Volltext : Girtanner, Christoph: Anfangsgründe der antiphlogistischen Chemie

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Fünfzehentes  Kapitel.
Widerlegung  der  Einwürfe,  welche  gegen  die  Zusammensetzung ¬
  des  Wassers  vorgebracht  worden ¬
  sind.
Ungeachtet,  wie  man  aus  den  vorigen  Kapiteln  gesehen
hat,  wenige  Wahrheiten  in  der  Naturlehre  so  augenscheinlich ¬
  bewiesen  sind,  als  die  Lehre  von  der  Zusammensetzung
des  Wassers:  so  gibt  es  dennoch  einige  wenige  Naturforscher, ¬
  welche  diese  Wahrheit  leugnen,  und  ungegründete
Einwürfe  gegen  dieselbe  machen.  Man  darf  sich  hierüber
nicht  wundern;  denn  der  menschliche  Geist  sträubt  sich  gegen
alles  Neue,  vorzüglich  dann,  wann  ihm  die  bisher  angenommene ¬
  Vorstellungsart  schon  geläufig  geworden  ist.  Wer
daher  in  seiner  Wissenschaft  eine  Revolution,  durch  neue
Enkdeckungen,  macht,  der  muß  auf  den  Beifall  seiner  Zeitgenossen =
  Verzicht  thun,  und  bloß  von  jungen  Männern,
und  von  der  heranwachsenden  Generation,  Dank  für  seine
Bemühungen  erwarten.  Folgendes  sind  die  Einwürfe,  mit
welchen  die  Lehre  von  der  Wasser=Erzeugung  jetzo  noch  bestritten ¬
  wird,
1
Erstens.  Das  Wasser  entsteht  nicht  durch  die
Vereinigung  des  Sauerstoffes  mit  dem
Wasserstoffe:  sondern  dasselbe  war  vorher
in  den  beiden  Gasarten  schon  enthalten,
und  wird  durch  das  Verbrennen  bloß  abgesondert. ¬

Antwort.  Verbrennt  man  eine  Mischung  von  Wasserstoffgas ¬
  und  Sauerstoffgas:  so  beträgt  das  erhaltene
Wasser  genau  so  viel  am  Gewichte,  als  das  Gewicht  der
beiden  Gasarten,  vor  dem  Verbrennen,  betrug.  Wenn  also
das  erhaltene  Wasser  in  den  Gasarten  schon  enthalten  war,
so  müssen  Gas  und  Wasser  einerlei  sein.  Ferner  müssen
Sauerstoffgas  und  Wasserstoffgas  einerlei  sein,  und  beide
müssen  Wasser  sein.  Dieß  streitet  aber  gegen  alle  Erfah¬
            
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