Full text: Cardano, Girolamo: Offenbarung der Natur und natürlicher dingen auch mancherley subtiler würckungen

20. Von dem liecht vnnd ſchein/
Das xij. Capitel.

@Vn hatt man zům offtern mal acht genommen/ daß die ding et-
wan gröſſer/ etwan kleiner ſcheinen dann ſie ſeind. dann ſo man
die kertzen zůnacht anzündt/ auch die ſternen zů dũckelen zeiten/
vnd die fiſch im waſſer/ ſcheinen ſie größer dann ſie aber ſoltend. vnd die Sonn vnd der Mon vil kleiner/ dann ſie ſeind. man ſoll
auch ſolliches nit dem falſchen geſicht zů legen.

Deßhalben ſcheinend ſie zům erſten größer/ wann ſie inn einem dickeren
mittel ſeind/ als die fiſch im waſſer/ vnd die ſternen in der wolcken. als auch
hargegen kleiner/ von wegen des orths dünnen ſubſtantz/ als das geſtirn/
wölches nit allein klein ſcheinet/ dz ſie weit von vns/ ſon{der} dz ſie am himmel
ſthond/ welches lüfftige mit vergleichnũg anderer gantz dünn iſt. Das an-
der iſt/ die nähe deß dickeren mittels gegen dem aug/ oder dẽ ding daß man
ſicht. dann alſo iſt es auch mitt einem augenſpiegel/ welcher die gröſſe aller
dingen ein klein enderent/ ſo man auff das ding ſo man ſicht/ oder auff die
augen ſetzet. wann man aber den etwz weitters daruon baltet/ mehrend ſie
die gröſſe nit ein wenig. Dz dritt iſt die erkantnuß der weite. von diſem aber
vnd von der erſten vrſach/ haben wir an einem anderen orth geredt/ do wir
von größe des geſtirns gehãdlet. Zům vierdten ſcheinẽ ſie größer/ võ wegẽ
der finſtere ſo do leüchtet/ wie ſie auch von einem fremb den ſchein ein kleine
geſtalt haben. Deßhalbẽ ſicht man an der Soñen kleinere facklen/ zůnacht
aber größere/ eintwe{der}s dz ſich die auß ſpreiten/ oder aber ein wi{der}ſchein ge-
ben. es ſprcitẽ ſich aber nit allein die liechter auß/ ſon{der} auch die ſchattẽ. dañ
ſo man zwiſchen einẽ liecht vnd einer wand ein ziegel ſetzet/ vnd widerumb
zwiſchen dem ziegel vñ der wand ein criſtall/ ſo wirt der ſchatt vyl größer/
dañ ſo man kein criſtall darzwiſchen geſetzt hette. Es erſcheinend aber vyl
ſtreimen (wie Fracaſtorius lernet) als wañ der Mon halb iſt/ domit er alſo
größer geachtet werde. Zů einem exempel ſeye A die
Soñ/ nach des Mons geſtalt/ wölcher begriffen wirt
zwiſchen C D F vnd CEG. Man ſetze den Mon in dz
C/ ſo der zůſam̃enfügung näher iſt in dem E/ in dem
fiertheil mit der Soñen im G/ weiter dann ein fier-
theil. deßhalben werden der Sonnen ſtreimẽ/ weil ſie
im C iſt/ einen widerſchein geben/ nach dem gantzen
theil des triangels A B C/ ſo in dem circkel begriffen
iſt. Zů dem E nach dem gantzen theil des triangels A
D E/ ſo in dem ſelbigen circkel begriffen. vnd zů dem G/ nach dem gantzen
triangel A F G/ ſo in dem circklen begriffen. Es iſt aber offenbar dz {der} theil
am triangel A D E/ oder nechſt darbey der gröſt iſt. dann ob dem C ſeind ſie
kleiner/ vnd auch darun{der} in dem punctẽ H/ bey der zůſam̃enfügũg K/ vñ
dem gegenſatz L wirt er am kleineſten ſcheinẽ. wölches er ſagt auch inn den
vorgenden vermerckt zůhaben/ wie ſie kleiner geachtet werdẽ in der zůſam-
menfügung/ dañ in der oppoſitz vnd gegenſatz. Die ſiebende vrſach {der} größe
vnd der kleine/ iſt die bekante nähe vnd weite. dann wir vermeinend es ſeye
ein thurn vñ die Soñ klein von wegẽ der weite. vñ was man vnder einẽ klei
nen eck ſicht/ als wañ man einen ſtecken anſicht/ vñ das aug in dz A ſtellet/

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer