Full text : Endemann, Friedrich: Über die civilrechtliche Wirkung der Verbotsgesetze nach gemeinem Rechte

Leges  perfectae.
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Von  einigen  Autoren  *)  wird  versucht,  neben  der  genannten  Dreiteilung ¬
  der  leges  eine  vierte  Kategorie  als  leges  plusquam  per
fectae  aufzustellen.  Es  sollen  als  solche  diejenigen  Gesetze  gelten,
welche  die  rechtswidrige  Handlung  civilrechtlich  für  unwirksam  erklären
und  aufserdem  noch  mit  Strafe  belegen  *  2).  Indessen  zu  einer  derartigen
Scheidung  liegt  weder  nach  den  Quellen,  noch  aus  inneren  Gründen
irgend  eine  Veranlassung  vor.  Vollkommener  als  durch  Vernichtung
der  Wirkung  eines  Rechtsaktes  kann  kein  Verbotsgesetz  civilrechtlich
eingreifen,  die  hinzukommende  Bestrafung  ist  hierbei  ein  weder  wesentliches ¬
  noch  verstärkendes  Moment.  Dementsprechend  ist  neuestens
diese  vierte  Kategorie  fast  allgemein  fallen  gelassen
Betont  sei  noch,  dals  auch  bei  denjenigen  leges  perfectae,  die
dem  Zuwiderhandelnden  Strafe  auferlegen,  die  Ungültigkeit  der  verbotenen ¬
  Handlung  durch  exceptio  zum  Ausdruck  kommen  kann
Überblicken  wir  das  Ergebnis  der  bisherigen  Untersuchung,  so
zeigt  sich,  dals  nach  dem  Digestenrechte  der  Einfluss  der  Verbotsgesetze ¬
  auf  die  unerlaubte  Rechtshandlung  ein  sehr  verschiedenartiger
sein  konnte.  Nicht  durch  ein  starres,  gleichförmiges  Prinzip,  sondern
durch  eine  der  Bedeutung  und  den  Zwecken  der  Verbote  entsprechende
Wirkung  wird  dem  Gesetzeswillen  Nachdruck  verliehen.  Auch  hier
also  war  Aquität  das  höchste  Prinzip  2),  und  sie  fand  ihren  Ausdruck
in  der  Möglichkeit,  dafs  nicht  stets  die  volle  civilrechtliche  Konsequenz,
’)  Zimmern,  Geschichte  des  röm.  Privatrechts  Bd.  I  S.  62:  Hugo,
Lehrbuch  der  Gesch.  d.  röm.  Rechts  S.  434.
2)  Als  Beispiel  möge  dienen  §  12  J.  de  nuptiis  1.  10:  die  verbotswidrige ¬
  Ehe  ist  nichtig:  nec  vir  nec  uxor  nec  nuptiae  nec  matrimonium
nec  dos  intellegitur  —  aufserdem  heifst  es:  qui  autem  prohibitas  nuptias
coeunt  et  alias  poenas  patiuntur,  quae  sacris  constitutionibus  continentur.
Ferner  L.  4.  L.  6  C.  de  incestis  et  inutilibus  nuptiis  5,  5;  L.  10  C.  de
sacros  eccles.  1.  2.
3)  Vgl.  besonders  Schilling,  animadvers.  crit.  p.  25.  Glück,
Komment.  Bd.  I  §  4  S.  52.  Puchta,  Institutionen  Bd.  1  §  74.  Dern
burg.  Pandekten  Bd.  I  §  31  S.  68.
*)  So  heifst  es:  (Ulpian?)  fragm.  de  iure  fisci  §  8  (Huschke,  jurispr.
anteiust.  S.  523  und  ebenso  Krüger  in  der  collectio  librorum  iuris  antéiustiani ¬
  tom.  II  pag.  164)  :  qui  contra  edictum  divi  Augusti  rem  litigiosam
à  non  possidente  comparavit,  praeterquam  quod  emptio  nullius  momenti
est:  poenam  quinquaginta  sestertiorum  fisco  repraesentare  compellitur,  und
Gai,  Instit.  IV  117  à:  item  si  fundum  litigiosum  sciens  a  non  possidente
emeris  eumque  a  possidente  petas,  opponitur  tibi  exceptio,  per  quam
onnimodo  summoveris.
3)  Bezeichnend  ist  hierfür:  L.  3  D.  de  offic.  practor.  1,  14  (Ulpian),
Ein  entlaufener  Sklave  hatte  in  Rom  als  Praetor  fungiert:  nach  strenger.
            
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