Leges perfectae.
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Von einigen Autoren *) wird versucht, neben der genannten Dreiteilung ¬
der leges eine vierte Kategorie als leges plusquam per
fectae aufzustellen. Es sollen als solche diejenigen Gesetze gelten,
welche die rechtswidrige Handlung civilrechtlich für unwirksam erklären
und aufserdem noch mit Strafe belegen * 2). Indessen zu einer derartigen
Scheidung liegt weder nach den Quellen, noch aus inneren Gründen
irgend eine Veranlassung vor. Vollkommener als durch Vernichtung
der Wirkung eines Rechtsaktes kann kein Verbotsgesetz civilrechtlich
eingreifen, die hinzukommende Bestrafung ist hierbei ein weder wesentliches ¬
noch verstärkendes Moment. Dementsprechend ist neuestens
diese vierte Kategorie fast allgemein fallen gelassen
Betont sei noch, dals auch bei denjenigen leges perfectae, die
dem Zuwiderhandelnden Strafe auferlegen, die Ungültigkeit der verbotenen ¬
Handlung durch exceptio zum Ausdruck kommen kann
Überblicken wir das Ergebnis der bisherigen Untersuchung, so
zeigt sich, dals nach dem Digestenrechte der Einfluss der Verbotsgesetze ¬
auf die unerlaubte Rechtshandlung ein sehr verschiedenartiger
sein konnte. Nicht durch ein starres, gleichförmiges Prinzip, sondern
durch eine der Bedeutung und den Zwecken der Verbote entsprechende
Wirkung wird dem Gesetzeswillen Nachdruck verliehen. Auch hier
also war Aquität das höchste Prinzip 2), und sie fand ihren Ausdruck
in der Möglichkeit, dafs nicht stets die volle civilrechtliche Konsequenz,
’) Zimmern, Geschichte des röm. Privatrechts Bd. I S. 62: Hugo,
Lehrbuch der Gesch. d. röm. Rechts S. 434.
2) Als Beispiel möge dienen § 12 J. de nuptiis 1. 10: die verbotswidrige ¬
Ehe ist nichtig: nec vir nec uxor nec nuptiae nec matrimonium
nec dos intellegitur — aufserdem heifst es: qui autem prohibitas nuptias
coeunt et alias poenas patiuntur, quae sacris constitutionibus continentur.
Ferner L. 4. L. 6 C. de incestis et inutilibus nuptiis 5, 5; L. 10 C. de
sacros eccles. 1. 2.
3) Vgl. besonders Schilling, animadvers. crit. p. 25. Glück,
Komment. Bd. I § 4 S. 52. Puchta, Institutionen Bd. 1 § 74. Dern
burg. Pandekten Bd. I § 31 S. 68.
*) So heifst es: (Ulpian?) fragm. de iure fisci § 8 (Huschke, jurispr.
anteiust. S. 523 und ebenso Krüger in der collectio librorum iuris antéiustiani ¬
tom. II pag. 164) : qui contra edictum divi Augusti rem litigiosam
à non possidente comparavit, praeterquam quod emptio nullius momenti
est: poenam quinquaginta sestertiorum fisco repraesentare compellitur, und
Gai, Instit. IV 117 à: item si fundum litigiosum sciens a non possidente
emeris eumque a possidente petas, opponitur tibi exceptio, per quam
onnimodo summoveris.
3) Bezeichnend ist hierfür: L. 3 D. de offic. practor. 1, 14 (Ulpian),
Ein entlaufener Sklave hatte in Rom als Praetor fungiert: nach strenger.