Full text: Cardano, Girolamo: Offenbarung der Natur und natürlicher dingen auch mancherley subtiler würckungen

Von mancherlei wunderbaren bend. Es ſoll auch niemand wunder nem̃en wañ auß den herten vnd dickẽ
ſchiepen ſchalen werden/ dañ ſie ſeind ein anderen geleich. Man findet auch
etwan ſchlangen in den ſteinen/ als diſe geweſen/ ſo man in der Lateiniſchẽ
ſteingrůbẽ gefundẽzů Bapſt Martini des fünfften zeyttẽ/ ſie hat in dẽ her
ten vnnd groſſen ſtein gelebt/ ob wol kein anzeigung vorhanden/ wie ſie dẽ
athem gehapt. Solliche ſind gar ſchedlich/ weil ſie {der} anderẽ thierẽ natur zů
wi{der}/ vñ gantz vngeleich ſind. wie ſie aber den athem entpfahen/ habẽd wir
an einẽ an{der}ẽ orth geſagt. Diſes thier war glückſelig/ wölches ſeinẽ vrſprũg/
leben/ vñ tod an einẽ orth wurde entpfangẽ han/ wañ der ſtein allein etwas
tieffer gelegen were. Sie entſthond auß des ſteins ſubſtantz/ ſo anfachet zů
faulẽ/ wie auch die würm. ſie ſeind aber von wegen der herten materiẽ etwz
läblicher. darum̃ verſchleyſſend ſie auch den ſtein in jrer anrürũg/ auß wöl
cher verſchleiſſung ſie erhalten/ vñ groß werden. man ſagt auch daß in dem
ſelbigen ſtein/ fröſchen/ krotten vñ krebs crebs (wölches mehr zů verwund eren)
gefundẽ wordẽ/ wölche doch tod geweſen. Die ſchlangẽ haſſen das feür/ nitt
allein/ daß diſes jr geſicht etwas ſchwechet/ ſonder dz des feürs natur dem
gifft treffenlich widerſthet. Deßhalben weil auß den ſchlangen kein würm
werden/ die weil das gifft der wachſung wi{der}ſthet/ iſt doch gewüß dz würm
von inen kom̃en/ wañ ſie durch den blitz geſtorbẽ ſind/ dañ der blitz hatt des
giffts krafft hingenom̃en. Mã ſagt daß die ſchlangẽ auch ab der Leopardẽ
geruch fliehen/ darum̃ iſt gůt wañ man deren haut in der kam̃er hatt. doch
wöllen wir von diſem harnoch weitter reden.

37.1.

Grauſam ey
dochſen.

An den ſchlangen iſt zů verwunderen/ daß ſie ein zerſpaltene zungen ha-
ben/ als wañ ſie auß zäſerleinen gemachet wäre. Es brauchend auch gleich
diſe die ſchüpen für negel/ vñ die rip für ſchinbein/ alſo wol vñd kommlich
dz ſich ettlich auß iñen eines ellenbogen hoch auffrichten/ vñ der gſtalt vn-
der geſtutzt einhar tretten. Albertus zeigt an wie ein naterẽ auff einen baũ
geſtigen/ habe einer atzlen jre iunge gefreſſen/ da ſey die atzel darzů kom̃en/
vñ habe mit der nateren geſtrittẽ. als ſie aber bey dem fůß erwiſchet ward/
habe ſie geſchrauwen. zů ſollichem geſchrey ſeye jr geſpil harzů geflogẽ/ wöl
che die nateren on vnderlaß/ in das haupt biſſen/ getödet/ vnnd über den
baum hinab geworffen habe. Einer yeden ſchlangen biß iſt tödlich/ wañ ſie
ein laubfröſch krott oder ein ſcorpion verſchluckt hatt.

37.1.

Schlangẽ art

Es zeigt Ariſtoteles an/ es ſeye ein kleine ſchlãg/ ſo allein eines ellenbogẽ
lang ſeye/ gantz rauch/ wölche die überigen alle fliehend/ die man heilig nẽ
ne. Doch ſoll niemand wunder nemmen/ daß eines yedẽ thiers biß ab dem
eſſen vnd keüwen ſchedlicher werde/ vnd alſo nitt allein der ſchlangen. Dar
zů habend nitt allein die ſchlangen zerſpaltene zungen/ ſonder auch die ey-
dochſen/ vnd meerkelber. Die vrſach iſt/ weil diſe klein vnd ſubteil von we-
gen der nideren kinbacken/ hatt ſie auch müſſen ſpitz ſein/ damitt ſie ſich lei-
chter harfür thůn möchte/ vñ geſpaltẽ/ dañ alſo mag ſie ſich baß zů den zenẽ
richten. dañ die natur hatt kein ſubteil ding faſt breitt gemachet/ das ſich
hatt ſollen bewegen. Der ſchlangen kopff hatt allein ein bein/ an der figur
wie ein geſtimmleter dannzapff. es ſeind kein augen löcher
darinnen/ wölches darumb beſchehen/ damitt
ſie ſich nit bald verletze/ weil ſie auff
der erden kreüchet.

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