538
Theile kochsalzgesäurtes Ammoniak, sechs Theile Kalkerde,
und Einen Theil Schwefel mit einander vermischt, und die
Mischung, in verschlossenen Gefäßen, einer höheren Temperatur ¬
aussetzt. Das geschwefelte Ammoniak erscheint in
flüssiger Gestalt, indem das, durch die Kalkerde entwickelte,
Ammoniak sich mit dem Schwefel verbindet. Seine Entstehung ¬
verdankt es vermuthlich dem Wasserstoffe des Ammoniaks. ¬
Dieses geschwefelte Ammoniak hat eine dunkelgelbe
Farbe, und raucht an der Luft, welches dem nicht gesättigten ¬
Antheil von Ammoniak zuzuschreiben ist. Läßt man
das geschwefelte Ammoniak, in der Kälte, noch so viel Salpeter ¬
auflösen, als nöthig ist, um den nicht gesättigten Antheil ¬
von Ammoniak zu sättigen: so hört es auf zu rauchen.
Es bildet zuweilen kleine, nadelförmige Kristallen, und wird
durch die Laugensalze, die Kalkerde, den Wärmestoff und
die Säuren zerlegt. Die Mischung mit den Säuren muß
behutsam geschehen, weil Gefahr dabei ist. Es ist eigentlich ¬
nicht sowohl ein geschwefeltes Ammoniak, als ein wasserstofftes ¬
Schwefel=Ammoniak (sulfure hydrauné
d’ammoniaque).
Die geschwefelte Kalkerde (sulfure de chaux) erhält ¬
man, wenn man Einen Theil Schwefel mit zwei Theilen ¬
Kalkerde vermischt, und auf diese Mischung entweder
Wasser gießt, oder dieselbe, in einem Tiegel, einer höhern
Temperatur aussetzt.
Ist die geschwefelte Kalkerde trocken, so leuchtet
sie im Finstern, nachdem sie vorher eine Zeitlang am Lichte
gelegen hat: daher der Name Cantons Phosphor.
An der Atmosphäre zieht sie das Wasser an, zerlegt
dasselbe, und verwandelt sich in schwefelgesäurte Kalkerde.
Eben das geschieht, wenn sie, in Berührung mit Sauerstoffgas, ¬
oder mit der Atmosphäre, einer höheren Temperatur
ausgesetzt wird.
Die Lösung der geschwefelten Kalkerde in Wasser setzt
röthliche, nadelförmige Kristallen ab, die aber an der Luft zerlegt ¬
werden. Durch die Säuren wird sie ebenfalls zerlegt.