§ 82. Adv. Nothwendigk.
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jede Partei vor Gericht persönlich handeln darf2), so hängt es
auch von ihr ab, ob sie ihre gerichtlichen Vorträge selbst abfassen
oder durch einen Sachwalt verfertigen lassen will*). Nothwendig
wird seine Zuziehung erst, wenn die Partei die Fähigkeit, sich
deutlich auszudrücken, nicht darlegt, oder die Form nicht beobachtet. ¬
Bei Armen wird auch Letzteres übersehen*). Wer aber
die Eingaben nicht selbst concipirt, darf sich dazu, bei Strafe der
Retradition der Schrift, nur eines recipirten Advocaten bedienen*),
falls er nicht einem auswärtigen Advocaten oder Notar die
2) L. u. H. G. O. und G. C. O. II. 8 § 1 verb. durch sich selbst. Milit.
Ges. B. v. 7. Febr. 1855 Art. 264, Strel. v. 7. Mai 1859 Art. 254.
3) G. C. O. I. 5 § 2 u. 9. Gem. Bescheid vom 11. Juli 1668
(W. G. II. S. 107. H. G. I. S. 449). Rostocksche Ger. O. I. 7 § 8.
Entsch. v. 10. Juni 1860 u. 23. März 1861 zu Bn. 894 u. Pe. 496.
*) V. v. 13. Sept. 1845 § 8. O. W. nr. 28. Strel. off. Beil.
nr. 20. Scharenberg 1I. 2 S. 242. Raabe II. S. 398.
3) L. u. H. G. O. I. 6 § 3. G. C. O. I. 5 § 2. Revid. O. A. G. O.
§ 10. Strel. Gem. Besch. v. 1. Sept. 1769 u. 24. Aug. 1787 in v. Kamptz
Repert. S. 8. Die Landesgerichte wachen hierüber von Amtswegen, fordern
beim Verdachte, daß ein Unbefugter die Feder führe, Bericht von der Partei
oder dem Advocaten, welcher die Eingabe unterschrieben hat, und strafen den
anmaaßlichen Advocaten. Wenn auch nach dem Schwer. Reg. Rescr. vom
7. April 1827 (Raabe 11. S. 317) die Frage, ob eine Eingabe von dem
unterschreibenden Advocaten selbst abgefaßt ist, nicht mehr Gegenstand der
richterlichen Aufmerksamkeit und Rüge ist, so hat den Landesgerichten doch
die Aufsicht auf Hemmung der gesetzwidrigen Schreiberei rechtsunkundiger
Winkelschriftsteller nicht geschmälert werden sollen. Reg. Rescr. v. 21. Mai
1827 und 5. Dec. 1828 bei Raabe VI. S. 27. Dazu das Rescr. vom
4. Oct. 1841. Das. S. 28. Auch ergiebt sich — wie ein an die Landesgerichte ¬
zu der V. üb. d. Armenrecht vom 13. Sept. 1845 ergangenes Reg.
Rescr. de eod. sub 1 g. sagt — zu § 8 nr. 1 das gesetzliche Einschreiten
gegen die s. g. Winkeladvocaten in geeigneten Fällen von selbst. Mit Strafe
ist nur die Winkelschriftstellerei bei den Landesgerichten und nach der Rostockschen ¬
Ger. O. I. 7 § 6 bedrohet. In andern Fällen muß daher dem Uebertreter ¬
zunächst gerichtlich für künftige Contraventionen Strafe angedrohet werden. ¬
Erkenntn. der Just. Canzlei zu Güstrow v. 19. April 1856 zu Ru. 645.
Auch hat die Landes=Regierung specielle Verbote erlassen, s. das Public. v.
20. Nov. 1816 im O. W. S. 204.