Volltext : Girtanner, Christoph: Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie

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Theile  kochsalzgesäurtes  Ammoniak,  sechs  Theile  Kalkerde,
und  Einen  Theil  Schwefel  mit  einander  vermischt,  und  die
Mischung,  in  verschlossenen  Gefäßen,  einer  höheren  Temperatur ¬
  aussetzt.  Das  geschwefelte  Ammoniak  erscheint  in
flüssiger  Gestalt,  indem  das,  durch  die  Kalkerde  entwickelte,
Ammoniak  sich  mit  dem  Schwefel  verbindet.  Seine  Entstehung ¬
  verdankt  es  vermuthlich  dem  Wasserstoffe  des  Ammoniaks. ¬

Dieses  geschwefelte  Ammoniak  hat  eine  dunkelgelbe
Farbe,  und  raucht  an  der  Luft,  welches  dem  nicht  gesättigten ¬
  Antheil  von  Ammoniak  zuzuschreiben  ist.  Läßt  man
das  geschwefelte  Ammoniak,  in  der  Kälte,  noch  so  viel  Salpeter ¬
  auflösen,  als  nöthig  ist,  um  den  nicht  gesättigten  Antheil ¬
  von  Ammoniak  zu  sättigen:  so  hört  es  auf  zu  rauchen.
Es  bildet  zuweilen  kleine,  nadelförmige  Kristallen,  und  wird
durch  die  Laugensalze,  die  Kalkerde,  den  Wärmestoff  und
die  Säuren  zerlegt.  Die  Mischung  mit  den  Säuren  muß
behutsam  geschehen,  weil  Gefahr  dabei  ist.  Es  ist  eigentlich ¬
  nicht  sowohl  ein  geschwefeltes  Ammoniak,  als  ein  wasserstofftes ¬
  Schwefel=Ammoniak  (sulfure  hydrauné
d’ammoniaque).
Die  geschwefelte  Kalkerde  (sulfure  de  chaux)  erhält ¬
  man,  wenn  man  Einen  Theil  Schwefel  mit  zwei  Theilen ¬
  Kalkerde  vermischt,  und  auf  diese  Mischung  entweder
Wasser  gießt,  oder  dieselbe,  in  einem  Tiegel,  einer  höhern
Temperatur  aussetzt.
Ist  die  geschwefelte  Kalkerde  trocken,  so  leuchtet
sie  im  Finstern,  nachdem  sie  vorher  eine  Zeitlang  am  Lichte
gelegen  hat:  daher  der  Name  Cantons  Phosphor.
An  der  Atmosphäre  zieht  sie  das  Wasser  an,  zerlegt
dasselbe,  und  verwandelt  sich  in  schwefelgesäurte  Kalkerde.
Eben  das  geschieht,  wenn  sie,  in  Berührung  mit  Sauerstoffgas, ¬
  oder  mit  der  Atmosphäre,  einer  höheren  Temperatur
ausgesetzt  wird.
Die  Lösung  der  geschwefelten  Kalkerde  in  Wasser  setzt
röthliche,  nadelförmige  Kristallen  ab,  die  aber  an  der  Luft  zerlegt ¬
  werden.  Durch  die  Säuren  wird  sie  ebenfalls  zerlegt.
            
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