Volltext : Reimarus, Hermann Samuel: Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Thiere, hauptsächlich über ihre Kunsttriebe

20  |  2  Cap.  Von  den  Vorstellungsrischen =
  Natur  bemerken.  Denn  da  wir  einen
Körper  haben,  dessen  Erhaltung  von  den  äussern =
  Dingen  abhängt:  so  ist  uns  daran  gelegen,
daß  wir  alle  äusserliche  Dinge,  die  uns  rühren
können,  nach  allen  Sinnen,  auf  einmal,  und
ausser  uns  vorstellen;  damit  nichts  in  unserer
Vorstellung  ausbleibe,  als  was  keinen  Eindruck
macht,  und  also  auch  nicht  schaden  kann.
Wenn  wir  auch,  nach  eben  dem  Triebe,  unwillkührlich, =
  dasjenige,  was  den  stärksten  Eindruck =
  giebt,  ausnehmend  vorzustellen  und  zu
beachten  genöhtiget  sind:  so  haben  wir  den  Vortheil =
  davon,  daß  wir  dadurch  ein  klärer  Erkenntniß =
  von  den  Dingen  bekommen,  die  unsere =
  Natur  am  empfindlichsten  vergnügen  oder
kränken  können.  Denn,  so  ferne  die  sinnlichen =
  Eindrücke  nur  schwach  sind,  und  dunkele
Vorstellungen  von  den  Dingen  geben,  so  geht
uns  auch  deren  Erkenntniß  desto  weniger  an,
je  weniger  Gutes  oder  Böses  wir  von  einer
leisen  Berührung  unsers  Körpers  zu  gewarten
haben.  Unterdessen  ist  es  eine  besondere  Wohlthat =
  für  die  Thiere,  daß  auch  ihr  Willkühr
einen  Einfluß  in  ihre  Beachtung  hat,  und  daß
sie  die  schwächeren  Eindrücke  gleichfalls  ausnehmend =
  vorstellen  können,  wenn  sie  einen  Anschein =
  der  Lust  oder  Unlust  geben.  Denn  daran =
  hängt  ihr  sinnlichs  Wohl  und  Wehe;  und
sie  können  alsdenn  ihre  willkührliche  Bewegung
der  Gliedmaßen  desto  eher  anwenden,  das  dunkel =
  wahrgenommene  genauer  zu  betrachten,  und
dasje=
            
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