150 III. Die Trennung der Procuratur von der Rechtsanwaltschaft,
Jahrhundert blättern mag, stößt man gerade auf das Gegentheil
von Liebe und Achtung vor dem Advocatenstande.
„Es geht dem Schriftenstellerchor
Im Beutelschneiden Niemand vor"
heißt es gleich in der Vorrede von J. G. Döhlern's „ProzessuaUnd ¬
würdig reiht sich daran
lischen Mausefallen" (Coburg 1739).
noch das Urtheil des Wittenberger Pandektisten Leyser: Medit.
ad pandect. (1732) spec. 547, n. 4: „Nullum fere nunc
criptum editur in quo si advocatorum forte mentio fit, convitiis ¬
non onerentur. Deinde dignitas eis nulla relinquitur.
In conviviis ad infimum subsellium rejiciuntur, in solemnibus
infra scribas, argentarios, publicanos amandantur. Denique
magistratus in aliorum criminibus indulgentissimi advocatorum
levissima errata sevère puniunt ac frequentibus mulctis eos
fere ad incitas redigunt . . . Ita fit, ut si paucos excipias
probos doctos que viros ...
non nisi viles ed ad alia negotia ¬
inepti homunculi advocationem ambiunt." Zwar hat die
Cultur, die alle Welt beleckt, auch auf den Advocaten sich erstreckt,
und so ist es mit dem „Untenansitzen" wenigstens nach und nach
besser geworden. Allein auch heute ist man nach dem übereinstimmenden ¬
Zeugnisse Aller, die über den Gegenstand geschrieben, noch immer
weil, sondern obgleich man Advocat ist, und die
nicht geacht
Zeit, wo deutsche Advocaten unter allerlei Vorwänden von allen
Ehrenstellen und sogar vom politischen Wahlrechte grundsätzlich ausgeschlossen ¬
und unter die Zuchtruthe vierteljähriger Conduiteberichte
gestellt waren (beides namentlich auch in Preußen und Bayern
liegt noch keineswegs weit hinter uns. Und dennoch würde Alles
dies davor zurücktreten müssen, wenn nur ein einziger deutscher Advocat ¬
sich über jenes Niveau der Alltäglichkeit, die ganz selbstverständliche ¬
Vorwurfsfreiheit, die pure „Anständigkeit", zu außerordentlichen, ¬
von Mit- und Nachwelt anerkannten Leistungen, zu einem
leuchtenden Vorbilde seiner Standesgenossen aufgeschwungen hätte,
wenn wir den vielen großen Namen, die der Welt- und Culturgeschichte ¬
angehören, nur einen einzigen großen Advocaten anreihen
könnten. Wir stehen vor der beschämenden Thatsache: das Volk,
das auf allen Gebieten des menschlichen Geistes so Herrliches geleistet, ¬
das sich mehr als andere rühmen darf, in allen Zeitaltern
die idealen Ziele der Menschheit im Auge behalten und durch seine
größten Männer, einen Luther, einen Goethe, einen Schiller, einen
Kant, einen Richard Wagner nicht nur der Nation, sondern der
ganzen Welt näher gebracht zu haben, besaß und besitzt noch derzeit