Volltext : Vitruvius: Vitruuius Des aller namhafftigisten vnnd Hocherfarnesten, Römischen Architecti Marci Vitruuii Pollionis, Zehen Bücher von der Architectur vnd künstlichem Bawen

Von  der  Archicectur  /  das  bii  Cap.
cirti
chen  mag  der  Mensch  gar  mancherley  nutzbarkeit  haben  /  als  nemlichen  Vischreusen -
  /  Hurten  /  Pferrich  /  Schantzkörb  /  so  man  im  Krieg  nachfürt  /  allerhand  Geschit
von  Körben  /  Zeünen  /  Mawren  /  ond  dergleichen  /  so  wir  nit  wol  entraten  können  /  als
wir  teglichen  für  Augen  sehen  /  dann  solche  ding  ob  sie  gleich  nit  also  langwirig  als
ob  sie  von  Holtz  gemacht  weren  /  so  seind  sie  doch  vil  leichter  vund  bequemer  zu  handlen -
  /  also  das  wir  solcher  geflochtner  arbeit  nutzbarkeit  alle  stund  mercke.  Damit  wir
aber  dises  Capitel  nutzlich  beschliessen  /  wöllen  wir  die  gebreuchligsten  weiß  und  manier -
  mancherley  Mawrwerck  zum  Beschluß  erzelen  /  setzen  also  das  Mawrwerck  se
die  alten  Craticium  genant  haben  /  aller  eist  von  vns  gnugsamlichen  beschriben  /  ond
verzeunet  /  oder  Geflochten  Werck  genant  /  für  das  erst.  Weiter  werden  auch  Mawre
von  Marbelstein  in  Welschem  Land  auffgefürt  /  die  werden  Marmorei  genennet  /  so

bawet  man  auch  von  Quadersteinen  Lapis  quadratus  genant  /  deßgleichen  von  rau
hen  vngehawenen  Veldstein  Cementicij  genant  /  die  Mawren  von  gebachnen  Stei
nen  nennet  man  Testaceos  /  aber  von  vngebachnen  allein  hart  gedorten  und  wol  ertruckneten -
  Steinen  /  die  nennet  man  Latericios  /  die  man  von  Erdschollen  und  Wa
sen  aufffürt/  nennet  man  Fotmaceos  wie  Plinius  wil  /  darumb  das  solche  Gemewr
von  Erden  zwischen  zweyen  Brettern  eingeschlagen  werden  /  wie  in  ein  Form  /  so
braucht  man  noch  ein  liederlich  Mawrwerck  /  fürnemlichen  vmb  die  Gärten  vund

Velder  Maceria  genant  /  das  ist/so  man  die  Stein  on  Kalck  allein  auff  einander  legt
in  gestalt  einer  Mawren  /  so  schreibt  Plinius  wie  die  Hammanientes  jre  Heuser  vo
Saltzsteinen  pflegten  zu  Mawren  /  welche  sie  auß  dem  Gebirg  grabe.  Auff  der  Cam
pania  in  Franckreich  bawet  man  mit  Kreidenstein  in  die  fierung  gantz  eben  behawen
Plinius  schreibt  wie  die  Pygmei/  das  sollen  kleine  Zwerglein  sein)  ire  Heuser  mit  Lei
men  /  Vogel  federn  /  ond  Eyerschalen  erbawen  /  wie  du  von  disen  beim  Plinio  weiter -
  lesen  magst.

Von  fellung  des  Bawholtz.
Das  IX.  Cap.
As  Bawholtz  sol  von  der  ersten  zeit  des  Herbsts  an  gefellet -
  werden  /  so  lang  biß  der  Wind  Fauonius  anfahet
zu  wehen  /  dann  im  Früling  werden  alle  Baum  vol  safft  /
vnd  treiben  all  jr  natürliche  Krafft  in  die  Bletter  vn  jerliche

  Frucht  /  als  dann  ledig  und  feucht  von  notwegen  der  zeit  /  werden -
  sie  loß  vnd  geschwecht.  Wie  dann  auch  die  Weibliche  Cörper
wenn  solche  entpfahen  /  werden  sie  von  erster  empfengnuß  biß  zu
der  Geburt  nit  für  gesund  vnd  in  gebürlicher  stercke  geachtet.  Wie
auch  alles  was  man  verkaufft  /  dasselbig  so  es  Schwanger  gehet  /
nit  für  gesund  /  auß  geben  werden  sol  /  dieweil  der  empfangen  Samen -
  im  Leib  wachset  /  vnd  von  allen  eingenommenen  speysen  /  das
best  Gesafft  an  sich  zeucht  zu  seiner  narung  /  damit  die  empfangene

Frucht  zuneme  vnd  zu  der  geburt  stercker  vund  Krefftiger  werde.
Darumb  solche  Frucht  nit  leiden  mag  /  das  dasselbig  Schwanger
zu  seinen  eygen  Leiblichen  vnd  natürlichen  Krefften  kummen  durch
gemelten  abbruch  /  so  lang  biß  die  Frucht  auff  die  Welt  geboren
wird  /  und  dann  die  entledigten  andern  solche  narung  /  so  jnen  vorhin -
  von  der  Frucht  entzogen  worden  /  wider  an  sich  nemen  /  dauon

sie
            
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