Metadaten : Genelli, Hans Christian: Exegetische Briefe über des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst an August Rode

01.4

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altera  echino,  tertia  hypotrachelio  cum  „von  welchen  eines  der  Platté  gegeben
„werde,  die  wie  eine  Plinthe  gestaltet
apophygi.
„ist,  das  andere  dem  Wulst,  und  das
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„dritte  dem  Halse  mit  dem  Saume."
Aus  diesem  —  plintho  quae  est  pro  abaco  —  scheint  Ihnen  sowohl  als  dem
H.  R.  Hirt  zu  erhellen,  dass  auch  die  Platte  des  Kapitells  hier,  so  wie  die  Plinthe
der  Base  nach  dem  Zirkel  abgerundet  seyn  solle:  und  das  wäre  in  der  That  eine
besondere  Eigenheit,  die  nicht  mehr  von  rohem,  sondern  von  verderbtem  Geschmacke
zeugen  würde.  Denn  die  Rohheit  bleibt  gern  bey  dem  Eckigen,  wo  nichts  ihr  die
runde  Form  unumgänglich  gebietet;  die  Verderbtheit  hingegen  ist  im  Runden  verliebt, -
  weil  es  einen  Schein  von  Künstlichkeit  hat.  Sonach  würde  dies  Kapitell,  den
geringen  Unterschied  der  Maafse  ausgenommen,  der  Base  völlig  ähnlich;  die  Säule
sähe  aus  wie  eine  drehende  Spindel  ohne  Ruhe;  dieses  ohnehin  so  kleine  Kapitell
würde  nun  aus  Mangel  an  Ausladung  so  viel  thun,  als  wäre  es  gar  nicht  da;  und
der  Werkmeister  hätte  ohne  alle  Noth  und  Veranlassung  sich  die  richtige  Auflegung
der  Architrave  erschwert.  Bey  der  Plinthe  war  eine  vernünftige  Veranlassung,  da
die  Hörner  der  viereckigen  Plinthen  wirklich  immer  im  Wege  stehn;  aber  am  Kapitell: -
  wozu  da  diese  Abrundung?  Und  wenn  sie  selbst  an  der  Plinthe  eine  Abweichung -
  ist,  die  nur  in  dieser  Ordnung  üblich  war;  warum  drückte  denn  Vitruv  jene
befremdende  Ähnlichkeit  mit  so  allgemeinen  Worten  aus,  die  jeden  sogleich  auf  die
Idee  einer  gewöhnlichen  Rlinthe  bringen  mussten,  und  nicht  auf  die  der  seltneren
Toskanischen?  —  Wie,  wenn  nun  gar  in  der  Sache  selbst  ein  Grund  läge,  warum
diese  Platte  nicht  rund  seyn  konnte?  —  Dieser  nämlich,  dass  bey  derley  runden
Platten  von  keinem  grölseren  Durchmesser  als  ihnen  Vitruv  hier  vorschreibt,  über
den  Ecksäulen  die  scharfe  Kante  der  Architrave  im  Freyen  schweben  würde  ;  ein
Umstand,  der  in  jedem  Falle  so  häfslich  als  misslich  seyn  würde,  und  gerade  hier
wie  wir  bald  deutlicher  sehn  werden,  noch  weit  häfslicher  und  misslicher  als  in  irgend -
  einem  andern  Falle.  Kurz,  Vitruv  kann  mit  jener  Bezeichnung  durchaus  keine
runde  Platte  haben  angebeh  wollen.  „Was  denn?"  Dieses.  Beydes,  Plinthe  sowohl
als  Platte  sind  viereckige  Steine,  einer  zum  unterlegen,  der  andre  zum  auflegen.
Allein  die  Platte  hat  beym  Vitruv  durchgängig  einen  Kronleisten:  selbst  am  Dorischen -
  Kapitell,  wo  sie  sonst  der  Plinthe  ganz  ähnlich  sieht,  verordnet  er  ihr  einen
solchen  Kronleisten.  Diesen  aber  entbehrt  die  Plinthe  durchaus  :  und  er  wird  ihm
daher  zum  charakteristischen  Unterscheidungszeichen.  Wenn  er  demnach  sagt,  man
solle  hier  statt  der  Platte  eine  Plinthe  legen;  so  will  er  damit  anzeigen,  sie  solle
ganz  glatt  wie  eine  gewöhnliche  Plinthe,  und  also  ohne  Kronleisten  seyn;  und  das
ist  alles.  Hätte  er  die  Rundung  im  Sinne  gehabt,  sicher  würde  er  dann  gesagt  ha¬
            
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