Full text: Bion, Nicolas: Nicolaus Bions ... Neueröfnete mathematische Werkschule oder gründliche Anweisung wie die mathematische Instrumenten nicht allein schiklich und recht zu gebrauchen, sondern auch auf die beste und accurateste Art zu verfertigen, zu probiren und allzeit in gutem Stande zu erhalten sind

In Engeland waren auch die vortreflichſten Männer ſchon bey langen
Zeiten her dahin befliſſen, daß ſie allerhand Automata von dergleichen Art an
den Tag gegeben, unter ſolchen verdienet desjenigen als eines Planeten In-
ſtrumentes vor andern zu gedenken, welches vor einigen Jahren ein gar ge-
ſchickter Künſtler in Londen, Iohann Rowly, verfertiget, er iſt aber bey ſol-
chem abſonderlich auf die Vorſtellung der untern Planeten ſamt der Erde
und ihrem Begleiter, dem Monde, bedacht geweſen, damit man alle Phä-
nomena nach ihrer Bewegung, wie ſie der Kopernikaniſchen Hypotheſe ge-
mäß iſt, ad oculum zeigen könnte. Um dieſes richtig zu bewerkſtelligen, ſtell-
te er in die Mitte, wo die Sonne ihre Stelle hat, eine kleine brennende Lam-
pe, und lieſſe obbeſagte Planeten mit Beyhülfe verſchiedener Räder in ihren
Orbitis herum gehen, ſo kunnte man innerhalb einer Stunde, alle Erſchei-
nungen, die vorkummen mögen, vornemlich aber die unterſchiedene Phaſen
dieſer Planeten mit vielen Vergnügen betrachten, und aus jenen auf der um
ihren Mittelpunct zugleich ſich herumdrehenden Erdkugel die Abwechslun-
gen der Jahrszeiten, auch der Täge und Nächte, und anderes mehr gar leiche
erlernen. Dieſe ſchöne Erfindung hat bey der Königl. Societät in Londen
groſſen Beyfall gefunden, weil dieſes Werk alles ſo ſchön und richtig zeiget,
daß es nicht beſſer ſeyn könnte.

Zum Beſchluß dieſes Capitels iſt keinesweges mit Stillſchweigen zu
übergehen noch ein ſonderbar künſtliches aſtronomiſches Avtomatum, an wel-
chen ein Clericus in Wien, Nahmens Leonhard Reiſch nebſt ſeinem Bru-
der, 20. Jahr lang gearbeitet, biß er ſelbiges zur Vollkommenheit gebracht,
da er nemlich daran mit Zuziehung ſehr vieler Räder, indeme man eine Axe
mit einer Korbel herumdrehete, hunderterley aſtronomiſche Vorſtellungen,
die man ſonſten mehrentheils gar mühſam berechnen muſte, auf eben ſo vielen
auf unterſchiedliche Art getheilten Scheiben, vermöge ihrer Zeiger ſehr rich-
tig vor jede Zeit von auſſen her anwieſe: Man kunnte aber in dieſem vor-
treflichen Kunſtwerk zugleich auf die verlangte Zeit auf obbeſagten Scheiben
gar curieus anzeigen, z. E. allerhand Stunden, die Tags und Nachtlängen,
den Monatstag, den Tag in der Woche, die goldene Zahl, die Epacten,
die Sonntagsbuchſtaben, die bewegliche und unbewegliche Feſte, die Bewe-
gung und die Lage der Fixſterne, das Apogäum und die Anomaliam coä-
quatam der Sonne und des Monds, die loca geocentrica der Sonne und
der Planeten, die Loca heliocentrica, Loca Apheliorum, Nodorum, Diſtan-
tias a. Nodis, und die Latitudines der Planeten, abſonderlich auch noch
bey dem Monde die Variationem Tychonicam, die Neu- und Vollmonde
ſamt ſeinen Quadraturen, die duplicatas Solis diſtantias ſo wol von dem
Apogäo als Perigäo des Monds, die Lunationes vom Anfange der Welt,
und noch viel anderes, alſo daß man bey Umdrehung obbemeldeter Axe auf
jedes Jahr mit leichter Mühe, ſo man das Verlangte von den gehö@igen

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