Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

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Zweite  Abth.  Erster  Abschnitt.
jahre  sind  sie  desto  mehr  mit  Wasser  angefüllt.  Wenn  sich
eine  solche  unter  Aeckern  befindet,  so  macht  sie  diese  naß,
unfruchtbar  und  zum  Anbau  des  Wintergetreides  oft  ganz
ungeschickt.  Sie  haben  wegen  ihrer  Feuchtigkeit  wenig  Haltung, ¬
  und  daher  schlemmen  sich  die  Graben,  welche  man
darin  zieht,  bald  wieder  zu.  Die  meisten  Brunnen  verdanken ¬
  diesen  Schichten  ihr  Wasser.
Diese  Schichten  kommen  nun  oft  irgendwo  an  der  Erde
zum  Vorschein,  und  in  solchen  Gegenden  dringt  das  Wasser
aus  ihnen  mit  Gewalt  hervor.  Dies  ist  nun  besonders  an
den  Bergen  sichtbar;  ferner  in  den  Betten  der  Flüsse,  und
in  den  Schluchten,  wo  die  verschiedenen  Erdschichten  so  zerrissen =
  und  durchbrochen  sind,  daß  man  oft  an  beiden  Enden
einer  Schlucht  oder  eines  Flußbettes  einerlei  Erdschichten  in
einerlei  Ordnung  erkennt.
Wenn  nun  das  Wasser,  entweder  aus  den  Behältern,
worin  es  sich  gesammelt,  oder  aus  den  nassen  Schichten,
worin  es  sich  angehäuft  hat,  zu  Tage  kommt;  so  entstehen
in  beiden  Fällen  Quellen,  und  von  dieser  Art  sind  nun,
wenige  ausgenommen,  die  Quellen  unserer  Erde.
Das  atmosphärische  Wasser  muß  demnach  von  den  Höhen ¬
  der  Berge  bis  auf  eine  gewisse  Tiefe  in  die  Erde  hinab
gesunken  seyn,  ehe  es  sich  in  Gestalt  einer  Quelle  zeigen
kann.  Es  werden  also  auf  den  höchsten  Gipfeln  der  Berge
keine  Quellen  angetroffen,  obgleich  andere  Wasserbehälter  da
seyn  können.  Zwar  giebt  es  bisweilen  Quellen  oben  auf  den
Bergen,  allein  sie  liegen  immer  beträchtlich  niedriger,  als
jene  Gipfel.  Der  Hexen=  oder  Zauber=Brunnen  auf
dem  Brocken  ist  eine  Quelle,  die,  ihrer  hohen  Lage  ungeachtet, ¬
  achtzehen  Fuß  tiefer  liegt,  als  der  höchste  Gipfel  des
Berges,  von  dem  sie  55  Ruthen  entfernt  ist.  Sie  liefert
täglich  1440  Kubikfuß  Wasser,  und  fließt  durch  einen  Torfbruch, ¬
  mit  mehreren  Quellen  vereinigt,  der  Ilse  zu.  Man
hat  also  nicht  nöthig,  mit  Silberschlag  in  dem  Berge
            
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