Ebe und Fluch.
geschwächt werden, d. 1., die Mondsfluth und Mondsebbe
durch die Sonne. Nachdem also diese beiden Kräfte entweder ¬
nach einer und derselben Richtung, oder gegen einänder
wirken, werden Ebbe und Fluth größer oder kleiner. Weil
die Sonne das Wasser in vier und zwanzig Stunden an
einem Orte zweimal erheben, und eben so oft sinken lassen
sollte, wenn kein Mond vorhanden wäre, der solches innerhalb ¬
24 Stunden 50 Minuten verrichtet; so sieht man
leicht, daß die Veränderung, welche die Sonne in der Bewegung ¬
des Meeres hervorbringt, in sa fern solches auf den
Mond ankommt, jeden Tag anders seyn müsse, je nachdem
nemlich diese beiden Wirkungen mehr oder weniger mit einander ¬
übereinstimmen, oder gegen einander streiten.
Sobald die Sonne und der Mond mit der Erde in gerader =
Linie stehen, wirken die Anziehungskräfte beider Körper ¬
gemeinschaftlich mit vereinigter Kraft, und heben also
die Fluth höher, als zu einer andern Zeit: ist hingegen der
Mond im Mittagskreise und die Sonne im Horizonte desselben, ¬
so wirken beide Körper auf die Erde kreutzweise
denn die Sonne ist alsdenn mit der Ebbe in gerader Lini
und vermindert durch ihre Attraction, daß das Wasser daselbst ¬
nicht so tief sinken, folglich auch die Fluth, unter dem
Monde und an der von ihm abgekehrten Seite, nicht so hoch
steigen kann, als geschehen würde, wenn der Mond allein
und die Sonne gar nicht vorhanden wäre. Jene nennt
man Springfluth, diese aber Nipfluth, todte Fluth;
jene ereignet sich im Neu und Vollmonde, diese aber in
den Vierteln oder Quadraturen.
Zur Zeit des Neumonds nemlich sind die Sonne un
der Mond in Conjunction, d. h., sie befinden sich beide über
einander auf einer Seite der Erde, und bringen alsdann
hier die verstärkte Erhebung des Wassers hervor. Im Vollmonde ¬
sind die Sonne und der Mond in Opposition, d. i.
se stehen einander gerade gegen über, nemlich die Sonne an