V. Physiologie.
31.
Jährlich wird im Stengel ein neuer Kreis
von Gefässen um den alten gebildet, dieser
drängt den innern näher zusammen. Die Gefässe ¬
des innern Zirkels können nicht mehr so
lebhaft, wie im Anfange die Säfte führen, weil
die jungen dünnen Gefässe ihnen aus dem Zellengewebe ¬
einen Theil der Nahrung entziehn,
und die von aufsen zugeführte Flüssigkeit von
ihnen zuerst aufgenommen werden. Durch die
mehrere Ruhe und das langsamere Steigen des
Safts scheiden sich viel erdige Theile ab, und
machen den innern Gefässzirkel holzig. Die
Markgefässe erhalten durch die in ihnen enthaltene ¬
Flüssigkeit noch, so lange der Baum jung ist,
den innern Kreis weich; mit der Zeit aber legen ¬
sich mehrere Kreise von Gefässen an, und
drängen den innern Zirkel immer näher zusammen, ¬
bis endlich die Markröhre ganz verschwindet, ¬
und der Mittelpunkt mit dichten Holzfafern ¬
befetzt ist. Je holziger der Stamm wird je
weniger sind die holzigen Gefässe im Stande.
wie vorher, Saft nach oben zu treiben. Das
wenige kaum bemerkbare Zellengewebe, und
die noch immer offene Kanäle der holzigen Gefa
ise nehmen noch Feuchtigkeit auf, aber treiben
nur sehr langsam nach oben, und werden allein
durch den Saft weich erhalten. Das eigentliche
Leben hört also im Mittelpunkte des Stammes