Volltext : Otto, Johann Friedrich Wilhelm: System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens

Fünfte  Abth.  Dritter  Abschnitt.
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Wassertiefe  ihrer  Größe  nicht  mehr  angemessen  ist;  so  drücken
sie  im  Fallen,  anstatt  auf  eine  Wassermasse  zu  wirken,  welcher ¬
  sich  in  gleicher  Art  erheben  könnte,  auf  den  Boden,
dessen  Widerstand  denn  macht,  daß  die  Bewegung  entsteht,
von  welcher  wir  reden.  Einige  glauben,  daß  sich  ihre  besondere ¬
  Form  aus  der  flachen  und  abhängigen  Beschaffenheit
des  Ufers  erklären  lasse.  Wenn  sich  die  Wellen  einer  solchen
Küste  nähern,  so  stehen  ihre  unteren  Theile,  die  den  Widerstand ¬
  des  Bodens  zuerst  empfinden,  stille,  da  indeß  die  oberen ¬
  Theile  sich  fortbewegen.  Hierdurch  wird  nun  eine  wälzende ¬
  Richtung  hervorgebracht,  welche  durch  die  Rückkehr
der  vorhergehenden  Welle  noch  vermehrt  wird.  Allein  diese
Erklärung  gründet  sich  auf  die  Voraussetzung  einer  wirklich
fortschreitenden  Bewegung  des  Wassers  bei  der  Brandung:
diese  findet  aber  hier  nicht  statt.  Der  einzige  wahre  Fortschritt ¬
  des  Wassers  rührt  von  dem  senkrechten  Falle,  nach
der  Brechung  der  Welle  her,  wenn  sie  vermöge  ihres  Gewichts ¬
  von  einer  größern  und  geringern  Höhe  herab  fällt.
Daß  die  Brandungen  nicht,  wie  die  gewöhnlichen  Wogen, ¬
  eine  unmittelbare  Wirkung  des  Windes  sind,  ist  daraus ¬
  erweislich,  daß  die  höchste  und  heftigste  Brandung  oft
alsdann  entsteht,  wenn  der  Wind  am  schwächsten  ist,  und
umgekehrt.  Zuweilen  dauert  die  Brandung  in  einem  gleichen
Grade  der  Stärke  fort,  da  indeß  der  Wind  abwechselnd
bald  stark  bald  schwach  bläst.  Auf  der  westlichen  Seite  von
Sumatra  bemerkt  man  die  höchste  Brandung  während  des
nordöstlichen  Passatwindes,  ungeachtet  derselbe  nie  mit  solchen ¬
  Stürmen  begleitet  ist,  als  der  nordwestliche.  Auch
folgt  die  Bewegung  der  Brandung  nicht  in  der  Richtung  des
Windes,  sondern  er  ist  ihr  oft  gerade  entgegen:  denn,  wenn
er  auch  noch  so  stark  und  anhaltend  vom  Lande  weht,  so
schwimmt  der  Schaum  der  Brandung  ihm  doch  entgegen.
Einige  halten  die  Brandung  für  eine  Wirkung  der  Seestürme, ¬
  welche  sich  zwar  nicht  ganz  bis  an  die  Küste  erstrecken, ¬

            
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