Wellen des Meeres
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sind sie des Morgens sehr hoch, und in der Nacht überaus
schwach. Wie kann nun eine einförmige Ursach solche veränderliche ¬
Wirkungen erzeugen? Es müssen also noch Zwi
schenursachen eintreten, die dem Auge des Forschers noch
verborgen geblieben sind.
Es ist ausgemacht, daß die Brandungen, so wie wir sie
beschrieben, denenjenigen Erdstrichen eigen sind, welche
innerhalb der Grenzen der Passatwinde liegen: ob man
gleich in den höheren Breiten hohe Wellen und unregelmäßige ¬
Brechungen der See, nach einem stürmischen Wetter
gewahr wird. Vielleicht vereinigen sich folgende Ursachen
mit den bereits angegebenen, diesen Unterschied hervorzubringen. ¬
Da jener Erdstrich dem Einflusse der beiden großen
Himmelskörper am meisten ausgesetzt ist, so ist er auch heftigeren ¬
Bewegungen unterworfen, als nahe an den Polen,
wo ihre Wirkung nur mittelbar ist. Der Theil der Erdkugel ¬
unter der Linie vollendet seine tägliche Bewegung mit
größerer Schnelligkeit, als die übrigen, indem er in derselben ¬
Zeit einen größern Kreis beschreiben muß: folglich muß
das Wasser wegen der größern Schwungkraft hier noch mehr
aufwallen, die Wirkung der Materie weniger empfinden
und folglich weniger schwer seyn, und um deswillen von je
der äußern Ursach, es mögen nun Winde oder andere Kräfte
seyn, leichter beweget werden.
Stürme, Sturmwinde äußern auf das Meer öfters
eine erstaunliche Wirkung, denn sie erregen Berge von aufgethürmten ¬
schäumenden Wellen, deren Braufen man auf dem
Lande zur Nachtzeit oft viele Meilen weit vom Ufer vernimmt. ¬
Wenn das Meer von den Winden gepeitscht wird,
und in Begriff ist, sich in Dampf aufzulösen, so scheint es
mit unermeßlichen Tiefen und hohen Bergen abwechselnd
ausgehölt und höckerig zu seyn. Ein solches Meer befährt
jedoch der wahre Seemann, wenn das Schiff nur gut ist,
mit unerschrocknem Muthe, und dünkt sich mitten im Ab=