Volltext : Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft (Bd. 42 = 3.F. Bd. 6 (1900))

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Rechtsgeschichte.

weder Jrrthum noch irgend eine andere iusta causa der restitutio
voraussetzen, während zu der Wiederanstellung der anderen adjecti-
zischen Klagen die prätorische Rescission der Consumption sich inner-
halb der Voraussetzungen und Schranken einer wahren, gänzlich
edictalen Restitution zu bewegen scheine^). Dieses Zugeständniß
unterstützt die Meinung derjenigen, daß zur Wiederanstellung der
actio de peculio beim Wachsen des peculium eine Rescission
überhaupt nicht nothwendig war. Die bisherigen Lösungsversuche
von Bekker und Lenel, die auf diesem Standpunkt stehen, dürften
kaum befriedigen; die von v. Pokrowsky ist a limine zurück-
zuweisen. Gestützt auf meine in meinem „Jnstitutionensystem"
gemachten Untersuchungen über die prozessualische Consumption
und insbesondere über den Begriff der ree in dem Satze: bis
de eadem re ne sit actio ist die Lösung des Rätsels auf
folgende Weise zu suchen. Der Satz dis de eadem re ne
sit actio kann bei der Wiederanstellung der actio de peculio
gar keine Anwendung finden, weil eine Identität der res über-
haupt nicht vorhanden ist. Zu dem Zwecke müssen wir die
Natur der obligatorischen Verpflichtung des dominus bezw.
paterfamilias betrachten. Dieselbe entsteht nicht aus einem reinen
Willensthatbestand, sondern aus einem Zustandsthatbestand. Sie
beruht nämlich auf dem Vorhandensein von Vermögenswerthen
im peculium. Die daraus entstehenden Obligationen wachsen und
mindern sich und gehen unter, je nach der Quantität der vorhandenen
Vermögenswerthe. Die Römer betrachten aber die Verbindlichkeit
des dominus, welche in Folge der Vermehrung oder des Neu-
eintrittes an Vermögensstücken in das peculium neu erwachsen
ist, nicht identisch mit der alten Obligation bei vermindertem
Bestände des peculium. Es ist dies eine ähnliche Auffassung
wie die von inir°) nachgewiesene Idee der una stipulatio plures
obligationes oder der Regel quot res tot stipulationes. Siehe fr.
4) S. p. 514 n. 4.
5) S. mein Jnstitutionensystem S. 228ff.

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