Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Ursprung  der  Quellen.
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verschiedene  Weise  wieder  verlieren.  Ein  Theil  fließt  auf  ihr
ab,  den  niedrigen  Stellen  zu;  ein  anderer  löset  sich  wieder
in  Dünste  auf,  und  ein  dritter  dringt  in  die  Erde.  Dieser
ist  es  nun,  welchem  die  Quellen  ihr  Daseyn  verdanken.
Das  Wasser  zieht  in  die  Erde,  und  dringt  in  ihre
Schichten  ein.  Dieses  geschieht  nun  um  so  viel  geschwinder,
je  lockerer  der  Boden  ist,  auf  welchem  es  sich  befindet;  daher ¬
  sieht  man  sandige  Ebenen,  wenn  sie  auch  keinen  merklichen ¬
  Abhang  haben,  nach  dem  stärksten  Regen,  mehrentheils
trocken,  obgleich  das  Wasser  auf  ihnen  nicht  abfließt.
Gegen  dieses  Eindringen  des  Wassers  in  die  Erde  hat
man  indeß  längst  Zweifel  erhoben.  Seneca  merkt  bereits
an,  daß  das  Regenwasser  kaum  zehen  Fuß  in  die  Erde
dringe.  Perrault  *)  und  vorzüglich,  de  la  Hire  2)  haben
solches  durch  mehrere  Versuche  zu  bestätigen  gesucht.  Dieser
grub  eine  Schüssel  acht  Fuß  tief  in  die  Erde  ein,  so  daß  sie
ein  wenig  schief  stand,  und  aus  ihrer  niedrigsten  Stelle  eine
zwölf  Fuß  lange  Bleiröhre  in  einen  Keller  ging.  Aus  dieser
Röhre  floß  in  einer  Zeit  von  funfzehn  Jahren  kein  Tropfen
Wasser  ab.  Eine  andere  Schüssel,  mit  acht  Zoll  hohen
Wänden,  deren  Fläche  vier  und  sechzig  Quadratzolle  betrug,
ward  nur  acht  Zolle  tief,  an  einem  weder  der  Sonne  noch
dem  Winde  ausgesetzten  Orte  eingegraben,  der  von  allen  den
Durchgang  des  Wassers  hindernden  Pflanzen  gesäubert  war.
Auch  diese  gab  vom  12ten  Jun.  bis  zum  folgenden  Februar
kein  Wasser,  und  dann  nur  wenig,  wenn  auf  den  Regen
ein  starker  Schnee  gefallen  war.  Eben  diese  Schüssel  sechszehn ¬
  Zolle  tief  eingegraben,  gab  nach  dem  stärksten  Regen
kein  Wasser,  und  als  man  Pflanzen  darüber  einsetzte,  verdorreten ¬
  diese  aus  Mangel  an  Feuchtigkeit.  Aus  diesem  allen
zieht  de  la  Hire  die  Folgerung,  daß  das  Regenwasser  in
1)  Oeuv,  div.  T.  1.  q.  787.
2)  Mem.  de  l’Acad.  a  Paris  1763.  p.  68.
            
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