Objekt : Mayer, Sigmund: ¬Die Aufhebung des Befähigungsnachweises in Österreich

Die  Handwerkerbewegung  in  Österreich:  1848—1890.
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damalige  Handelsminister,  Freiherr  von  Pino,  hatte  einen  Reformentwurf -
  ausgearbeitet,  welcher  prinzipiell  an  der  Gewerbefreiheit ¬
  festhielt.  Als  er  im  Gewerbeausschusse  des  Abgeordnetenhauses ¬
  auf  Opposition  von  Seite  der  Feudalkonservativen
stieß,  ließ  er  leichten  Herzens  nicht  seine  Überzeugung
aber  seinen  Entwurf  fallen.  Er  räumt  dem  zunftfreundlichen
Grafen  Egbert  Belcredi  das  Feld.  Dieser  wird  um  das  Jahr
1882  vom  Gewerbeausschusse  des  Abgeordnetenhauses  zum  Referenten ¬
  bestellt  und  mit  der  Verfassung  eines  neuen  Gewerbegesetzes ¬
  beauftragt.  Derselbe  ging  nun  an  dieses  Werk  mit  jener
glücklichen  Naivität,  die  seinem  vollkommenen  Mangel  an  Kenntnis
des  Gewerbewesens  entsprach.
Er  wußte  absolut  nichts  weiter,
als  daß  es  „Handwerker"  und  „Fabrikanten"  gebe.  Er  hielt
erk
sich  ganz  einfach  an  diese  Worte:  „Handwert  und  „Fablik:
Er  dekretierte  in  seinem  Gesetzentwurfe  kurzweg  für  das  erstere
den  Befähigungs-,  eigentlich  nur  einen  Verwendungsnachweis,
für  die  zweite,  für  die  „Fabrik",  die  Freiheit.  Er  war  so  durchaus
Laie  in  diesem  Fache,  daß  er  an  die  allererste  Vorbedingung
einer  solchen  einschneidenden  Scheidung  gar  nicht  dachte,  an  die
Notwendigkeit  nämlich,  auf  gesetzlichem  Wege  einen  Unterschied
zwischen  diesen  beiden  Gruppen  zu  fixieren.
Nun  war  die  Unkenntnis  in  dieser  allerdings  sehr  unromantischen ¬
  Frage  eine  so  durchgehende,  daß  dieser  Entwurf  bei  seiner
Publizierung,  im  Anfange  des  Jahres  1882,  vorerst  im  Publikum
ohne  Beachtung  blieb;  daß  sich  die  Aufmerksamkeit  erst  dann  auf
ihn  lenkte,  als  die  „Neue  Freie  Presse“  demselben,  bald  nach
seinem  Erscheinen,  in  einer  Reihe  von  Artikeln1  die  entschiedenste
Opposition  bereitete.  Die  Artikel  knüpften  grade  an  das  Fehlen
einer  Definition  zwischen  Handwerk  und  Fabrik  an;  machten  aber
nicht  nur  den  Referenten  auf  diesen  Mangel  aufmerksam,  sondern
erklärten  es  auch  schlankweg  als  überhaupt  unmöglich,  eine  solche
wirklich  und  brauchbar  zu  geben.  In  einer  weiteren  Reihe  von  Artikeln
wird  dann  in  mathematischer  Beweisführung  das  voraussichtliche
Fiasko  dieses  oder  eines  anderen,  eines  jeden  Befähigungsnachweises
1  Aus  der  Feder  des  Verfassers  dieser  Schrift.
            
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