01.4
52
altera echino, tertia hypotrachelio cum „von welchen eines der Platté gegeben
„werde, die wie eine Plinthe gestaltet
apophygi.
„ist, das andere dem Wulst, und das
1
„dritte dem Halse mit dem Saume."
Aus diesem — plintho quae est pro abaco — scheint Ihnen sowohl als dem
H. R. Hirt zu erhellen, dass auch die Platte des Kapitells hier, so wie die Plinthe
der Base nach dem Zirkel abgerundet seyn solle: und das wäre in der That eine
besondere Eigenheit, die nicht mehr von rohem, sondern von verderbtem Geschmacke
zeugen würde. Denn die Rohheit bleibt gern bey dem Eckigen, wo nichts ihr die
runde Form unumgänglich gebietet; die Verderbtheit hingegen ist im Runden verliebt, -
weil es einen Schein von Künstlichkeit hat. Sonach würde dies Kapitell, den
geringen Unterschied der Maafse ausgenommen, der Base völlig ähnlich; die Säule
sähe aus wie eine drehende Spindel ohne Ruhe; dieses ohnehin so kleine Kapitell
würde nun aus Mangel an Ausladung so viel thun, als wäre es gar nicht da; und
der Werkmeister hätte ohne alle Noth und Veranlassung sich die richtige Auflegung
der Architrave erschwert. Bey der Plinthe war eine vernünftige Veranlassung, da
die Hörner der viereckigen Plinthen wirklich immer im Wege stehn; aber am Kapitell: -
wozu da diese Abrundung? Und wenn sie selbst an der Plinthe eine Abweichung -
ist, die nur in dieser Ordnung üblich war; warum drückte denn Vitruv jene
befremdende Ähnlichkeit mit so allgemeinen Worten aus, die jeden sogleich auf die
Idee einer gewöhnlichen Rlinthe bringen mussten, und nicht auf die der seltneren
Toskanischen? — Wie, wenn nun gar in der Sache selbst ein Grund läge, warum
diese Platte nicht rund seyn konnte? — Dieser nämlich, dass bey derley runden
Platten von keinem grölseren Durchmesser als ihnen Vitruv hier vorschreibt, über
den Ecksäulen die scharfe Kante der Architrave im Freyen schweben würde ; ein
Umstand, der in jedem Falle so häfslich als misslich seyn würde, und gerade hier
wie wir bald deutlicher sehn werden, noch weit häfslicher und misslicher als in irgend -
einem andern Falle. Kurz, Vitruv kann mit jener Bezeichnung durchaus keine
runde Platte haben angebeh wollen. „Was denn?" Dieses. Beydes, Plinthe sowohl
als Platte sind viereckige Steine, einer zum unterlegen, der andre zum auflegen.
Allein die Platte hat beym Vitruv durchgängig einen Kronleisten: selbst am Dorischen -
Kapitell, wo sie sonst der Plinthe ganz ähnlich sieht, verordnet er ihr einen
solchen Kronleisten. Diesen aber entbehrt die Plinthe durchaus : und er wird ihm
daher zum charakteristischen Unterscheidungszeichen. Wenn er demnach sagt, man
solle hier statt der Platte eine Plinthe legen; so will er damit anzeigen, sie solle
ganz glatt wie eine gewöhnliche Plinthe, und also ohne Kronleisten seyn; und das
ist alles. Hätte er die Rundung im Sinne gehabt, sicher würde er dann gesagt ha¬