Volltext : [Produktion vegetabilischer Substanzen] (4)

Der  Hafer.
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Haferart  in  die  andre  über,  und  sind  sie  folglich  nur  Varietäten?  —  Dieser
Rauhhafer  hat  mehrere  und  starke  Grannen,  die  er  nicht  verliert,  eine  dicke  Hülse
und  wenig  Mehl.  Er  wiegt  nicht  viel  über  die  Hälfte  des  gewöhnlichen  Hafers,
und  hat  nur  seinen  halben  Werth.  Dennoch  findet  man  ihn  auf  solchem  schlechten =
  Boden  vortheilhaft.  Wird  er  auf  bessern  Boden  gesäet,  so  bekommt  er  einen
starken  Halm  und  breites  Blatt,  und  man  bauet  ihn  daher  als  Futerkraut,  grün
zu  mähen,  an.
9)  Der  nackte  Hafer,  tartarische  Grützhafer,  Avena  nuda,  wird
bei  uns  nicht  in  Gebrauch  kommen.  In  Schottland  wird  er  viel  zum  Brodkorn ¬
  gebauet,
Die  Engländer  unterscheiden  noch  ungleich  mehrere  Haferarten,  welches  aber
nur  durch  die  Kultur  bewirkte  Spielarten  sind.
§.  98.
Der  Hafer  ist  bei  uns  lange  als  die  niedrigste  Getreideart  verächtlich  behandelt ¬
  worden,  und  man  hat  ihm  das  schlechteste  Land  und  das  magerste  Feld  angewiesen. ¬
  Sein  Preis  stand  in  älteren  Zeiten  unter  der  Hälfte  des  Rockenpreises. ¬
  Bei  Vermehrung  der  Pferde,  zu  deren  Futter  er  sich  am  besten  schickt,  ist
sein  Preis  nun  über  seinen  natürlichen  Werth  gegen  anderes  Getreide  gestiegen,
und  daher  sein  Anbau  vortheilhafter  geworden.  Indessen  bringt  man  ihn  gewöhnlich ¬
  nur  dahin,  wo  man  keine  Gerste  zu  bauen  wagt;  obwohl  er  einen  bessern ¬
  Platz,  wohl  so  gut  wie  diese,  bezahlen  würde.
Der  Hafer  wächst  zwar  auf  jedem  Boden,  der  nur  nicht  gar  zu  dürre  ist,
und  er  scheint  so  starke  Organen  zu  haben,  daß  er  Nahrungstheile  auflöset  und
an  sich  ziehet,  die  anderem  Getreide  nicht  mehr  fruchten.  Auch  der  saure,  der
unauflösliche  Humus  wird  wahrscheinlich  von  ihm  zersetzt.  Er  wächst  auf  kaltem,
lehmigen,  und  auf  nur  nicht  gar  zu  dürren  Sandboden,  wo  nichts  anderes  mehr
fort  will.  Er  leidet  von  ungünstiger  Witterung,  erhohlt  sich  aber,  besser  wie  die
Gerste,  wenn  eine  günstigere  eintritt.  Auf  Neubruch,  auf  Mooren  kann  man
ihn  eine  Reihe  von  Jahren  bauen,  und  er  wird  zuweilen  bis  ins  dritte  und
vierte  Jahr  immer  besser,  wogegen  eine  andre  Frucht  sie  schnell  erschöpft,  wenn
kein  Dünger  hinzukommt;  vermuthlich  weil  er  alles,  was  Pflanzen  Nahrung  geM ¬
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Boden.
            
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