Inhaltsverzeichnis : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Wellen  des  Meeres
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sind  sie  des  Morgens  sehr  hoch,  und  in  der  Nacht  überaus
schwach.  Wie  kann  nun  eine  einförmige  Ursach  solche  veränderliche ¬
  Wirkungen  erzeugen?  Es  müssen  also  noch  Zwi
schenursachen  eintreten,  die  dem  Auge  des  Forschers  noch
verborgen  geblieben  sind.
Es  ist  ausgemacht,  daß  die  Brandungen,  so  wie  wir  sie
beschrieben,  denenjenigen  Erdstrichen  eigen  sind,  welche
innerhalb  der  Grenzen  der  Passatwinde  liegen:  ob  man
gleich  in  den  höheren  Breiten  hohe  Wellen  und  unregelmäßige ¬
  Brechungen  der  See,  nach  einem  stürmischen  Wetter
gewahr  wird.  Vielleicht  vereinigen  sich  folgende  Ursachen
mit  den  bereits  angegebenen,  diesen  Unterschied  hervorzubringen. ¬
  Da  jener  Erdstrich  dem  Einflusse  der  beiden  großen
Himmelskörper  am  meisten  ausgesetzt  ist,  so  ist  er  auch  heftigeren ¬
  Bewegungen  unterworfen,  als  nahe  an  den  Polen,
wo  ihre  Wirkung  nur  mittelbar  ist.  Der  Theil  der  Erdkugel ¬
  unter  der  Linie  vollendet  seine  tägliche  Bewegung  mit
größerer  Schnelligkeit,  als  die  übrigen,  indem  er  in  derselben ¬
  Zeit  einen  größern  Kreis  beschreiben  muß:  folglich  muß
das  Wasser  wegen  der  größern  Schwungkraft  hier  noch  mehr
aufwallen,  die  Wirkung  der  Materie  weniger  empfinden
und  folglich  weniger  schwer  seyn,  und  um  deswillen  von  je
der  äußern  Ursach,  es  mögen  nun  Winde  oder  andere  Kräfte
seyn,  leichter  beweget  werden.
Stürme,  Sturmwinde  äußern  auf  das  Meer  öfters
eine  erstaunliche  Wirkung,  denn  sie  erregen  Berge  von  aufgethürmten ¬
  schäumenden  Wellen,  deren  Braufen  man  auf  dem
Lande  zur  Nachtzeit  oft  viele  Meilen  weit  vom  Ufer  vernimmt. ¬
  Wenn  das  Meer  von  den  Winden  gepeitscht  wird,
und  in  Begriff  ist,  sich  in  Dampf  aufzulösen,  so  scheint  es
mit  unermeßlichen  Tiefen  und  hohen  Bergen  abwechselnd
ausgehölt  und  höckerig  zu  seyn.  Ein  solches  Meer  befährt
jedoch  der  wahre  Seemann,  wenn  das  Schiff  nur  gut  ist,
mit  unerschrocknem  Muthe,  und  dünkt  sich  mitten  im  Ab=
            
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