Zweite Abth. Erster Abschnitt,
Maaße unablässig ausgetheilt werden, bis an die Orte der
Quellen zu erheben.
Die Beantwortung dieser Frage ist nun auf eine sehr
verschiedene Weise geschehen, und sie würde befriedigender
ausgefallen seyn, wenn man sich nicht immer hätte auf
einem einzigen Wege halten wollen. Die Natur ist einfach
in ihren Anstalten: allein daraus folgt nicht, daß sie zu
einer Wirkung auch jedesmal nur eine Ursach gebrauche;
sondern nur so viel, daß alle Wirkungen, welche man in
ihrer Oekonomie antrift, durch so wenig Ursachen, als möglich, =
hervorgebracht werden: wobei jedoch mehrere einander
Hülfe leisten und sich unterstützen können.
Alles, was von den Naturforschern älterer und neuerer
Zeit, über diese Materie vorgebracht ist, läuft darauf hinaus, ¬
daß die Quellen entweder durch das atmosphärische
Wasser erzeuget werden, oder ihren Ursprung unmittelbar
aus dem Oceane nehmen, oder einem im Innern der Erde
befindlichen Wasserbehälter ihren Ursprung zu verdanken haben.
Aristoteles *) führt bereits verschiedene Meinungen
über diesen Grgenstand an: jedoch scheint er sich im Ganzen
auf die Seite derer zu neigen, welche die Berge und Erhabenheiten ¬
auf der Erdkugel, als solche Orte ansehen, die
das Regenwasser und andere Flüssigkeiten einsaugen, und in
ihre Behälter verschliessen, aus denen sie hiernächst langsam
und tropfenweise hervor kommen. Außerdem glaubt er noch,
daß die im Innern dieser Höhlen eingeschlossene Luft die
Natur des Wassers annehme.
Seneca *) tritt dieser Meinung bei, geht aber darin
noch weiter, daß er eine Verwandelung der Erde selbst in
Wasser annimmt, um den reichlichen Zugang des Wassers
noch begreiflicher zu machen, welches die Quellen in so reichem ¬
Maaße liefern.
1) Meteorolog. Lib. 1. Cap. 15.
2) Natur. Quaest. Lib. 3. Cap. 9.