Full text : Wāqidī, Muḥammad Ibn-ʿUmar: Geschichte der Eroberung von Mesopotamien und Armenien

VI
Tautologien)  übergangen,  und  hier  fragte  es  sich  nun,  ob  ich  Wakedi's
Erzählung  wieder  in  ihre  ursprüngliche  Form  umsetzen,  oder  gewissenhaft ¬
  Niebuhr’s  Anordnung  beibehalten  sollte.  Folgende  Betrachtungen
veranlassten  mich  zu  dem  ersteren  Verfahren.
Wakedi’s  Werke  in  ihrer  ursprünglichen  Gestalt  sind  wahrscheinlich ¬
  nicht  mehr  vorhanden;  sie  sind  häufig  interpolirt,  und  es  dürfte
der  Rritik  nicht  leicht  werden,  die  gehörige  Scheidung  wieder  vorzunehmen. -
  Da  aber  seine  Erzählung  Ereignisse  betrifft,  von  denen  wir
anderweitig  so  gut  wie  nichts  wissen,  so  ist  es  immer  von  Wichtigkeit,
den  ursprünglichen  Text  möglichst  zu  ermitteln.  Aber  eben  dazu  bedürfen -
  wir  wenigstens  eineu  Text,  der  nicht  weiter  durch  spätere  Bearbeitungen ¬
  verändert  ist.  Soll  die  Kritik  den  Text  sichten  und  sondern,
so  muss  man  ihr  wenigstens  den  vollen  Text  zur  unbedingten  Verfügung
übergeben.  Diese  Betrachtungen  waren  für  mich  von  überwiegender
Wichtigkeit,  zumal  da  der  Leser,  dem  es  bloss  um  Niebuhr’s  Uebersetzung -
  zu  thun  ist,  im  Grunde  nichts  dabei  verliert;  an  seinen  Worten
habe  ich  nichts  geändert;  die  Episoden,  welche  er  ausgelassen  hatte,
habe  ich  übersetzt,  und  in  den  Anmerkungen  das  Nöthige  desshalb  erinnert; ¬
  etwaige  Fehler  in  demselben  fallen  also  nicht  Niebuhr,  sondern
mir  zur  Last.  Auch  in  den  Anmerkungen  habe  ich  mir  kein  fremdes
Eigenthum  angeeignet;  die  von  Niebuhr  gemachten  Anmerkungen  sind
alle  mit  N.  bezeichnet,  während  die  meinigen  nicht  weiter  bezeichnet
sind.  Endlich  habe  ich  die  Handschrift  noch  etwas  weiter  übersetzt,
um  die  Erzählung  zum  Schlusse  zu  bringen.  Wo  Niebuhr’s  Uebersetzung -
  aufhört  und  die  meinige  anfängt,  wird  nachher  erinnert  werden.
Zuvor  einige  Worte  über  das  Original  nnd  dessen  Verfasser.
§  2.  Von  dem  Verfasser  des  Werks,  Ebu  Abdalla  Mohammed
ben  Omar  Ibn  Waked  el  Wakedi,  wissen  wir  nichts  weiter,  als
dass  er  im  Anfang  des  J.  d.  H.  131  (Ende  748)  geboren,  und  am
11.  Dhulhedsche  207  (23.  April  823)  als  Radhi  im  westlichen  Theile
von  Bagdad  gestorben  ist.  Die  ihm  zugeschriebenen  Werke  sind  unter
dem  Namen  (Eroberungen)  bekannt,  und  umfassen  eine  Geschichte
der  ersten  Feldzüge  der  Araber  von  Mohammed’s  Tode  an.  Um  über
die  Glaubwürdigkeit  seiner  Berichte  ein  Urtheil  zu  fällen,  müssen  wir
hier  etwas  weit  ausholen.
Auslod
Da  dem  Mohammedaner  Wein  und  Hasardspiel  bekanntlich  schon
im  Koran  untersagt  ist,  da  Theater,  Tanz  und  Musik  für  unanständig
gelten,  so  ist  er,  wenn  er  sich  einen  anständigen  out-door  Keif  (plaisir)
machen  will,  auf  das  Anhören  von  Erzählungen  bei  einer  Tasse  Raffe
und  Pfeife  Tabak  beschränkt.  Dieser  Umstand  macht,  dass  „das  Erzäh¬
            
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