fullscreen : Lehrbuch der allgemeinen Erziehungskunde im Auszuge (Th. 2)

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Kindern  das  eigene  Urtheilen  überflüssig  oder  unmöglich -
  zu  machen.
78.  §.  3.  Und  der  praktischen  Vernunft,
Der  Zögling  soll  nicht  bloß  das  Recht,  sondern  auch
die  Pflicht,  und  zwar  die  ihm  obligende  Pflicht  erkennen. -
  Beydes  ist  nicht  allezeit  verbunden.  Der  Erzieher
soll  die-Bildung  des  Zöglinges  nicht  auf  lebhafte  Schilderungen -
  edler  Handlungen  beschränken,  wodurch  das  moralische
Gefühl  zwar  gebildet,  aber  der  Zweck  doch  nicht  erreichet
wird,  wenn  nicht  der  Zögling  zugleich  zur  Erkenntniß  seiner
Pflicht  geführet  wird.  Er  bleibe  bey  keiner  Pflicht  bloß  im
Allgemeinen  stehen,  sondern  zeige  dieselbe  allezeit  in  Anwendung -
  auf  den  Zögling  selbst,  auf  seine  individuelle
gegenwärtige  oder  wahrscheinlich  künftige  Lage.
Er  zeige  die  allgemeine  und  unbedingte  Verbindlichkeit  einer
jeden  Pflicht.  Je  gewöhnlicher  die  Fälle,  je  analoger  die
Lagen,  je  ähnlicher  die  Menschen  dem  Zöglinge  sind,  desto
bessere  Dienste  werden  die  Beyspiele  leisten.  Der  Erzieher
beuge  auf  eine  indirecte  Art  den  gewöhnlichen  oder  wahrscheinlich -
  zu  befürchtenden  Verdrehungen  der  erkannten
Pflicht,  den  zu  besorgenden  Ausflüchtzen  vor,  oder  zeige
an  andern  Menschen,  wie  leicht  das  Herz  den  Verstand
blendet  und  irre  leitet.
79.  §.  4.  Jede  Schwächung  des  moralischen  Triebes,
Der  eigentliche  Trieb  zur  Moralität  wird  auf  in  directe -
  Art  durch  Verwahrlosung  desselben  und  durch  die
überwiegende  Thätigkeit  des  Triebes  der  Sinnlichkeit  geschwächet. -
  Daraus  ergibt  sich  auch  ohne  nähere  Erläuterung,
was  die  diätetische  Sorgfalt  des  Erziehers  vermeiden  und
verhindern  müsse.  Diese  Schwächung  kann  aber  auch  durch
eine  zweckwidrige  Art  der  Cultur  entstehen.  Die  vorzüglichsten -
  Fehler,  die  der  Erzieher  in  dieser  Hinsicht  vermeiden
soll,  sind:  1.  Man  beschränkt  die  Cultur  oft  nur  auf  das
Vortragen  und  Einprägen  moralischer  Vorschriften
ohne  zugleich  Lust  und  Neigung  zu  denselben  dem  Herzen
3
Max-Planck-Institut  für  Bi
forschu
            
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