35 —
theilsrecht Anwendung, so vor allem in Schweidnitz, wo es
sich auch nach Einführung des magdeburgischen Rechts erhielt6. ¬
Aber selbst wo ursprünglich das magdeburger Eherecht ¬
eingeführt worden war, schaffte man es später vielfach
zu Gunsten der Halbtheilung und des Drittheilsrechts wieder ¬
ab 67
VII. Böhmen und Mähren6s
Als mit Anfang des
dreizehnten Jahrhunderts das magdeburgische Recht auch den
Stüdtegründungen Böhmens und Mührens als Norm zu dienen
begann, war dort deutsches Städtewesen nicht mehr unbekannt.
Denn bis in hohe Vergangenheit reicht die Einwandrung flandrischer ¬
Colonisten in diese von der Natur reich gesegneten
Gebiete, die durch ihren Reichthum an Erzen dem Gewerbfleiss ¬
der Niederländer eine reiche Wirksamkeit sicherten.
Bauernstand des Fürstenthums Breslau, und als allgemeine Vorschrift das
sog. Wenceslaus'sche Kirchenrecht von 1416, vgl. G aupp schles. Landrecht
124 und Zeitschr. f. deutsches Recht III, 76. Endlich findet sich in der
Handsehrift Homoyer Rbb. 161 auf dem letzten Blatte folgende Notiz aus
dem funfzehnten Jahrhundert, die nach dem Ursprunge des codex, es ist
Böhme's codex bregensis, auf Schlesien deutet: nota in flemischim gute,
wenn ein weib komt an ires mannes bette, so hat si di helfte in sin gut ane
alle ofgabe, erst noch sime tode damite zu tun und zu lossen, und bi sime
lebene, di weile si sinen tod nicht irlebit hat, ab si e sturbe denn ir man, so
mag si des nicht erben of ire mugen, sint si ir recht selbist nicht irlebit hat;
sunder aleine ire gerade erbit si of ire neste gespinne. Die Stelle ist gedruckt
bei Böhme dipl. Beitr. IV, 192.
66 S. das privilegium Bolconis von 1341 bei Gengler 423,
67 So in Grüneberg, Weingarten fasciculi I, 3, 85; im Fürstenthum
Liegnitz, Stylo Provincialrecht von Niederschlesien (1860), 426 ff.; im
Fürstenthum Wohlau, ibid. 455 ff.; in Neumarkt gemäss der merkwürdigen
Umbildung des hallischen Weisthums von 1235, Homeyer Extravaganten
des Ssp. 265; in Liegnitz gemäss der Liegnitzer Lehnrechtsglosse des Nicolaus ¬
Wurm, Homeyer Ssp. II, 1, 361.
6e Aus der trefflichen und reichen Literatur des deutschen Rechts in
Oesterreich gehören hieher die Werke von Rössler deutsche Rechtsdenkmäler ¬
aus Böhmen und Mähren I. II; von Bischoff deutsches Recht in Olmütz ¬
(1853), österreichische Stadtrechte (1857); von Tomaschek deutsches ¬
Recht in Oesterreich (1859); und Recht und Verfassung der Markgrafschaft ¬
Mähren im funfzehnten Jahrhundert (1868).
3