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zwey solcher Flächen mehr zu geben, als sie nothwendig haben muss. Wurde es
demnach ja nöthig sie der Stärke nach aus zwey Stücken zusammen zu setzen; so
wird man sie sicher lieber so dicht als nur immer möglich zusammengetrieben haben,
um die Schwindung nur an den äusseren Flächen zu verstatten.
Andrerseits aber wäre es nicht immer möglich gewesen, die ganze Länge der
Architrave aus einem Balken aufzutreiben; und zwar je stärker sie seyn mussten, je
weniger war jenes möglich. Es war also nöthig sie zusammen zu stolsen, auf den
Ecken war es ohnehin unumgänglich. Und von diesem so viel wichtigeren Verband
sollte Vitruv geschwiegen haben, um so bedächtlich von jener unbedeutenden Nebensache -
zu reden? — Fand man aber auch Balken von der erforderlichen Stärke, die
diese ganze Länge leisteten; so wurde es sehr schwierig, ich will nicht sagen unmöglich, -
eine so lange Architrave aus einem Stücke richtig auszuhauen: und gelang
auch dies, so konnte es doch nur von kurzem Bestand seyn. Der Balken wirft und
sakt sich, und würde nie fest auf den Säulen aufliegen. — Kurz, diese hölzernen
Architrave sollen, so wie die steinernen, nur von Säule zu Säule reichen; und über
die Axen der Säulen, wo sie mit den Stirnen zusammentreffen, sollen sie einen Spielraum -
behalten, damit die Feuchtigkeit verwittern könne, welche aus den Poren der
Stirne ausdünstet. Denn treffen sich diese, so Hiessen die Ausdünstungen in Tropfen
zusammen, halten die Stirnen beständig feucht, und verursachen dals sie schnell
stocken. Dies ist der Sinn der Stelle. Damit nun die Architrave nicht rücken, sollen -
sie durch schwalbenschwanzförmige Döbbelhölzer zusammen gehalten, und diese
wieder mit übergespannten Klammern befestiget werden.
Durch solche Zertheilung der Architrave bleibt nun bey jeder Veränderung des
Holzes ihre Lage dennoch immer fest und sicher, und man ist immer gewiss, das
Holz von der erforderlichen Stärke aufzufinden. Die Fugen aber treffen gerade auf
die Axen der Säulen, und folglich mitten in dem Lager eines Deckenbalkens, und
je eine derselben auf jede scharfe Kante. Wäre nun die Platte des Kapitells auf der
Ecksäule abgerundet; so würde diese Fuge in der freystehenden Spitze die Schwierigkeit -
des richtigen Auflegens und die Widrigkeit des Augenscheins noch beträchtlich -
vermehren, wie ich oben bey dem Kapitell erwähnte.
Aus den Worten — modulis iis, qui a magnitudine operis postulabuntur — erhellet, -
dass die Höhe dieser Architrave, so gut wie die der Jonischen Ordnung, mit
der Grölse des Tempels steigen soll. Jedoch ist dabey zu bemerken, dass, da sie
von Holz ist, ihr Verhältnifs zur Säulenhöhe nicht in der steigenden Progression,
wie bey der Jonischen, sondern gerade umgekehrt ausfallt. Denn bey einer Säulen¬