Inhaltsverzeichnis : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

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Konstantin,  der  die  Erbauung  der  Stadt  vollendete.  Seitdem  führt  sie
zwei  Namen,  Istambul  nach  dem  Vater,  und  Rostantinie  nach  dem  Sohne.
Unterdessen  setzte  Istambul’s  Vater  seine  Eroberungen  fort,  bis  er  in
diese  Gegenden  kam;  als  er  die  Menge  der  Quellen  und  den  Tigris  und
die  Schönheit  des  Ortes  sah,  rief  er  seine  zwei  und  siebzig  Patricier  und
Grossen  zusammen,  und  sagte:  „Ich  habe  beschlossen,  hier  eine  Stadt  zu
bauen,  die  an  Festigkeit  und  Stärke  ihres  Gleichen  auf  der  Erde  nicht  haben
soll;  ich  wünsche  daher,  dass  jeder  von  euch  für  sich  einen  Thurm  und
eine  Zinne  baue.“  Die  Grossen  gehorchten;  Timäus  liess  die  Stadt  abstecken, ¬
  begann  den  Bau,  und  liess  aus  allen  Theilen  des  römischen
Reiches  Künstler  kommen;  jedem  Anführer  und  Häuptling  wies  er  einen
Thurm,  eine  Zinne,  ein  Bad  und  eine  Kirche  an.  Als  die  Stadt  vollendet ¬
  war,  starb,  er,  und  die  Regierung  vererbte  vom  Vater  auf  den
Sohn  ununterbrochen  fort,  bis  auf  diese  beiden  Brüder  Petrus  und
Johannes.  “Maria  verwunderte  sich  im  Stillen  über  die  Erzählung  ihrer
Amme.  105
Petrus  hatte  einen  jungen  Menschen,  Namens  Leo,  adoptirt,  und
verlangte  von  seinem  Bruder  Johannes  dessen  Tochter  Szure  zur  Gemahlin -
  für  denselben.  Johannes  aber  schlug  ihm  diese  Bitte  ab,  worüber
es  zu  Misshelligkeiten  zwischen  ihnen  kam,  und  die  Thore  in  der
Scheidewand  wurden  verschlossen.  Als  Maria  diess  sah,  trat  sie  als
Vermittlerin  zwischen  den  beiden  Brüdern  auf;  sie  liess  die  Thore  wieder ¬
  öffnen,  und  gab  ein  grosses  Gastmahl,  zu  welchem  sie  die  Brüder
einlud.  Nach  dem  Essen  wurde  ihnen  Wein  gereicht,  den  sie  mit  Bilsenkraut ¬
  hatte  mischen  lassen;  nachdem  sie  getrunken  hatten,  verloren
sie  ihre  Besinnung;  sie  liess  sie  mit  ihren  Weibern  und  Kindern  ermorden, -
  und  ward  auf  diese  Weise  unumschränkte  Fürstin.  Darauf
erbaute  sie  in  Amid  eine  grosse  Kirche,  die  im  ganzen  römischen  Reiche
nicht  ihres  Gleichen  hatte,  und  worauf  sie  sehr  viel  verwendete;  der
Fussboden  wurde  mit  Marmorfliesen  belegt,  die  Wände  mit  vergoldeten
Pannelen  versehen,  und  an  denselben  waren  Vorhänge  aus  konstantinopolitanischem -
  Goldbrokat.  Dann  schickte  sie  nach  dem  römischen  Reiche,
und  liess  alle  berühmten  Gelehrten  ihres  Glaubens  kommen,  gab  ihnen
Anstellung  und  überhäufte  sie  mit  Gnade.  Durch  gerechte  Verwaltung
und  durch  Vermeidung  aller  Ungerechtigkeit  erwarb  sie  sich  die  Liebe
der  Einwohner,  welche  ihre  Tugend  priesen,  und  ihr  bereitwillig  mit
ihrem  Leben  und  Vermögen  dienten;  die  Kaufleute  kamen  von  allen
Orten  hier  her,  wegen  der  Gerechtigkeit  und  guten  Verwaltung,  die  sie
hier  antrafen.  Zwölf  Jahre  hatte  sie  regiert,  als  Ijadh  ben  Ganem  mit
dem  Heere  der  Moslemin  vor  der  Stadt  anlangte  und  sie  umzingelte.
            
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