Volltext : Reimarus, Hermann Samuel: Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Thiere, hauptsächlich über ihre Kunsttriebe

von  den  Kunst=Trieben.
Leyer  den  Ton=Künstler,  noch  die  Zange  den
Schmid  belehret,  sondern  beide,  vermöge
ihrer  Vernunft,  Künstler  sind  /  ob  sie  dieselben
gleich  ohne  Werkzeuge  nicht  ausüben  können: =
  so  hat  auch  eine  jede  Seele,  vermöge
ihres  eigenen  Wesens,  gewisse  Fähigkeiten,
wiewohl  sie  dasjenige,  wozu  sie  bestimmt  ist,
ohne  Werkzeuge  nicht  zur  Wirklichkeit  bringen =
  kann.  Daß  aber  die  körperlichen  Theile =
  nicht  dasjenige  sind,  was  der  Seele  einen
Trieb  giebt  zur  Furcht,  Tapferkeit  oder
Weisheit,  das  kann  man  offenbar  sehen
wenn  man  die  jungen  Thiere  betrachtet  ,  als
welche  ihre  Handlungen  schon  eher  zu  verrichten =
  bemüht  sind  ,  ehe  ihre  körperlichen  Gliedmaßen =
  die  gehörige  Vollkommenheit  haben.
Sehr  oft  habe  ich  ein  Stierkalb  gesehen,
das  mit  seinen  Hörnern  stoßen  wollte,  ehe
sie  ihm  noch  gewachsen  waren,  50  und  ein
Füllen
LUCRETIUS  lib.  V.  v.  1032.  nebst  andern,  bemerkt =
  eben  dasselbe:
Sentit  enim  vim  quisque  suam,  quam  posit  abuti.
Cornua  nata  prius  vitulo  quàm  frontibus  exstent,
Illis  iratus  petit  atque  infensus  inurget.
At  catuli  pantherarum  scymnique  leonum
Unguibus,  ac  pedibus  jam  tum,  morsuque  repugnant,
Vix  etiam  cum  sunt  dentes  unguesque  creati.
Alituum  porro  genus  alis  omne  videmus
Fidere,  &  a  pennis  tremulun  petere  auxilium.
HORATIUS  Satir.  lib.  II.  Sat.  1.  V.  50.  fl.
Ut,  quo  quisque  valet,  suspectos  terreat,  utque
Imperei
            
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