Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Ebbe  und  Fluch
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man  sie  zuerst  als  ein  Wunder  betrachtete.  Lälius  fand  sie
so,  als  er  in  der  Meerenge  die  Schiffe  der  Carthager  unter
dem  Adherbal  angriff  1).  Curtius  schildert  daher  sehr  richtig ¬
  das  Erstaunen,  in  welches  Alexander  mit  seinem
Kriegesheere  versetzt  wurde,  als  sie  in  Indien  ihre  Schiffe
vom  Wasser  entblößet  sahen.  Homer  2)  führt  indeß  bereits ¬
  an,  daß  der  Strudel  der  Charybdis  sich  täglich  dreimal ¬
  erhebe,  und  wieder  zurück  gehe:  eine  Stelle,  welche
Strabo  durch  die  Ebbe  und  Fluth  erklärt.  Herodot  und
Diodor  aus  Sicilien  legen  diese  Bewegung  ausdrücklich
dem  rothen  Meere  bei.  Aristoteles  gedenkt  ihrer  an  einigen ¬
  Orten  seiner  Schriften,  und  sagt  *),  daß  sich  diese  Er.
hebungen  des  Meeres  nach  dem  Monde  richteten.  Se
schreibt  auch  Pytheas  die  Ebbe  und  Fluth  dem  Monde
zu,  wenn  ihn  anders  der  Verfasser,  welcher  seine  Aussage
aufschrieb,  richtig  verstanden  hat  *).  Aus  einer  unrecht  ansgelegten ¬
  Stelle  der  Kirchenväter  ist  die  Sage  entstanden
Aristoteles  habe  sich  in  den  Ocean  gestürzt,  aus  Verdruß,
daß  er  die  Ursach  jener  Erscheinung  nicht  zu  entdecken  vermogte. ¬
  Justinus  Martyr  )  sagt  von  ihm,  er  sey  vor
Gram  gestorben,  weil  er  die  Natur  des  Euripus  nicht
habe  erklären  können,  und  gedenkt  der  Ebbe  und  Fluth
gar  nicht.
Die  Römer,  als  sie  ihre  Eroberungen  bis  an  das  Atlantische ¬
  Weltmeer  ausdehnten,  erlangten  eine  vollständigere
Kenntniß  davon.
Cäsar  e)  gedenkt  dieser  Bewegung  des
)  Livii  histor.  Lib.  XXVI.  Cap.  50.
2)-Odyss.  XII.  105.
2)  De  mundo  Cap.  4.  sub  fin.
4)  Plutarchus  de  dictis  et  placitis  philosophor.  Lib,  III.  art.
17.  18.
2)  Cohort.  ad  Graec.
6)  De  Bello  gallico  Lib.  IV.
            
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