Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

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Zweite  Abth.  Erster  Abschnitt.
rung  streite,  solches  hat  de  Luc  *)  umständlich  gezeigt.
Wenn  die  Verdichtung  der  aus  dem  Innern  der  Erde  empor ¬
  gestiegenen  Dünste,  welche  sich  nach  der  äußern  Wärme
richtet,  die  Ursach  der  Quellen  wäre;  so  müsten  die  Flüsse
des  flachen  Landes  im  Sommer  am  meisten  anschwellen,  weil
sich  alsdann  mehr  Dünste  unverdichtet  in  die  Luft  erhoben
haben,  und  in  Regen  herabfallen:  diejenigen  aber,  welche
von  den  hohen  Bergen  kommen,  müsten  im  Winter  sogleich
von  ihrer  Quelle  an  sehr  zunehmen,  weil  alsdann  die  Verdichtung ¬
  auf  den  hohen  mit  Schnee  und  Eise  bedeckten  Gebirgen ¬
  sehr  stark  und  schnell  erfolgen  würde.  Allein  von
allem  diesen  geschieht  gerade  das  Gegentheil.  Die  Bergwasser ¬
  fließen  im  Winter  schwächer,  und  Flüsse,  die  von  neu
gefallenem  Schnee  oder  Regen  entstehen,  schwellen  im  Winter ¬
  mehr  an,  als  im  Sommer.  De  Luc  zeigt  bei  dieser
Veranlassung  sehr  deutlich,  daß  das  Anschwellen  der  Flüsse,
welche  von  hohen  Bergen  kommen,  ganz  von  dem  Zerschmelzen ¬
  des  Schnees  und  Eises  abhängig  sey,  welches  man  aber
auf  diejenigen,  welche  im  flachen  Lande  fließen,  nur  zu  gewissen ¬
  Jahreszeiten  anwenden  könne.
Von  den  angeführten  Erklärungsarten  sind  die  des  Mariotte ¬
  und  des  Halley,  wonach  die  Quellen  von  dem
Wasser  aus  dem  Luftkreise  erzeugt  und  unterhalten  werden,
als  die  gegründetsten,  von  den  neueren  Naturforschern  fast
überall  angenommen  werden.  Man  kann  auch  aus  dieser
Ursach,  wenn  man  das  Zerschmelzen  des  Schnees  damit  verbindet, ¬
  von  ihrer  Entstehung  in  allen  Gegenden  der  Erde
Rechenschaft  geben.  Einige  gründen  sich  in  besonderen  und
localen  Umständen.
Die  Abhängigkeit  der  Quellen  von  dem  Wasser  der  Atmosphäre, ¬
  als  dem  Regen,  Nebel,  Thau,  Hagel  und  Schnee
erhält  schon  daraus  einen  hohen  Grad  der  Wahrscheinlichkeit,
daß  die  meisten  Quellen  bei  großer  Dürre  sehr  merklich  ab*) ¬
  Untersuchung  über  die  Atmosphäre.  1.  Th.  S.  154.  u.  f.
            
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