Fünfte Abth. Dritter Abschnitt.
580
er von Süden nach Norden geht, der steigende, und umgekehrt ¬
der fallende heißt. Mehrere Ursachen hindern diesen
Strom, sich in der gewöhnlichen Regelmäßigkeit zu erhalten.
Hieher gehören Sturmwinde und Windstöße, die hier sehr
häufig sind, den Strom zwingen, zeitiger zu kommen, und
ihn von seiner Richtung ablenken. Außerdem giebt es noch
nahe an der Scylla mehrere gegen einander streitende Wasserzüge, ¬
nicht weit vom Lande, welche dort unter dem Namen ¬
Capi di Rema bekannt sind. Sie liegen in einiger
Entfernung vom Lande, und rühren von der Ungleichheit
des Meeresbodens an der Küste von Calabrien und Sicilien
her, welche den Lauf des Hauptstroms modificiren. Hierdurch ¬
werben nun Wirbel erzeugt, die zu gewissen Zeiten
vermögend sind, ein Schiff in den Grund zu treiben.
Einer dieser Wirbel bei der Scylla ist vor allen sehr
gefährlich. Hier begegnet der Strom, welcher längs der
nördlichen Küste Siciliens herkommt, einem andern, der an
den Ufern Italiens hinab läuft. Dieser Wirbel ist nicht
merklich, wenn nicht beide mit Gewalt auf einander stoßen,
ob er gleich beim Süd- und Südostwinde allezeit gefährlich
ist. Bei jenem brechen sich die Meereswogen mit solcher
Gewalt an den Felsen unter dem Wasser, daß, indem sie
zurück prallen, sie ein großes Schiff, geschweige ein kleines
Fahrzeug in Gefahr setzen; und bei diesem fallen, zumal
wenn er sich mit dem Ostwinde vereinigt, bei einem, dem
Anscheine nach, ruhigen Meere, von den benachbarten Bergen ¬
jählinge Windstöße auf die Fläche. Wenn nun alsdann
hier Schiffe verunglücken, so ist der Wirbel der Scylla nicht
immer daran Schuld. Von einem hoch gelegenen Orte auf
der Küste kann man das Zusammentreffen der beiden Ströme, ¬
als die wahre Ursach des Wirbels, erkennen. Die Hölen, ¬
welche sich unter der Wasserebene befinden, tragen auch
dazu bei, die Bewegung des Wassers unordentlicher und heftiger ¬
zu machen: so wie die Reihe der Berge, oder großer