mit  der  richtigen  Leitung  und  dem  wahren
Glauben.“  Abdalla  Jukinna  freute  sich  ihres  Islam,  und  sagte:  „Was
fangen  wir  mit  jenem  verfluchten  Ungläubigen  an?“  Sie  erzählte  ihm,
was  sie  vom  Wefir  über  die  Absichten  des  Ischkefasz,  ihn  zu  ergreifen,
vernommen  hatte.  „Wenn  es  sich  so  verhält,  sagte  Jukinna,  so  bereite
            
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