Full text: Cardano, Girolamo: Offenbarung der Natur und natürlicher dingen auch mancherley subtiler würckungen

Von mancherlei wunderbaren härfür/ ſo mir gantz angenem/ den andern zůhert iſt/ diſer wirt in der käl-
te vnd Sonnen gedörret/ vnd iſt auß der aſellen oder eſelfiſchen arth. dañ
man pflegtinn Britãnien vnd Franckreich die auch zůdörren.

Hie möcht aber yemand billich fragẽ/ warumb in Pomonia kein baum
ſeye? es iſt aber kein wunder/ weil auch in Schotten an vyl orthẽ die kümer
lichen fürkommen/ ob man ſie wol mit allem fleyß pflantzet/ wie bey vns
die pomerantzen öpffel bäum/ vnnd andere frembde frücht. die vrſach iſt/
es ſoll die narūg nit feißter ſein dañ das ſo geneeret wirt. in diſen orthẽ aber
iſt die erden von bitumẽ vnd ſch weblechter kreidẽ oder bech/ darũ braucht
man die/ wie vorgeſagt/ zů erhaltung des feüwrs. deßhalbẽ mag der baum
nit fürkom̃en/ auß einer ſo feiſtẽ feüchtigkeit. dañ ſo diſes mehr gekochet/
wirt es geſaltzen/ verbreñet/ vnd iſt bitter. ſolliches dick ding iſt nit kom̃lich
die beüm zů erhaltẽ. darum̃ wachſen die beüm auff den bergen. dañ die ſtein
ſeind nit auß den bäch. Es hatt aber Britanien treffenlich vyl vnd groſſe
wäld/ dann das bäch iſt dürr worden/ vnd zů gyps gemachet.

12.1.

In Schotten
wenig bäum.

Vnder denen orthen aber/ ſo die aller ſchöneſt vnd verrüempteſt ſind (da
mit wir den platz vnd deſſen vm̃ſtend verſtandẽ) iſt Tẽpe ein orth in Theſ-
ſalia/ fünfftauſet ſchritt lang/ vñ faſt ſechs tauſet breit/ ein faſt ſchön feld/
voll graß/ mit beümen wol beſetzt/ ein lieblich vogelgeſang/ vnd erheben
ſich feine bühel an der rechten vnd lincken ſeyten. in mitten durch das feld
lauffet der bach Peneus/ wölches geſtad die beüm bedeckend/ wie Plinius
ſpricht. Vor zeyten war der nechſt nach diſem der berg Aetna inn Sicili-
en/ wölcher mit blůmen alſo grůnet/ dz man gar nit darauff jagen konte. dieweil der ſüß geruch der blůmen die hünd verhinderet. dannenhar kom-
met die fabel har/ die Proſerpina ſeye von dem Plutone verzuckt worden/
wie ſie blůmen geſamlet hatt. Dann ſie zeigtend on zweifel mit dem an/ ein
ſchöne gelegenheit des orths/ vnnd ein erdbidem/ ſo durch ein brunſt im
berg iſt angangen/ inn wölchem die tochter verſuncken iſt. darumb ſpricht
Auſonius/

12.1.

Die ſchöneſt
gelegenheit.

Gleich wie vor zeiten Pluto allein/

Vom dantze nam die junckfraw rein/

Am ſchönen berg dem Aethna gůt/

Vnnd fůrts hinab in helles glůt.

Darumb wöllend wir ſagen/ warumb doch ſolliche ſchöne gelegenheit ſo
gar ſelten gefunden werden. Dann zů dem erſten iſt ein wärme in dem land
von nöten/ damit alles für vnnd für grůne/ es mögend auch die ſchatten
nit gefallen/ dann nur wann die Sonn warm iſt. darzů můß lauter waſſer
da ſein/ wölches die augen erquicket/ vnd den lufft ſenfftiglichen erhaltet/
auch die kreüter vnnd bäum erneeret/ die grüne farb beluſtiget/ dann ſie
ſtercket das geſicht an einem heiteren orth/ fürnemlich die gewächs. dann
ſie ſcheinet vnnd iſt nateürlich. die blůmen kommend nitt alle zeit härfür/
der lufft ſeye dann warm/ vnnd die erden feücht. Sie werden auch nit läb-
lich erhalten/ es wäie dann der lufft/ darumb ſeind ſie notwendig. die blů-
men ſchmeckend wol/ vnnd ſeind lieblich anzůſehen/ dañ die ordenliche en-
derung beluſtiget/ wie angezeigt iſt. harzů dienet wañ vyl kreüter einerley
arth habend. deßhalben beluſtigend die bäum gar faſt wann ſie blüend/
weil ſie ordenlich ſtahnd/ vnnd einanderen gleich ſeind. was auch an diſer
ordnung manglet/ bildet jm das aug für/ die übrigen ſinn zůbeluſtigen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer