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Achtes Buch.
Bei dem Menschen gestaltet sich die Mutterliebe vielfach: bald wendet ¬
sie sich vorzugsweise dem Erstgeborenen zu, der, am schwierigsten
geboren, das erste Mutterglück brachte, bald dem Letztgeborenen, an
dessen Aufblühen sie nach erloschener Zeugungskraft ungestört sich
weiden kann; bald wird das kräftigste Kind der Liebling, dessen
Entwickelung die freudigsten Hoffnungen erregt; bald das schwächste,
welches das Mitleid in Anspruch nimmt und der sorgsamsten Pflege
bedarf; bald richtet sich die Liebe der Mutter vorzugsweise auf den
Sohn, dessen Geburt (§. 494, h) schwieriger und für ihr Leben
gefährlicher war, und dessen männliche Kraft einst ihr Stolz seyn
wird; bald auf die Tochter, in welcher sie sich die theilnehmendste
Freundin erzieht; endlich aber hat jedes Kind vermöge seiner Individualität ¬
seinen besonderen Antheil an ihrem Herzen. — c) Das
Rechtsverhältniß der Eltern zu den Kindern hat eine sinnliche und
eine ideelle Seite. Sinnlich genommen, ist das Kind das Geschöpf
der Eltern: durch ihre bildende Kraft hervorgebracht, so wie durch
ihre Bemühungen beim Leben erhalten, mit Kräften und Fertigkeiten ¬
ausgestattet, so wie mit allem, was ihm nöthig ist, versehen,
ist es ihr Eigenthum, welches Niemand ihnen streitig machen kann,
und so haben sie das wohlerworbene Recht, von ihm Vortheil zu
ziehen. Aber ideell sind die Zeugenden bloß die Organe der Menschheit; ¬
nicht sie bringen die Zeugung zu Stande, sondern die Gattung, ¬
in deren Dienste sie stehen, wirkt durch sie; das Erzeugte
gehört also der Gattung an und hat, da es den Begriff derselben
verwirklichen soll, volle Ansprüche auf gleiche Rechte mit allen ihren
anderen Gliedern, indem der Keim der Selbstständigkeit, wenn er
auch noch nicht zur Entwickelung gediehen ist, Achtung fordert.
So sind denn die Eltern nur die Pfleger der sich fort bildenden
Menschheit; die Natur hat aber ihr Wesen so organisirt, daß sie
in diesem Dienste der Gattung den höchsten Genuß finden, da der
Zusammenhang mit dem Ganzen die Individualität aus armseliger
Beschränktheit zu höherem Seyn erhebt: so hat denn das Glück
der Liebe, die Wollust der Begattung, der Genuß des Familienlebens, ¬
die Freude den Kindern wohlzuthun, ihre fortschreitende Entwickelung ¬
zu sehen und ihren Dank zu ernten, einen wesentlichen
Zusammenhang und eine allgemeine Bedeutung.
— Bei allen